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Craft Beer Days - Klassentreffen der Kreativbier-Szene

Wie groß die deutsche Kreativbier-Szene inzwischen ist und was die hiesigen Brauer zu leisten vermögen, lässt sich auf den Craft Beer Days in Hamburg begutachten.

Es tut sich etwas in der Biernation Deutschland. Seit einigen Jahren entstehen immer mehr Kreativbrauereien, die mit spannenden Bier-Kreationen dem Einheitsgesöff der großen Konzerne etwas entgegensetzen. Wie groß die Szene inzwischen ist und was die hiesigen Brauer zu leisten vermögen, ließ sich am vergangenen Wochenenden auf den Craft Beer Days in Hamburg begutachten.

Mehr als 3000 Besucher kamen in die Schanzenhöfe, wo die Ratsherrn Brauerei ihren Stammsitz hat. 16 Brauereien stellten ihre Kreationen vor - nur ein kleiner Ausschnitt einer stetig wachsenden Szene. "Wir mussten vielen Brauereien aus Platzgründen schweren Herzens absagen", sagte Ausrichter Axel Ohm. Im kommenden Jahr wolle man die Veranstaltung an einem anderen Ort aufziehen, um mehr Aussteller einladen zu können. Derzeit liefen diesbezüglich Gespräche mit der Stadt, so Ohm.

Beeindruckend, die Vielfalt der ausgeschenkten Biere, insgesamt 66 an der Zahl. Allein die Stile decken die ganze Breite der Geschmacksmöglichkeiten ab: Von Bock über Kellerbier bis Zwickel. Von Imperial Stout bis Strong Ale, IPA. Lager, Weißbier, Märzen, Porter. Und das in verschiedensten Variationen. Eigentlich unmöglich, in zwei Tagen alles einmal zu probieren. Es soll jedoch tatsächlich Gäste geben, die genau das von sich behaupten...

Die Besucher durften auch abstimmen, welche Brauerei sie am stärksten beeindruckt hat. Das aus Hamburger Sicht erfreuliche Resultat: Unter den Top 3 kommen zwei aus der Hansestadt. Gewonnen hat Crew Republic aus München. Den zweiten Rang belegte die Kreativbrauerei Kehrwieder, auf Rang drei die Gastgeber von Ratsherrn.

Es wurde jedoch nicht nur gefeiert und getrunken, es gab auch spannende Workshops und Seminare. Oliver Wesseloh, Braumeister von Kehrwieder, erzählte in einem mitreißenden Vortrag von der Entstehung der Craft-Beer-Bewegung in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren. Was die zu leisten vermag, demonstrierte er anhand einiger Biere, die er währenddessen ausschenkte - darunter auch den von ihm gebrauten "Prototyp". Waren es die schönen Worte, war es der sympathische Typ? Mein persönliches Lieblingsbier kam jedenfalls von Kehrwieder.

Oliver Wesseloh von der Kreativbrauerei Kehrwieder (Foto: Michael Hellwig)

Im Zentrum seines Interesses stehen Vielfalt und Geschmack. Dabei vertritt Wesseloh einen erfrischend undogmatischen Ansatz: Dass auch große Braukonzerne wie die Radeberger-Gruppe nun auf den Zug aufspringen und mit dem Ableger Braufactum in der Craft-Beer-Szene mitmischen, stört ihn nicht. Die Hauptsache ist für ihn, dass sie gutes Bier herstellen und es nicht verramschen. Wenn die Menschen auf diese Weise mitbekämen, dass es jenseits von Pils und Weizen interessante Biere gebe, für die man auch ein paar Pfennig mehr berappen müsse, profitierten alle davon.

Überhaupt gehört zu den Besonderheiten der Craft-Beer-Szene, dass sich die verschiedenen Brauer nicht als Konkurrenten verstehen, sondern einer gemeinsamen Mission folgen: In Deutschland eine Bierkultur (wieder) zu errichten. Dabei setzt man auf ein Mit- und nicht auf ein Gegeneinander wie in vielen anderen Branchen. Das trägt zu einer sehr kumpelig-entspannten Atmosphäre bei. Zudem kennt Wesseloh viele der hier ausschenkenden Braumeister von seinem Studium an der VLB Berlin - auch das verleiht der Veranstaltung mehr der Charakter eines Klassentreffens.

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