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Warum ich als Franke wiedergeboren werden möchte

Franken verfügt über eine weltweit einzigartige Brauereiendichte. Jede vierte deutsche Brauerei wird von einem tapferen Franken betrieben. Nur einer der Gründe, diese Region zu lieben.

Bier aus Franken

Franken verfügt über herrliche Biergärten - wie den Spezial-Keller in Bamberg

Eigentlich bin ich ja ein gänzlich unreligiöser Mensch, alles Jenseitige ist mir fremd. Das kann sich nach dem Genuss von ein paar Bier jedoch ändern. Dann kommt es schon mal vor, dass mir übersinnliche Phänomene wie etwa das Konzept der Wiedergeburt durchaus plausibel erscheinen. In solchen Momenten stelle ich mir vor, dass ich im nächsten Leben als Franke geboren werde.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Als gebürtiger Sauerländer liebe ich meine Heimat, vor allem die geradlinigen Menschen dort. Und auch in meinem jetzigen Zuhause in Hamburg lässt es sich gut leben. Aber die Franken haben ihre Vorzüge. Ein Stamm, der nur unter Protest mit den Bayern in einem Bundesland lebt, ist mir schon mal grundsympathisch. Die Landschaften sind bezaubernd, es gibt schmuckvolle alte Städte und viel Kultur.

Vor allem aber verfügt Franken über eine weltweit einzigartige Brauereiendichte. Jede vierte deutsche Brauerei wird von einem tapferen Franken betrieben, insgesamt sind es 300 in dem überschaubaren Landstrich. Ein Städtchen wie Bad Staffelstein (10.500 Einwohner) kommt auf zehn Brauereien - das ist eine pro 1000 Einwohner. Auch die Biervielfalt stimmt hier. Denn nicht nur schmeckt jedes Bier anders, hier werden auch verschiedene Bierstile gebraucht. Naturtrübes Kellerbier, süßliches Helles, das gewöhnungsbedürftige, dann aber leckere Rauchbier, Bockbiere sowie Weizenbiere - hier gibt es eigentlich alles. Nur kein Kölsch und Alt. Aber außer Herrn Bakir dürfte das wohl niemanden stören.

Franken, Heimat der Biere

Auch die Küche ist vom Feinsten - was in meinem Wertekosmos gleichbedeutend mit deftig, fleisch- und cholesterinhaltig ist. Klarer Fall: Diese Menschen setzen die richtigen Prioritäten. Sogar das Autofahren macht hier Spaß. Die Verkehrswege tragen hier nicht dröge Namen wie A73. Wer sich von Norden kommend Nürnberg nähert, benutzt den "Frankenschnellweg". Was auf eine gehörige Portion Selbstironie schließen lässt, denn der Franke ist alles, nur nicht schnell. Das fängt schon beim Sprechen an. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls konnte es nur ein Franke sein, der als bayerischer Ministerpräsident öffentlich bekundete, mit zwei Maß Bier könne man ruhig noch Autofahren. Man müsse nur laaangsam trinken. Von Günther Beckstein kam diese Empfehlung. Er war der einzige Franke, der das Bundesland Bayern regierte. Zwar nur zwei Jahre lang, aber das reichte, um die CSU um ihre absolute Mehrheit zu bringen. Auch das macht mir die Franken sympathisch!

In meinem nächsten Leben sehe ich mich auf dem Spezial-Keller in Bamberg sitzen, mit Blick auf den Dom, ein süffiges Rauchbier vor mir. Während ich dies schreibe, fällt mir auf, dass ich stocknüchtern bin und in diesem Zustand an Wiedergeburt nicht glaube. Es hilft nichts, ich muss wohl bei nächster Gelegenheit wieder hin. Noch besser: Ich genehmige mir heute Abend zum Spiel des BVB ein paar Bier. Das wird mir den Glauben an übersinnliche Phänomene zurückbringen: Erst das Fußball-Wunder von Dortmund, dann die glückliche Wiedergeburt im Frankenland.

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