Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Das Imperium schlägt zurück

Craft Beer ist bislang noch ein Nischenmarkt, allerdings ein wachsender. Kein Wunder, dass immer mehr Industriebrauereien auf den Zug aufspringen. Ist das eine gute Entwicklung - oder schadet sie?

"Beck's braut wieder Bier", betitelte das Barmagazin "Mixology" vor einigen Wochen die Meldung, dass die Bremer Industriebrauerei jetzt "an der brodelnden deutschen Craft-Beer-Ursuppe" mitmischt. Seit März gibt es drei neue Sorten: 1873 Pils, Pale Ale und Amber Lager. Damit steigt nun auch Beck's in diesen wachsenden Markt ein. Die Brauerei nennt die Produkte nicht Craft Beer, sondern spricht lieber von "internationalen Premiumspezialitäten". Die Absicht dürfte ähnlich sein: Während der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren rückläufig ist oder bestenfalls stagniert, ist das "Super-Premium-Segment" einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen zufolge um mehr als zehn Prozent gestiegen. Kein Wunder, dass der Konzern von dem Wachstum auch etwas abbekommen möchte.

Beck's ist nicht die erste deutsche Großbrauerei, die auf diesen Zug aufspringt und Kreativbiere herstellt. Andere Mitbewerber sind den Bremern in diesem Punkt um Jahre voraus. Die Bitburger-Gruppe hat die Marke Craftwerk etabliert, die fünf Sorten anbietet: zwei Biere im belgischen Stil, ein Summer Ale, ein IPA und ein Single Hop Pale Ale.

Becks, Radeberger - alle mischen sie mit

Noch vielfältiger ist das Angebot von Braufactum, der Craft-Beer-Linie der Radeberger-Gruppe. Neben eigenen Interpretationen typisch deutscher Biere wie Kölsch, Schwarzbier oder Märzen versucht sich Braufactum auch an ausgefalleneren Kreationen wie Scotch-Ale, Rauchweizen, Weizen IPA und einem eigenen Porter.

Sind die Craft-Beer-Linien der Biergiganten eine Bedrohung für unabhängige Kreativbrauer? Oliver Wesseloh, der als Braumeister der Kehrwieder-Brauerei das wohl beste Hamburger Bier braut, sieht die Konkurrenz entspannt. Solange die Biere gut seien und nicht verramscht würden, sei nichts dagegen einzuwenden, sagte Wesseloh im vergangenen Jahr auf dem Hamburger Craft Beer Day. Wenn diese Produkte dazu beitrügen, die Kunden für Qualität zu sensibilisieren, würden am Ende alle profitieren – auch die kleineren Kreativbrauer.

In diesem Punkt muss man anerkennen, dass sowohl Braufactum als auch Craftwerk ihr Handwerk verstehen und leckere Biere herstellen. Und das zu angemessenen Preisen: Bei Craftwerk rangieren die Preise zwischen 2 und 5,50 Euro. Die Biere bei Braufactum sind in der Spanne von 2,50 bis 15 Euro zu haben. Verramscht wird hier nichts.

Und genau hier ist das Problem an den neuen Beck's-Kreationen. Mit etwa einem Euro pro 0,33-Liter-Flasche sind die Biere nur unwesentlich teurer als die Standardprodukte, das herkömmliche Pils und Beck's Gold. Mit seiner Marktmacht könnte der Bremer Konzern dann tatsächlich kleinere Brauereien verdrängen. Vor allem, wenn er dem Verbraucher suggeriert, für bessere, speziellere Biere müsse man gar nicht tiefer in die Tasche greifen.

Eine Entwicklung, die das aktuelle Bierwunder hierzulande abwürgen könnte. Denn mit Krombacher soll bereits der nächste große Fernsehbier-Produzent seinen Einstieg in den Craft-Beer-Markt planen. Sollte der Markt mit billigem Craft Beer geflutet werden, wäre der Flurschaden groß. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die alte Biernation Deutschland endlich wieder wach geworden ist.

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools