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Warum der Aldi-Gin nicht der beste der Welt ist

Der Aldi-Gin soll einer der besten der Welt sein - das konnte man zumindest am Wochenende auf vielen Webseiten lesen. Das stimmt so nicht, denn ein Detail wurde häufig übersehen.

erlebt seit Jahren einen beispielhaften Boom: Gefühlt jede Woche kommt eine neue Marke auf den Markt, Gin and Tonic (in Szene-Lokalen häufig als G'n'T abgekürzt) ist einer der beliebtesten Sommerdrinks. Und mit dem Wacholderschnaps wird richtig Geld verdient: Preise um die 40 Euro für einen halben Liter sind längst keine Seltenheit mehr.

Insofern ist es wenig überraschend, dass am Wochenende auf vielen Portalen folgende Meldung für Schlagzeilen sorgte: "Der -Gin ist einer der besten der Welt". Der Oliver Cromwell London Dry Gin, eine Eigenmarke des Discounters, bekam beim International Wine and Spirits Competition (IWSC) eine Goldmedaille verliehen. Ein gefundenes Fressen für all jene, denen die zunehmende Hipsterisierung des Gins ein Dorn im Auge ist. "Take this, Berlinszene", schrieb jemand auf Twitter.

Deshalb macht Aldi nicht den besten Gin

Ein typischer Fall von zu früh gefreut. Zunächst einmal bekommt man den Oliver Cromwell Dry Gin nur in Großbritannien, hierzulande ist er nicht erhältlich. Zweitens ist eine Goldmedaille beim IWSC nicht gerade der Oscar unter den Spirituosenauszeichnungen - Medaillen werden im großen Stil rausgehauen, schreibt der internationale renommierte Hamburger Barkeeper Jörg Meyer.

 

Vor allem aber gewann der Aldi-Gin die Goldmedaille lediglich in der Kategorie "Gin - London Dry - 37-38 Prozent". Mit 37,5 Prozent darf er sich gerade so Gin nennen (in der EU beträgt der Mindestalkoholgehalt 37,5 Prozent), die Konkurrenten mit weniger Umdrehungen dürfen nicht einmal das.

Der Großteil der Premium-Marken hat deutlich mehr Volumenprozent. Monkey 47, der berühmte Gin aus dem Schwarzwald, hat etwa 47 Volumenprozent. Der Gurkenklassiker Hendricks liegt bei 44 Prozent, The Duke aus München bei 45 Prozent. Und selbst Bombay Sapphire, mit knapp 25 Euro pro Liter ein vergleichsweise günstiger und dennoch hochqualitativer Gin, hat 40 Volumenprozent.

Der Aldi-Gin mag den ersten Platz in der Kategorie "London Dry 37-38 Prozent" verdient haben. Die Goldmedaille sagt nur leider überhaupt nicht aus, wie gut er sich gegen die teureren genannten Konkurrenten schlägt. "Also, mixt euch einen 'Oliver Cromwell'-Martini und feiert euer Fake-Leben - ich bevorzuge echten Gin", schreibt Jörg Meyer an die "Überschriften-Leser". Die Barszene kann also aufatmen.


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