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Trink lokal - wie ein Gin das Sauerland populär machen will

Der Gin-Hype ist vorbei und der Markt gesättigt? Ach was! Eine Spirituose aus dem Sauerland zeigt, dass in puncto Geschmacksvielfalt noch einiges geht. Dabei entstand der Gin eigentlich nur durch Zufall.

Woodland Sauerland Dry Gin

Woodland Sauerland Dry Gin

Manchmal geschehen die schönsten Dinge ungeplant, sind das Resultat von Zufällen oder verschlungenen Seitenwegen. So auch beim Woodland . Denn eigentlich sollte ein Marketing-Produkt entwickelt werden, das zur Popularisierung des Sauerlandes beiträgt. Heraus kam aber eine Spirituose. 

Am Beginn der Entstehungsgeschichte steht ein Ansinnen von der Unternehmervereinigung " initiativ": Bislang war die Gegend zwischen Ruhrgebiet und Siegerland vor allem als Tourismusziel bekannt. Man wolle sich aber auch als lebenswerte Region präsentieren, die mit günstigen Mieten, niedrigen Kriminalitätsraten und vor allem attraktiven und sicheren Arbeitsplätzen aufwartet. Im Sauerland gibt es erfolgreiche Firmen wie den Strumpfhersteller Falke - doch kaum jemand weiß, dass diese Waren aus dem Sauerland kommen. Es müsste etwas geben, das die Region bekannt macht, ein cooles, lifestyliges Produkt.

Mit genau dieser Frage befasste sich Till Brauckmann, Mitinhaber einer Sauerländer Agentur für Wirtschaftskommunikation. Er habe gegoogelt, aber kein solches Produkt gefunden, das für das Sauerland steht. Und beschlossen: "Dann mach ich das." Als Vorbild diente ihm der Monkey 47: ein Gin, dank dem der Schwarzwald mittlerweile in aller Munde ist. Warum sollte das nicht auch mit dem Sauerland möglich sein?

"Wenn Sauerland, dann richtig Sauerland"

Was seinen Ursprung als eine Marketing-Idee hatte, gewann sehr schnell an Eigendynamik: "Letztlich hat die Leidenschaft für das Produkt dafür gesorgt, dass es nicht nur eine Label-Geschichte ist, sondern ein ernst gemeintes, regionales Produkt", sagt Brauckmann dem stern. "Wenn Sauerland, dann richtig Sauerland."

Es fehlte noch jemand, der dem Ganzen Glaubwürdigkeit verleiht, der den richtigen Gaumen hat. So kam der Fernseh-Koch Olaf Baumeister aus Sundern ins Spiel, der die Rezeptur entwickeln sollte. Baumeister brachte neben seiner Leidenschaft für Gin viel Erfahrung im Abschmecken mit ein.

Ziel war es, die Aromen der heimischen Wälder in die Flasche zu bringen. Regionale Zutaten wie Fichtenspitzen, Baumpilz und Löwenzahnwurzel, dazu frische Brennnessel und Sauerampfer verleihen dem Woodland Gin ein erdigen Geschmack, der dank der Zugabe von Zitrus eine fruchtig-frische Note bekommt.

Der Name nimmt Bezug auf die heimische Region: Das Holz aus den Wäldern war lange Zeit die wirtschaftliche Grundlage des Sauerlandes. Gleichzeitig ging es aber um Internationalität und darum, den Namen schützen zu können, sagt Till Brauckmann. 

Woodland Gin

Olaf Baumeister und Till Brauckmann (r.) bei der Entwicklung des Woodland Gin.


Die Finanzierung gestaltete sich zunächst als kompliziert. Man habe zunächst mit Investoren arbeiten wollen, so Brauckmann, "doch die waren nicht mit Leidenschaft dabei, sondern haben das als Profit Center gesehen." So habe man die Finanzierung letztlich selbst gestemmt und ein paar Kumpels die Sauerland Distillers GmbH gegründet. Mit der Stammeinlage finanzierten sie den ersten Schwung, insgesamt 1300 Liter, die in 2600 Flaschen abgefüllt wurden. Keine kleine Menge, und nicht ohne Risiko angesichts eines eigentlich gesättigten Gin-Marktes.

Der Woodland Gin hat einen prominenten Fan

Doch es schien, als hätten viele Leute nur darauf gewartet, endlich einen regionalen Gin zu verkosten: Die gesamte Ladung war in fünf Wochen ausverkauft. Ein Großteil des Verkaufs läuft über den Webshop, noch kommen die Kunden vor allem aus Sauerland und Ruhrgebiet. Doch inzwischen gibt es Woodland Gin auch in ausgewählten Geschäften in Dortmund, Hannover, Hamburg und München.

Und es gibt schon einen prominenten Fan: Johann Lafer hat bei einem Besuch in der Region gleich sechs Flaschen erstanden und sagt: "Der Sauerland Dry Gin schmeckt exzellent, hat Charakter und einen blendenden Eindruck." Auch das Fachmagazin "Mixology" ist schon auf das neue Produkt aufmerksam geworden und schreibt in unnachahmlichem Fachsprech: "Der Anfang ist fruchtig-zitronig, flankiert von öligen Kräutertönen, die an Melisse und Minze gemahnen. Die zitralen Noten fächern sich vor allem Richtung Pomelo und Bergamotte auf, beim zweiten Nosing offenbaren sich dunklere Aspekte von feuchtem Stein, Moos, außerdem wacholdertypische, spitze Pinienaromen."

Man könnte auch einfach sagen: Der Woodland Gin ist saulecker. Und schmeckt sogar dann, wenn man mit dem Sauerland gar nichts am Hut hat.

Woodland - Sauerland Dry Gin, 0,5 l, 37,90 Euro, www.woodland-gin.com

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