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3. November 2009, 19:11 Uhr

BUND fordert Verbot umstrittener Chemikalie

In anderen Ländern längst verboten

Keine Zweifel am von der Efsa festgelegten Grenzwert hat man im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Erwachsene, Säuglinge und Kleinkinder würden diesen durch den Verzehr von Lebensmitteln bei weitem nicht ausschöpfen. "Aus der Aufnahme von Bisphenol A über Lebensmittel resultieren folglich keine nachteiligen gesundheitlichen Wirkungen", heißt es aus dem Ministerium. Was das Risiko durch die belasteten Schnuller angeht, wartet das BMELV auf eine abschließende Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Dort zeigt man sich ebenfalls zurückhaltend. Der Grenzwert von täglich 0,05 Milligramm Bisphenol A pro Kilo Körpergewicht sei in Ordnung, heißt es. "Die Chemikalie ist in Schnullern jedoch unerwünscht und zu vermeiden", sagt eine BfR-Sprecherin. "Insofern ist es auch gut, dass die Schnuller auf Bisphenol A untersucht werden." In eigenen Untersuchungen konnte das BfR die Ergebnisse der Umweltschutzorganisation allerdings nicht bestätigen. In einem Drittel der untersuchten Schnuller habe man den Stoff nicht nachweisen können, in den restlichen habe der Gehalt teilweise um den Faktor zehn unter dem vom BUND veröffentlichten gelegen. Die Umweltschutzorganisation hatte in den Plastikschildchen, die den Sauger halten, Konzentrationen zwischen 200 und 2300 Milligramm pro Kilogramm Kunststoff entdeckt, in den Saugern waren es zwischen 80 und 400 Milligramm. Auch die Verbraucherorganisation Ökotest bewertet die vom BUND gefundenen Mengen an Bisphenol A in Schnullern als ungefährlich. Wie die Chemikalie überhaupt in die Sauger kommt - über die Polycarbonatschildchen, die Verpackung oder den aus Latex oder Silikon bestehenden Schnuller - ist laut BfR noch nicht bekannt und soll weiter untersucht werden. Ebenso wie die Frage, wie viel des Stoffes bei den Kindern überhaupt ankommt.

Beim BUND will man sich nicht um Milli- oder Mikrogramm streiten. "Wenn ein derartig problematischer Stoff im Blut von Säuglingen und Kleinkindern nachweisbar ist, ist dies Grund genug zu handeln", sagt Wefers. "Unter Vorsorgeaspekten, auch dann, wenn eine abschließende Bewertung noch nicht möglich ist." In Kanada ist der Einsatz von Bisphenol A bei Babyflaschen und medizinischen Produkten jedenfalls bereits verboten, in den skandinavischen Ländern schließt man Risiken ebenfalls nicht aus und in Amerika wurden belastete Plastik-Babyfläschchen aus dem Verkehr gezogen.

Für die Verbraucher sind die unterschiedlichen Einschätzungen der Behörden wohl nur schwer nachzuvollziehen. Wer daher auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Glasflaschen zurückgreifen und bei Schnullern darauf achten, dass sie kein Polycarbonat enthalten.

Von Lea Wolz
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