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11. November 2009, 13:39 Uhr

Raus aus der Isolation, rein ins Netz

Die Therapie verbessern

Auch Corinna Häusler hat sich dazu entschieden, ihre Depression nicht zu verstecken. "Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht", berichtet sie. "Mein Mann beispielsweise kann besser mit mir umgehen in solchen Phasen, weil ich ihm erklärt habe, was mit mir los ist." Seit sieben Jahren schreibt sie im Forum, seit zweieinhalb Jahren ist sie symptomfrei, mit "leichten Schwankungen". In ihren dunkelsten Phasen nutzt sie das Forum nicht. "Ich bin kein Jammertyp. Ich weiß dann, dass es besser ist, zu meinem Arzt zu gehen."

"Das Forum ist kein Therapieersatz und wird auch nicht so genutzt", unterstreicht Nico Niedermeier. Und was, wenn User nicht mehr aus Depression herauskommen und an Selbstmord denken? "Das Forum kann keine akute Krisenintervention leisten", sagt Niedermeier. Ernstzunehmende Suizidankündigungen habe es dennoch gegeben. In solchen - mindestens zehn - Fällen habe die Polizei den Standort des E-Mailverfassers ausfindig gemacht und ein Notfallteam dorthin geschickt. Reagiert werden kann schnell, denn mit seiner Kollegin Anna Blume, Soziologin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität in Leipzig, sichtet Niedermeier die neuen Postings mehrmals täglich. "Postings mit möglicherweise bedrohlichem Inhalt ziehen wir sofort aus dem Verkehr. Sonst halten wir uns zurück mit Zensuren", sagt Niedermeier. Störenfriede, die nur ins Forum gehen, um zu provozieren und schlechte Stimmung zu machen, würden die User selbst in die Schranken weisen oder Betroffene mit anderen psychischen Störungen an andere Stellen weiterschicken. Überhaupt, der Zusammenhalt der User ist groß und holt die Einzelnen nicht nur via Internet aus ihrer Isolation. Allein im Jahr 2008 gab es deutschlandweit rund 40 Treffen, die Forumsteilnehmer initiiert haben.

Der ungefilterte Einblick in die Perspektive Betroffener hilft auch, Schwachstellen in der Therapie zu erkennen. Im Forum werden häufig Ängste und Probleme bei der Behandlung thematisiert. Häufige Kommentare sind: "Es fällt mir schwer, Vertrauen zu fassen", "Wie kann ich sicher sein, die richtige Diagnose zu erhalten?" und "Was machen die Ärzte mit mir?". Einige befürchten unter anderem "zwangsmediziniert" zu werden. Forumsteilnehmer berichten regelmäßig, dass sie, kaum im Behandlungszimmer angekommen, schon wieder entlassen werden, meist inklusive eines Antidepressivums und der Aussicht auf einen nächsten Termin, der erst Wochen später stattfindet. Und manche berichten, dass sie in die Mühlen einzelner Richtungs- und Schulstreitereien geraten. Ein Forumsteilnehmer schreibt beispielsweise: "Der Oberarzt, ein Psychiater, hatte einen Hass auf die Psychosomatik in der hiesigen Klinik und ich wurde sozusagen zu seinem Spielball." Solche Situationen können dazu führen, dass ein Betroffener die Therapie abbricht, warnt Niedermeier. Umso wichtiger sei es, die Behandlung zu optimieren. "Wir können von unseren Patienten lernen, unter anderem auch durch das Forum."

Von Sylvie-Sophie Schindler
Seite 1: Raus aus der Isolation, rein ins Netz
Seite 2: Die Therapie verbessern
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Pixelschubser (13.11.2009, 09:01 Uhr)
@ Deddie007
Lieber Detlev,

bitte begeben Sie sich unverzüglich zu Ihrem Hausarzt oder - falls vorhanden - Psychiater / Psychotherapeuten und suchen sich dort professionelle Hilfe!
STERN.de ist dafür definitiv nicht die richtige Plattform.

Wenn Sie sich online austauschen wollen, empfehle ich Ihnen das Forum des Kompetenznetzes Depressionen unter http://www.kompetenznetz-depression.de/agora/index.php?site=kndepression

Gruß: Martin

Pixelschubser (13.11.2009, 08:54 Uhr)
NIE MEHR VERSTECKEN!
Jetzt reicht's gründlich. Unter www.wer-kennt-wen.de gibt es eine neue Gruppe für Menschen mit Depressionen, die sich nicht mehr verstecken werden: http://www.wer-kennt-wen.de/club/46lio75q

Wir werden jetzt öffentlich!
deddie007 (11.11.2009, 23:29 Uhr)
Depressionen, wo fangen sie an ???
........diese Frage stelle ich mir schon seit langem.
Eigentich versuche ich seit dem Tod meiner Eltern, die in ein paar Jahren Abstand hintereinander relativ früh verstorben sind, das Leben zu genießen, wo es nur geht.
Aber immer mal wieder erkenne ich, dass das ein oder andere in meiner Vergangenheit (Scheidung, Partnerinnen, die für mich DIE ZUKUNFT darstellten, aber dann doch mich verlassen hatten usw.) mich immer wieder einholt.
Bin z.Zt. in einer Beziehung, bei der es eigentlich NICHTS auszusetzen gibt, aber warum holt mich der Frust immer mal wieder ein??? (was ich aber so keinen zu erkennen gebe)............
Ob ich mit meinen "Problemen" hier überhaupt hin gehöre,..........???????????
Gruß
Detlev
REINI2 (11.11.2009, 16:55 Uhr)
Die Mauer in UNS.......
Ich hatte zwei Kollegen, die depressiv wurden. Ich behaupte, dass es der enorme Leistungsdruck war, mit dem sie nicht zurecht kamen.
Sie unterzogen sich einer Therapie und man konnte beiden helfen. Dies ging nur mit Medikamente, Gesprächen und Gruppentherapien.

Leider ist das Verständnis für solche seelischen Erkrankungen bei einem großen Teil der Bevölkerung nur minimal vorhanden!
Deshalb kann ich das verheimlichen dieser Krankheit von Enke und seinem Umfeld, sehr gut nach vollziehen!
Ein Fußballer darf weder schwul noch depressiv sein....wäre schlecht fürs Geschäft!
Gilt übrigens für JEDEN Beruf!

Nicht immer wird man....über Nacht.....depressiv. Oft ist es ein schleichender Krankheitsverlauf. Das ist das heimtückische an dieser Krankheit.
Die Menschen wissen nicht wie man jemand beurteilen soll, der im ?Kopf? krank ist.
Körperliche Leiden wie Beinbruch, Kreuzweh, Herzgeschichten, Krebs.... die kann man klar diagnostizieren.... bei psychischen Auffälligkeiten stößt man schnell auf Unverständnis.
Es wirkt auf das Umfeld verstörend, weil man absolut nicht weiß, wie man solch einem Kranken helfen kann.
Der Laie wohlgemerkt!
Es gibt Mediziner die es können, nur liegt die Schwelle diese zu nutzen ziemlich hoch. Ist für jeden wohl ziemlich schwer sich eingestehen zu müssen, dass es bei einem im Kopf...nicht stimmt....

Deisler hat den Absprung gerade noch geschafft.....Enke wurde ein Opfer, der Mauer aus Schweigen.
Wir müssen anerkennen, dass es eben nicht nur körperliche Krankheiten gibt! JEDEN von uns kann es treffen!
Nur wenn wir endlich Verständnis für diese Krankheit aufbringen, wird sie aus dem Schatten der angeblich.....normalen.... Gesellschaft raus treten können!
Nehmt Enkes Tod zum Anlass, psychische Erkrankungen nicht mehr ins Lächerliche zu ziehen! Das ist der erste Schritt!
felice4711 (11.11.2009, 15:16 Uhr)
Was nutzt das Forum
wenn die Depression so stark ist, dass man nicht einmal ins Forum gehen kann. Wer jemals erlebt hat, welche Auswirkungen die manische Depression hat, der weiß, dass man in diesem Zustand zu nichts mehr in der Lage ist. Selbst für die körperliche Hygiene reicht die Kraft nicht. Im übrigen bringen sich die wenigsten Depressiven in der schweren Phase um, dazu fehlt ihnen die Energie und Kraft. Die absolut riskante Phase ist die, wenn es aus der Depression rausgeht, also aufwärts. Dann hat man wieder Energie, um auch einen Suizid zu begehen. Wer mal ne richtig fette Depression hatte, der weiß was leiden heißt.
Pixelschubser (11.11.2009, 14:43 Uhr)
KND Forum
Als ebenfalls ehemals Betroffener kann ich nur sagen, dass auch die Besuche im Forum mir sehr geholfen haben. Daher empfehle ich das KND-Forum jederzeit gerne weiter.
Menschen wie der User Stronzo, die hier von vorneherein meckern, haben leider keine eigenen Erfahrungen in diesem Gebiet sammeln müssen und können sich nur deshalb so herablassen über Dr. Niedermeier, Frau Blume und die anderen Mitarbeiter im Team äußern. Nur wer keine Ahnung hat, was es heißt, depressiv und suizidgefährdet zu sein, kann die wichtige Arbeit des Kompetenznetzes so runterreden.

@ Gubbejohannes: Sie haben das getan, was 90% aller Menschen aus reiner Unwissendheit tun; es sind Menschen wie Sie, die mich dazu getrieben haben, offensiv mit meiner Erkrankung umzugehen, weil ich merkte, dass es da einfach noch zu viele Vorurteile gibt. Sie stehen nicht alleine da; aber als einer der wenigsten haben Sie die Größe, Ihre Erkenntnis mitzuteilen und öffentlich um Entschuldigung bitten. Das nötigt mir Respekt ab.
Stronzo (22.09.2009, 13:55 Uhr)
Der gute Herr Niedermeier
Wobei man schon mal sagen muss (nachdem sie ja auf die Berichterstattung im Stern und Spiegel verweisen Andreas), dass weder der Stern noch der Spiegel besonders "untendentiell und nüchtern" berichten. Als Profi würd ich mal sagen, dass es kaum ne Zeitung gibt die nen so miesen Medizin- und Psychologie Teil hat wie der Spiegel:-)) (den ich trotzdem jede Woche lese.
Viele Grüße
Dr. Niedermeier

http://www.kompetenznetz-depression.de/agora/view.php?site=kndepression&bn=kndepression_pharmakotherapie2&key=1252594407

ist schon ein netter Zeitgenosse der die Medien benutzt um für sein KND zu werben, gleichzeitig aber über dessen "miesen" Medizinreporten zu spotten.
Stronzo (22.09.2009, 13:48 Uhr)
Herr Neidermeier
Wobei man schon mal sagen muss (nachdem sie ja auf die Berichterstattung im Stern und Spiegel verweisen Andreas), dass weder der Stern noch der Spiegel besonders "untendentiell und nüchtern" berichten. Als Profi würd ich mal sagen, dass es kaum ne Zeitung gibt die nen so miesen Medizin- und Psychologie Teil hat wie der Spiegel:-)) (den ich trotzdem jede Woche lese.
Viele Grüße
Dr. Niedermeier

http://www.kompetenznetz-depression.de/agora/view.php?site=kndepression&bn=kndepression_pharmakotherapie2&key=1252594407

Der Herr Niedermeier ist also auch so ein Zeitgenosse der die Medien benutzt um für sein KND Forum zu werben, aber gleichzeitig über dessen "miesen" Medizin Berichten sspottet
JMHK (14.09.2009, 06:06 Uhr)
Depression
zunächst einmal respekt vor den erkenntnissen von gubbejohannes. ich war selbst betroffener. durch eine vollkommen ungeignete therapie verlor ich nicht nur 2 jahre sondern geriet immer noch tiefer in die depression. die dann folgende mehrjährige therapie hat mein leben sehr positiv verändert. ich habe viel über mich und menschliche schwächen im allgemeinen gelernt und bin in bezug auf depressive zustände anderer menschen sehr sensibel geworden. es ist mir seit dem ein anliegen, die betroffenen zum offenen umgang mit dieser krankheit zu bewegen. ich habe nur gute erfahrungen damit gemacht. natürlich stösst man auf arroganz und unverständnis, aber für sich selbst und alle betroffenen sollte man versuchen, aufzuklären. es ist eine fürchterliche krankheit, die man niemandem wünscht. gute erfahrung habe ich ebenfalls mit geeigneter medikamentöser unterstützung der therapie gemacht. die medikamente haben mich überhaupt erst therapiefähig gemacht. im übrigen: es sind die starken, die sich einer therapie stellen. die erkenntnisse daraus waren in meinem fall oft bitter.
Stronzo (13.09.2009, 12:37 Uhr)
KND
ein Forum wie jedes andere, so toll wie dieses Herr Niedermeier darstellt ist nun auch wieder nicht und dass es schon Suizide verhindert haben soll ist es zu weit aus dem Fenster gelehnt. Da schreiben halt verschiedene Leute über ihre Probleme, verteilen Ansichten, Glaubensgrundsätze bis hin zum verbalen anpöbeln derjenigen die trotz ihrer Erkrankung noch über den Tellerrand gucken. Manchmal fällt über User her als ob sich ein Ausländer in ein Forum von Rechtsradikalen verirrt hätte, wie gesagt ein Forum wie jedes andere weiter nichts.
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