"Worin könnte ich Sie unterstützen?", lautet eine gängige Eingangsfrage. Es gilt, Ziele zu formulieren und die Hebel für Veränderungen zu finden. Was stresst mich? Was tut mir gut? Das herauszufinden kann dauergestressten Menschen erste Erleichterung verschaffen. Eigene Glaubenssätze oder die persönliche Haltung zu verändern fällt oft schwer. Der Coach ermutigt dann dazu, eine positive Zukunftsvision zu entwickeln, und fragt zum Beispiel: "Wie würden Sie die Veränderung spüren?" Als Sparringspartner und neutraler Dritter arbeitet er Schritt für Schritt mit dem Klienten an einer Formulierung der Ziele.
Im nächsten Schritt geht es darum, Lösungen zu entwickeln. Welche Ressourcen stehen zur Verfügung, und wie kann man sie am besten nutzen? Wie erschließt man sich zusätzliche Kraftquellen? Um diese Details zu ergründen, nutzt der Coach unterschiedliche Methoden: aktives Zuhören, zirkuläres Fragen, Rollenspiele sowie Konfrontations- und Visualisierungstechniken - meist eine Mischung aus verschiedenen Schulen. "Als Coach sollte man eine möglichst breite Klaviatur spielen", sagt Christopher Rauen, Business-Coach in Osnabrück und Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Bundesverbands Coaching.
So kann der Blick auf das eigene Kommunikationsverhalten helfen, das Handlungsspektrum zu erweitern. Wie in diesem Beispiel: Ein Mitarbeiter leidet unter dem autoritären Führungsstil seines Chefs, der ihm wenig Wertschätzung, dafür aber viel Kritik entgegenbringt. Der Mitarbeiter reagiert darauf mit Schmollen und Schimpfen. Im Coaching lernt er nun, dem Chef gegenüber im Gespräch die Ebene zu wechseln und ihm zu entgegnen: "Ich verstehe Ihre Kritik, trotzdem wünsche ich mir, dass wir anders miteinander kommunizieren."
Mitunter helfen Stift und Malblock dabei, die Ursachen von Spannungen aufzudecken. Die Mitarbeiterin eines Jugendamts etwa wird von ihrem Coach gebeten, zu zeichnen, wie sie ihre Arbeit erlebt. Sie ist täglich mit Missbrauch und Streit in Familien konfrontiert und fühlt sich wie eine schlaffe, leblose Hülle. In einem zweiten Bild malt sie, welche Veränderungen sie sich wünscht. Dabei wird sichtbar, dass sie sich die Probleme ihrer Klienten zu sehr zu eigen macht. Das Zeichnen und die Fragen des Coachs verschaffen ihr Klarheit über die eigene Rolle. Danach gelingt es ihr besser, Distanz zu wahren.
Bilder können auch zu neuen Perspektiven und Entscheidungen führen. Bei einem Mitarbeiter einer großen Institution war das der Fall. Sein Coach forderte ihn auf, im Kopf Zukunftsbilder zu entwerfen: "In fünf Jahren treffen wir uns wieder, Sie sind inzwischen beruflich sehr zufrieden - was erzählen Sie mir?" Nach zwei Sitzungen war das Bild klar. Und die Entscheidung gefallen: Der Klient kündigte seinen Job.
Wer sich weiterentwickelt, macht sich nicht immer nur beliebt. Welche Auswirkungen hat meine Veränderung auf die Familie, die Freunde, die Arbeit? Was nach den Terminen passiert, ist entscheidend. Von der zweiten Sitzung an wird der Klient deshalb immer wieder gefragt: "Wie ist es Ihnen mit der Umsetzung Ihrer Arbeitsergebnisse bisher ergangen?"
Auf der Suche nach einem geeigneten Coach stößt man auf das große Problem der Branche: Jeder darf sich Coach nennen, der Begriff ist nicht geschützt. Und so überschwemmen mehr als 35.000 Anbieter den deutschen Markt, mehr als 20 Verbände kämpfen in Deutschland um die Vorherrschaft. Die meisten Coachs bieten Unterstützung für Probleme aus dem Arbeitsumfeld an. "Doch nur schätzungsweise 8000 von ihnen sind wirklich qualifizierte Business-Coachs", sagt Christopher Rauen. Versprochen wird Hilfe in allen erdenklichen Lebenslagen - und oft verschwimmen die Grenzen von Coaching, Training, Beratung, Supervision und Therapie. Einheitliche Qualitätsstandards? Fehlanzeige.
Zu mehr Transparenz will Harald Geißler beitragen, Professor für Berufs- und Betriebspädagogik an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und Leiter der Forschungsstelle Coaching-Gutachten (www.coaching-gutachten.de). Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er ein Verfahren entwickelt, in dem die Arbeit eines Coachs mit der Videokamera dokumentiert wird. Um die Privatsphäre der Klienten nicht zu verletzen, übernehmen Schauspieler deren Rolle. Der Haken an Geißlers Verfahren: Die Teilnahme ist freiwillig. Und bislang haben noch nicht allzu viele Anbieter das Bedürfnis verspürt, sich so in die Karten gucken zu lassen. Lediglich vier Probesitzungen sind bislang als Videoclip online verfügbar.
Wie Sie in vier Schritten den passenden Anbieter finden, lesen Sie hier.
Übernommen aus ...
Ausgabe 05/2012
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Vorsicht, Scharlatane! Achtung bei aggressivem Marketing und großen Erfolgsversprechen. Coaching ist ein Nachfragegeschäft: Der Klient sucht den Coach, nicht umgekehrt.
Von Coaching-Massenveranstaltungen mit einem "Heilsbringer" nach amerikanischem Vorbild sollte man tunlichst die Finger lassen.
Vorsicht bei Pauschalprogrammen und reiner Rhetorik: Solche Angebote haben kaum Nutzwert.
Ein Profi wird Sie niemals drängen, bereits im Vorgespräch einen Vertrag zu unterschreiben.
Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, der Sie zwingt, eine gewisse Mindestmenge an Coachingstunden zu buchen. Es muss jederzeit die Möglichkeit gegeben sein, auszusteigen.
Ziehen Sie sofort die Reißleine, wenn der Coach nur von sich erzählt, Ratschläge gibt, ohne gefragt worden zu sein, oder sogar übergriffig wird.