. .
Gesundheit - News und Ratgeber
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. August 2010, 19:38 Uhr

Das doppelte Antibiotika-Versagen

Es werden zu wenig neue Antibiotika entwickelt

Nicht nur der Umgang mit auf den Markt befindlichen Antibiotika lässt zu wünschen übrig. Auch bei der Entwicklung neuer Antibiotika hat sich in den vergangenen Jahren zu wenig getan. Einen Grund nennt Wolfgang Wohlleben, der an der Universität Tübingen auf diesem Gebiet forscht: "Alle großen Pharmaunternehmen haben sich aus der Forschung zurückgezogen." Mit neuen Antibiotika lässt sich im Vergleich zu anderen Neuentwicklungen wenig Geld verdienen. Während ein Betroffener seine Mittel gegen Demenz, Bluthochdruck, Diabetes oder andere Leiden dauerhaft nimmt, schluckt man Antibiotika nur wenige Tage bis Wochen.

Nach Aussage von Wohlleben leisten daher akademische Arbeitsgruppen und kleinere Firmen die Forschungsarbeit. Einige hätten zwar Produkte in der Pipeline. Wann allerdings neue Antibiotika auf den Markt kommen, die gegen diese resistenten Bakterien wirken, lässt sich aus seiner Sicht nicht einschätzen. Von der Entdeckung einer vielversprechenden Substanz im Labor bis zur Marktreife vergehen jedenfalls rund zehn Jahre.

Dabei benötigt gerade dieses Gebiet Innovationen, weil Bakterien gegen jedes neue Mittel nach einer gewissen Zeit Resistenzen entwickeln.

Im "Lancet" geben die Forscher die düstere Prognose ab, dass in den kommenden 10 bis 20 Jahren kein Mittel in Sicht ist, dass diesen Erregern beikommt. Der britische "Guardian" fragt schon: "Sind Sie bereit für eine Welt ohne Antibiotika?" Und fügt hinzu, dass es schrecklich werden wird.

Ein derart dramatisches Bild muss man noch nicht zeichnen. Dass Ende der Antibiotika wurde schon häufiger heraufbeschworen, etwa als die Ausbreitung sogenannter multiresistenter Staphylokokken, kurz MRSA, in Krankenhäusern begannt. Doch in den meisten Fällen findet sich noch ein Antibiotikum, um eine Infektion einzudämmen. Bei den meisten NDM-1-Stämmen wirken noch zwei: Tigecyclin und Colistin. Sie garantieren allerdings laut Robert-Koch-Insitut nicht in jedem Fall eine optimale Behandlung. Colistin etwa kann die Nieren schädigen. Was eigentlich schon immer wichtig ist, gilt jetzt noch mehr: Dass Ärzte Reserveantibiotika mit Bedacht einsetzen, um weitere Resistenzen zu verhindern.

Ebenso wichtig wäre, die Antibiotika-Forschung stärker zu fördern. Es kann nicht sein, dass eine der seltenen Medikamentenklassen, die tatsächlich und meist nur binnen Tagen heilt, gerade aus diesem Grund an zu wenigen Innovationen krankt, weil am Ende nur die Gewinnspanne zählt.

Von Nina Weber
Seite 1: Das doppelte Antibiotika-Versagen
Seite 2: Es werden zu wenig neue Antibiotika entwickelt
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Antibiotika-Resistenz Forscher fürchten Ausbreitung indischer Superbakterien

Wissenschaftler warnen vor Bakterien, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind. Die zuerst in Indien und Pakistan verbreiteten Keime gelangen jetzt nach Europa - weil sich Menschen billig in Indien operieren lassen. mehr...

Antibiotika Die Mikroben-Killer

Verschreibt der Arzt Ihnen bei Husten, Schnupfen und Fieber Antibiotika, kann es sein, dass er Sie falsch behandelt. Denn Grippe und Erkältungen werden von Viren verursacht - dagegen helfen Antibiotika in der Regel nicht. Doch es gibt Ausnahmen. mehr...

Antibiotika-Resistenzen Viel Unwissen und Pharma-Kalkül

Rund 300 Tonnen Antibiotika schlucken die Deutschen pro Jahr. Dabei gilt: Je mehr Antibiotika verwendet werden, desto größer ist das Risiko, dass gefährliche Erreger reistent werden. Erstmals haben Mediziner den bundesweiten Verbrauch und Daten zu Resistenzen zusammengetragen. mehr...

Mobiltelefone im Krankenhaus Handys verbreiten gefährliche Erreger

Die Mobiltelefone von Klinikpersonal sind laut einer Studie übersät mit Bakterien und können Krankheiten übertragen. Bei ihrer Untersuchung fanden Forscher auf fast jedem Gerät mindestens eine Bakterienart - vom Erreger harmloser Hautirritationen bis zum Auslöser tödlicher Krankheiten. mehr...

Krankenhaushygiene Videos gegen Schmuddelhände

Manchmal lauert die Gefahr gerade da, wo man Hilfe sucht: Hunderttausende erkranken jährlich im Krankenhaus an Infektionen - wegen mangelnder Hygiene. Eine neue Initiative soll das ändern. Sie setzt auf lustige Videos, die zeigen, dass Händedesinfektion sexy ist und Ärzte am Krankenbett besser nicht rülpsen. mehr...

Hygiene-Schlamperei Der Tod lauert im Krankenhaus

Ein Routineeingriff kann tödlich enden: Bis zu einer Million Patienten werden jährlich im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen, sogenannten MRSA, infiziert. Mehr als 40.000 sterben Schätzungen zufolge daran. Eine neue Entscheidung des Bundesgerichtshofs erleichtert Klagen gegen Hygiene-Schlamperei. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind