Nicht nur der Umgang mit auf den Markt befindlichen Antibiotika lässt zu wünschen übrig. Auch bei der Entwicklung neuer Antibiotika hat sich in den vergangenen Jahren zu wenig getan. Einen Grund nennt Wolfgang Wohlleben, der an der Universität Tübingen auf diesem Gebiet forscht: "Alle großen Pharmaunternehmen haben sich aus der Forschung zurückgezogen." Mit neuen Antibiotika lässt sich im Vergleich zu anderen Neuentwicklungen wenig Geld verdienen. Während ein Betroffener seine Mittel gegen Demenz, Bluthochdruck, Diabetes oder andere Leiden dauerhaft nimmt, schluckt man Antibiotika nur wenige Tage bis Wochen.
Nach Aussage von Wohlleben leisten daher akademische Arbeitsgruppen und kleinere Firmen die Forschungsarbeit. Einige hätten zwar Produkte in der Pipeline. Wann allerdings neue Antibiotika auf den Markt kommen, die gegen diese resistenten Bakterien wirken, lässt sich aus seiner Sicht nicht einschätzen. Von der Entdeckung einer vielversprechenden Substanz im Labor bis zur Marktreife vergehen jedenfalls rund zehn Jahre.
Dabei benötigt gerade dieses Gebiet Innovationen, weil Bakterien gegen jedes neue Mittel nach einer gewissen Zeit Resistenzen entwickeln.
Im "Lancet" geben die Forscher die düstere Prognose ab, dass in den kommenden 10 bis 20 Jahren kein Mittel in Sicht ist, dass diesen Erregern beikommt. Der britische
Ein derart dramatisches Bild muss man noch nicht zeichnen. Dass Ende der Antibiotika wurde schon häufiger heraufbeschworen, etwa als die Ausbreitung sogenannter multiresistenter Staphylokokken, kurz MRSA, in Krankenhäusern begannt. Doch in den meisten Fällen findet sich noch ein Antibiotikum, um eine Infektion einzudämmen. Bei den meisten NDM-1-Stämmen wirken noch zwei: Tigecyclin und Colistin. Sie garantieren allerdings laut Robert-Koch-Insitut nicht in jedem Fall eine optimale Behandlung. Colistin etwa kann die Nieren schädigen. Was eigentlich schon immer wichtig ist, gilt jetzt noch mehr: Dass Ärzte Reserveantibiotika mit Bedacht einsetzen, um weitere Resistenzen zu verhindern.
Ebenso wichtig wäre, die Antibiotika-Forschung stärker zu fördern. Es kann nicht sein, dass eine der seltenen Medikamentenklassen, die tatsächlich und meist nur binnen Tagen heilt, gerade aus diesem Grund an zu wenigen Innovationen krankt, weil am Ende nur die Gewinnspanne zählt.