
Der von Glaxo-Smith-Kline gelieferte Impstoff wurde auf Hühnereiern gezüchtet© Ralf Hirschberger/DPA
Kursiert ein Killervirus um die Welt, können Adjuvantien sinnvoll sein. Dann ist es nötig, schnell ausreichend Impfstoffe zu haben. Einen solchen Erreger hatte man 2005 im Vogelgrippe-Virus ausgemacht. Um bei Bedarf schnell handeln und ein Massensterben zu verhindern, wurde damals ein Musterzulassungsverfahren entwickelt, mit dem die Hersteller ihre Impfstoffe bereits vor dem Auftreten einer Pandemie genehmigen lassen. Die Grundbausteine der Impfung sind somit zugelassen, im Ernstfall muss nur noch das betreffende Antigen eingefügt werden. Das spart kostbare Zeit. In Europa haben seit dem Auftreten des Vogelgrippevirus drei Vakzine diese Musterzulassungen, zwei davon werden auf Hühnereiern gezüchtet und enthalten Wirkverstärker, eine weitere wird auf Zellen gezüchtet - eben der Impfstoff, der für die Bundeswehr und die Bundesregierung bereit steht. Keine dieser Impfungen setzt auf die bei der jährlichen Grippeimpfung bewährte, wirkverstärkerfreie Technik. Für keine hat man ausreichend Erfahrung.
In den USA sieht es anders aus: Dort hat die Arzneimittelbehörde FDA bis jetzt keinen einzigen Grippe-Impfstoff mit Verstärkern zugelassen. Und was das Argument der Schnelligkeit betrifft. In Deutschland soll die Grippeimpfung mit den adjuvantierten Mitteln am kommenden Montag starten. In Amerika läuft diese schon seit zwei Wochen - mit den klassischen Vakzinen. Die enthalten auch nicht den quecksilberhaltigen Konservierungsstoff Thiomersal, der heute weitgehend aus Impfstoffen verbannt ist. Da die in Deutschland erhältliche H1N1-Vakzine von Glaxo-Smith-Kline in großen Aufbewahrungsbehältern geliefert wird, ist der Konservierungsstoff enthalten.
"Das Kind ist in den Brunnen gefallen", sagt Becker-Brüser. In diesem Zusammenhang kritisiert er auch das in Deutschland für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Dort habe man sich damals von der neuen Technik unreflektiert faszinieren lassen. "Das Institut hat gesagt, wir haben in Europa die Nase bei der modernen Impfstoffproduktion vorne, ohne zu kontrollieren, ob die Nase in die richtige Richtung zeigt. Das PEI hat einfach nicht infrage gestellt, ob man in der aktuellen Situation besser ohne Adjuvantien auskommt", sagt Becker-Brüser. Auch er versucht sich zu erklären, wie das passieren konnte: "Ich denke die Angst, im Falle einer Pandemie ohne Impfstoff dazustehen, hat gründliches Nachdenken ausgeschaltet, die Verträge wurden ohne öffentliche Kontrolle und ohne hinreichenden medizinischen Sachverstand abgeschlossen. Das müssen nun alle ausbaden - auch die Bundesregierung und die Bundeswehr mit ihrem vermeintlich besseren, aber tatsächlich ebenfalls unzureichend geprüften Impfstoff, dessen Risiken sich nicht genügend überblicken lassen."