"Zweiklassenmedizin? Absoluter Quatsch!"

19. Oktober 2009, 16:40 Uhr

Wirbel um die Schweinegrippe-Impfung: Neben der Bundeswehr bekommt auch die Bundesregierung einen anderen Impfstoff. Die Aufregung ist groß, zu groß? "Wer von Zweiklassenimpfstoffen spricht, blickt nicht durch", kritisiert Wolfgang Becker-Brüser vom pharmakritischen Arznei-Telegramm. Von Lea Wolz

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Schweinegrippe, Impfung, Pandemrix, Glaxo-Smith-Kline, H1N1

Der von Glaxo-Smith-Kline gelieferte Impstoff wurde auf Hühnereiern gezüchtet©

Kursiert ein Killervirus, können Wirkverstärker sinnvoll sein

Kursiert ein Killervirus um die Welt, können Adjuvantien sinnvoll sein. Dann ist es nötig, schnell ausreichend Impfstoffe zu haben. Einen solchen Erreger hatte man 2005 im Vogelgrippe-Virus ausgemacht. Um bei Bedarf schnell handeln und ein Massensterben zu verhindern, wurde damals ein Musterzulassungsverfahren entwickelt, mit dem die Hersteller ihre Impfstoffe bereits vor dem Auftreten einer Pandemie genehmigen lassen. Die Grundbausteine der Impfung sind somit zugelassen, im Ernstfall muss nur noch das betreffende Antigen eingefügt werden. Das spart kostbare Zeit. In Europa haben seit dem Auftreten des Vogelgrippevirus drei Vakzine diese Musterzulassungen, zwei davon werden auf Hühnereiern gezüchtet und enthalten Wirkverstärker, eine weitere wird auf Zellen gezüchtet - eben der Impfstoff, der für die Bundeswehr und die Bundesregierung bereit steht. Keine dieser Impfungen setzt auf die bei der jährlichen Grippeimpfung bewährte, wirkverstärkerfreie Technik. Für keine hat man ausreichend Erfahrung.

In den USA sieht es anders aus: Dort hat die Arzneimittelbehörde FDA bis jetzt keinen einzigen Grippe-Impfstoff mit Verstärkern zugelassen. Und was das Argument der Schnelligkeit betrifft. In Deutschland soll die Grippeimpfung mit den adjuvantierten Mitteln am kommenden Montag starten. In Amerika läuft diese schon seit zwei Wochen - mit den klassischen Vakzinen. Die enthalten auch nicht den quecksilberhaltigen Konservierungsstoff Thiomersal, der heute weitgehend aus Impfstoffen verbannt ist. Da die in Deutschland erhältliche H1N1-Vakzine von Glaxo-Smith-Kline in großen Aufbewahrungsbehältern geliefert wird, ist der Konservierungsstoff enthalten.

"Das Kind ist in den Brunnen gefallen", sagt Becker-Brüser. In diesem Zusammenhang kritisiert er auch das in Deutschland für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Dort habe man sich damals von der neuen Technik unreflektiert faszinieren lassen. "Das Institut hat gesagt, wir haben in Europa die Nase bei der modernen Impfstoffproduktion vorne, ohne zu kontrollieren, ob die Nase in die richtige Richtung zeigt. Das PEI hat einfach nicht infrage gestellt, ob man in der aktuellen Situation besser ohne Adjuvantien auskommt", sagt Becker-Brüser. Auch er versucht sich zu erklären, wie das passieren konnte: "Ich denke die Angst, im Falle einer Pandemie ohne Impfstoff dazustehen, hat gründliches Nachdenken ausgeschaltet, die Verträge wurden ohne öffentliche Kontrolle und ohne hinreichenden medizinischen Sachverstand abgeschlossen. Das müssen nun alle ausbaden - auch die Bundesregierung und die Bundeswehr mit ihrem vermeintlich besseren, aber tatsächlich ebenfalls unzureichend geprüften Impfstoff, dessen Risiken sich nicht genügend überblicken lassen."

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KOMMENTARE (10 von 25)
 
KurtRech (21.10.2009, 04:33 Uhr)
@sophia7519
ich bin kein quecksilberspezialist. ich habe mich jetzt etwas schlau gemacht. alles ohne gewähr.

die quecksilberverbindung, um die es hier geht, heisst Thiomersal. Thiomersal ist in deutschland auch in kosmetischen artikel erlaubt (zur Haltbarmachung von Schmink- und Abschminkmitteln für die Augen). ausserdem wird es zur Konservierung von Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen für Kontaktlinsen verwendet. Thiomersal kann zu Konservierung von Augentropfen in Mehrdosenbehältnissen, für die eine Konservierung zwingend vorgeschrieben ist, von Nasen- und Ohrentropfen sowie von topischen Zubereitungen verwendet werden.

in den usa aber auch in europa ist er bei gewissen leuten umstritten.

ich habe auch gelesen, dass diese verbindung seit 40 jahren in gewissen impfstoffen gebraucht wird. es ist also auch möglich, dass du früher bereits bei einer anderen impfung was abgekriegt hast. es gibt bis heute keine beweise, dass die verbindung schädlich ist. trotz allem, aus sicherheitsgründen, wird trotzdem versucht, darauf zu verzichten in der zukunft, was aber nicht dringlich ist. . in wieweit das bis heute umgesetzt ist weiss ich nicht, ausser bei kinderimpfungen ist man schon weiter.

ausserdem wird betont, dass Thiomersal nur in kleinstmengen im impfstoff ist, und liegt deutlich unter dem wert, den ein erwachsener aufnehmen darf.

auch musste ich in einem artikel lesen, dass fische immer wieder mit quecksilber "verunreinigt" sind. trotzdem wird empfohlen, weiterhin fisch zu essen, da der nutzen überwiegt.

so wie ich das ganze interpretiere:

ob fisch, ohrentropfen, kosmetika, (früheren) impfungen, etc. wir alle kamen schon mit Thiomersal in kontakt. in hohen dosen ist es gefährlich; eingesetzt aber mit dieser impfung errachte ich es persönlich nicht als problem.

lasse mich gerne andersweitig belehren. gerne mit quellenangaben.

quellen: nzz, paul-ehrlich-institut, wiki, swiss paediatric, google
sophia7519 (20.10.2009, 18:32 Uhr)
Die Impftoten
Die Rechnung geht natürlich auf. Zieht man alle Toten, die den Nebenwirkungen der Impfung mit Quecksilber erlagen, prozentual bei der Gesamtzahl aller Opfer hinterher ab, ergibt das automatisch den reduziertenten Todessatz und zeigt wieso es ohne Impfung viel schlimmer gekommen wäre.
also_ne... (20.10.2009, 14:54 Uhr)
@ ramteid, @Gaffelfall
Artikel gelesen?
Steht alles drin. Begründet sogar.
ramteid (20.10.2009, 12:41 Uhr)
Gab es so etwas schon einmal?
Von absotem Quatsch zu sprechen ist schon mehr als Quatsch. Warum die zwei verschiedenen Impfstoffe für zwei Gruppen. Für Regierung und das Volk, das allein wirft ja die Frage überhaupt auf. Wer bezahlt das auch noch? Wer hat es veranlasst? Ist es Ulla Schmidts letzte Rache? Es ist mehr als ein Skandal!
Gaffelfall (20.10.2009, 11:52 Uhr)
Subabsolut
> In diesem Zusammenhang von einer Zweiklassenmedizin zu sprechen, ist allerdings absoluter Quatsch", sagt Wolfgang Becker-Brüser <

Ja - solch ein starkes Argument überzeugt immer, Herr Becker-Brüser; auch erläutert.
Bebuquin (20.10.2009, 08:36 Uhr)
@KurtRech
"obwohl man die situation von damals mit heute nicht 1:1 vergleichen kann, zeigt es auf, wie gefährlich eine pandemie werden könnte.
"
--> Wobei man auch bedenken sollte, dass es vor der damaligen Pandemie einen jahrelangen Weltkrieg mit entsprechender Belastung für die Bevölkerung gab. Dass da ein Virus genügend Spielraum findet, wundert mich nicht.
endbenutzer (20.10.2009, 07:57 Uhr)
Wenn es keinen Unterschied gibt, können...
...wir ja alle den Impfstoff ohne Wirkverstärker nehmen, oder?
Tempelhofer (20.10.2009, 06:59 Uhr)
@ Kurt Rech
Haben Sie vielen Dank für diese Klarstellung.

Leider dürfte dies die links- und rechtsextremen Kritiker hier nicht beeindrucken. Um die Sache geht es denen schon lange nicht mehr, an Fakten sind die nicht interessiert. Die wollen nur Ihren Hass auf alles und jeden loswerden.

Erst haben sich die Linken und Rechten hier beschwert, die ganze Impfung ist ein Fake, und so völlig überflüssig, jetzt schimpfen die rum, dass der verabreichte Impfstoff nicht gut genug ist. Wofür oder wogegen diese Extremisten sind, ist ohnehin völlig gleichgültig, und jederzeit austauschbar. Hauptsache, die können wieder ihre Brandsätze werfen.
KurtRech (20.10.2009, 05:55 Uhr)
AUFKLÄRUNG
hier ein paar objektive fakten zur schweinegrippe-und impfung:

warum wirkverstärker?

man setzt auf wirkverstärker, da damals am anfang der pandemie davon ausgegangen werden musste, dass nicht soviel antigen-serum erzeugt werden konnte für die ganze welt. mit wirkverstärker braucht man viel weniger serum.

vorteile: mit wirkverstärker werden auch gewisse mutationen des schweinegrippevirus abgedeckt

nachteil: eventuell kurzfristige stärkere immunantwort wie hautrötungen und gliederschmerzen.
kritiker bemängeln zu wenige studien

der impfstoff mit wirkverstärker wurde an zehntausenden von menschen getestet ohne grosse probleme.

der wirkverstärker von novartis (nicht in D erhältlich) wird für die saisonale grippe seit 12 jahren an über 30mio eingesetzt ohne probleme.

wieso impfen wenn grippe so mild? der grund ist, dass man nicht weiss, wie sich die schweinegrippe entwickeln wird. das steht in den sternen. einen blick in die vergangenheit, 1918-1920 "spanische-grippe", auch ein h1n1-virus, forderte weltweit 25 mio todesopfer. "interessant" ist: bei der 1. welle der spanischen grippe 1918 die im frühling/sommer ausbrach, gab es wenige tote. erst die 2. welle im herbst war so stark, dass es mio. von tote gab.

obwohl man die situation von damals mit heute nicht 1:1 vergleichen kann, zeigt es auf, wie gefährlich eine pandemie werden könnte.

da ich gerüstet werden will für den möglichen ernstfall, bin ich froh, dass ich die impfung MIT wirkverstärker erhalte, da diese gewisse mutationen abdeckt.

schwanger oder kleinkind? da ist die empfehlung, nicht mit wirkverstärker zu impfen, da es keine tests gibt an schwangeren. ob man (falls vorhanden) ohne wirkverstärker impfen soll, muss man mit dem arzt besprechen.

warum haben gewisse leute (krisenstäbe, bundeswehr etc.) anderen wirkstoff ohne wirkverstärker? siehe meine antwort vom (20.10.2009, 05:20 Uhr).

sehr zu empfehlen kann ich die impfneuigkeiten und empfehlungen des paul-ehrlich-institutes: www.pei.de

hoffe ein bisschen klarheit geschaffen zu haben. ansonsten weiter fragen.







KurtRech (20.10.2009, 05:20 Uhr)
@berthold3228 antwort
sie haben versäumt, dass es sich um dem vertrag, den die bundesregierung im 2008 abgeschlossen hat, um den VOGELgrippevirus gehandelt hat. da es aber (zum glück) nicht zur pandemie kam, wurde der vertrag erst jetzt eingelöst für den aktuellen schweinegrippevirus. der vertrag diente damals zur sicherheit, dass im pandemiefall der VOGELgrippe die krisenstäbe einsatzfähig sind. finde dieses vorgehen für 2008 vernünftig und richtig.
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