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21. August 2009, 21:02 Uhr

Zu wenig Sonne macht krank

Dass die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland tatsächlich problematisch ist, hat das Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelt. Etwa 63 Prozent der Kinder und etwa 58 Prozent der Erwachsenen haben zu wenig Vitamin D im Blut. Untersucht wurden rund 10.000 Kinder und Jugendliche sowie rund 4000 Erwachsene.

Ein erschreckendes Ergebnis, zumal unter Experten umstritten ist, ob der vom RKI zugrunde gelegte Wert von 20 Mikrogramm pro Liter für eine optimale Versorgung überhaupt ausreicht. "Es werden verschiedene Grenzwerte diskutiert", sagt Ökotrophologin Birte Hintzpeter vom RKI, die diese Studie ausgewertet hat. "Wir haben einen Grenzwert zugrunde gelegt, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht." Der orientiert sich aber noch an der Bedeutung für die Knochen, weil man weiß, dass ein schwerer Mangel zur Erweichung der Knochen führt.

Eine leichte Unterversorgung kann langfristig schaden

Doch nicht nur der offensichtliche Mangel ist problematisch. "Wir bekommen immer mehr Daten, dass selbst eine leichte Unterversorgung langfristig ungesund ist", sagt Hans Konrad Biesalski, Professor für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim. Er vergleicht das mit einem Auto, das stets mit einem Minimum an Öl fährt. "Damit können Sie lange fahren. Aber irgendwann ist das Auto kaputt, weil die geringe Menge auf Dauer zu Verschleißerscheinungen führt, die bei guter Versorgung nicht aufgetreten wären."

Für die schlechte Versorgung mit Vitamin D gebe es zwei Hauptursachen. Das ist zum einen der Lebensstil: Berufstätige sitzen oft den ganzen Tag über in geschlossenen Räumen, und viele Kinder verbringen zu wenig Zeit im Freien. Zum anderen ist es die geographische Lage. In Deutschland scheint die Sonne nicht häufig und intensiv genug. Vor allem im Winter sind wir über Monate unterversorgt, weil der Körper keinen endlosen Vorrat anlegen kann.

Auch die Ernährung kann ein Defizit kaum ausgleichen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als Zufuhr zwar eine Tagesdosis von fünf Mikrogramm für Erwachsene und zehn für Säuglinge und Menschen über 65 Jahren - doch auch die werden selten erreicht. Wenige Lebensmittel enthalten überhaupt nennenswerte Mengen an Vitamin D: fetter Fisch wie Hering oder Lachs und Pilze, sehr wenig steckt auch in Milchprodukten. Aber täglich fetten Fisch zu essen oder literweise Milch zu trinken, ist auch keine Lösung. Und selbst wenn dies für die empfohlene Zufuhr reichen würde, wäre damit allein kein ausreichend hoher Vitamin-D-Spiegel zu erreichen.

Kinder und Ältere besonders gefährdet

Von einer Unterversorgung ist demnach so gut wie jeder betroffen, aber es gibt besondere Risikogruppen. Das sind einmal Kinder und Jugendliche, denn wenn in frühen Jahren der Knochenaufbau nicht optimal sei, drohe im Alter Osteoporose, sagt Biesalski. Daneben sind Ältere, insbesondere Frauen, sowie Menschen mit einer dunkleren Haut oft dramatisch unterversorgt. Bei Senioren liegt es daran, dass die Haut mit zunehmendem Alter die Fähigkeit verliert, Vitamin D über die Sonne zu erzeugen - bei über 65-Jährigen liegt sie bei noch 20 Prozent. Sie seien besonders auf Lebensmittel mit Vitamin D angewiesen, sagt Biesalski. Dunkelhäutige Menschen müssten sich wegen der Pigmentierung deutlich länger sonnen. In südlichen Regionen ist das kein Problem, in nördlichen schon.

Dennoch raten Experten davon ab, sich in Eigenregie mit Vitamin-D-Präparaten zu versorgen. Noch fehlen aussagekräftige Studien, die etwa klären, ob und in welcher Dosis Supplemente eingesetzt werden sollten, sagt RKI-Mitarbeiterin Hintzpeter.

Bleibt also zunächst ein bewusster, aber maßvoller Umgang mit der Sonne. Die Sonnenbank ist keine Alternative, warnt Hautexperte Greinert: "Erst kürzlich hat die Internationale Agentur für Krebsforschung verkündet, dass die Strahlung aus Solarien höchst krebserregend ist."

Von Sonja Popovic
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