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Warum unser Job heute stressiger ist als früher

Früher gab es feste Arbeitszeiten. Heute sind viele Arbeitnehmer Tag und Nacht für ihren Chef erreichbar. Immer mehr melden sich wegen psychischer Probleme krank. Ein Experte erklärt, warum der Job heute stressiger ist, obwohl die Arbeit damals oft härter war.

  Auch finanzielle Nöte oder Stress zu Hause sorgen für mehr psychische Probleme

Auch finanzielle Nöte oder Stress zu Hause sorgen für mehr psychische Probleme

Die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Probleme nimmt zu, immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich gestresst. Wolfgang Panter vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte erklärt, woher das kommt - und welche Faktoren noch eine Rolle spielen.

Die Belastung am Arbeitsplatz nimmt zu - das würden viele Arbeitnehmer sofort unterschreiben. Aber auch Psychologen und Arbeitsmediziner sehen den Trend zur Arbeitsverdichtung mit Sorge. Wolfgang Panter, Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und selbst Mediziner, sieht einen klaren Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und der Zunahme von Krankheitstagen wegen psychischer Probleme, die oft stressbedingt sind:

Führt Stress am Arbeitsplatz zu mehr Krankheitstagen?

Panter: «Ich sehe da schon einen Zusammenhang. Aber Stress ist multikausal. Es geht nicht nur um die Arbeitsbedingungen. Es spielt auch eine Rolle, wie ich sozial abgefedert bin und zum Beispiel auch, ob ich gleichzeitig zu Hause Stress habe.»

Warum gibt es heute mehr Stress als früher, obwohl damals die Arbeit oft härter war?

Panter: «Es gibt das Phänomen, dass es in der Nachkriegszeit, als die Menschen unter schwierigsten Bedingungen ihr Überleben organisieren mussten, kaum Depressionserkrankungen gab. In der Wohlstandsgesellschaft haben sich Depressionen erheblich verstärkt. Die äußeren Bedingungen sind also immer nur das eine.»

Was sind dann die Ursachen für mehr Stress?

Panter: «Sowohl die Lebens- als auch die Arbeitsbedingungen haben sich deutlich verändert. Viele Anker sind in unserer Gesellschaft verlorengegangen. Religion zum Beispiel hat an Bedeutung verloren und damit auch die Seelsorge. Scheidungen haben zugenommen, Familien geben nicht mehr den Halt wie früher. Finanzielle Nöte und Sorgen werden deshalb oft als dramatischer empfunden. Durch die Arbeitszeitverkürzung ist die Verdichtung der Arbeit gewachsen. Und die Anforderungen am Arbeitsplatz verändern sich immer schneller. Vor 15 Jahren kannte noch kaum jemand E-Mails, heute gibt es schon fast keine Faxe mehr, weil sie als langsam und umständlich gelten.»

Garantieren feste Arbeitszeiten von acht bis vier Uhr weniger Stress?

Panter: «Das ist zu einfach gedacht. Im Gegenteil, die Flexibilisierung der Arbeitszeiten hat für den einzelnen auch große Vorteile. Das zurückzudrehen wäre schlecht. Zum Beispiel für Eltern, die nicht gezwungen sind, morgens um halb acht bei der Arbeit zu sein, wenn sie sich noch um ihre Kinder kümmern wollen. Mehr Flexibilität könnte sogar oft weniger Stress bedeuten, beispielsweise, wenn sich Arbeitnehmer um pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen.»

val/DPA/DPA

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