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Açai-Beeren – das neue Superfood?

Optisch machen sie wenig her. Doch spätestens seit die US-Moderatorin Oprah Winfrey davon schwärmte, gelten Açai-Beeren als neues Superfood. Was ist dran an dem Hype?

Von Nicole Heißmann

Açai-Beeren gelten als neues Superfood.

Açai-Beeren gelten als neues Superfood. Sie sollen gegen vieles helfen: von der Impotenz über Falten bis hin zu Übergewicht. 

Wer beim Smalltalkmal wieder glänzen will, der rede über trendiges "Superfood" aus Brasilien. Schon mit der Aussprache kann man lässige Weltläufigkeit unter Beweis stellen: Die Früchte der brasilianischen Açai-Palme heißen nicht Akai, sondern Assai – wegen des kleinen Schnörkels ("Cedille") unterm portugiesischen ç.

Açai-Beeren sehen aus, als hätte jemand Weintrauben und Blaubeeren gekreuzt. Sie sollen erdig-beerig bis bitter-schokoladig und insgesamt eher mäßig schmecken. Eine Sensation scheinen dagegen die Inhaltsstoffe zu sein: Brasilianische Surfer schwören angeblich schon seit langem auf den Energiekick der kleinen Früchte – so geht die Legende.

Saftige Preise

Immerhin hat die Wissenschaft bestätigt, dass Açai-Beeren reichlich Kalzium, Mineral- und Ballaststoffe enthalten – vor allem aber Anthocyane. Die dunklen Pflanzenfarbstoffe gelten als Antioxidantien und damit als Leibwächter lebender Zellen: Sie fangen freie Radikale ab, aggressive Verwandte des Sauerstoffs, die Zellmembranen und Erbsubstanz attackieren und zum Beispiel mit Entzündungen, Arteriosklerose oder Krebs in Verbindung gebracht werden.

Im Internet kursieren Behauptungen, dass Açai-Produkte gegen Arthrose, Impotenz, zu hohe Cholesterinwerte, Übergewicht, Falten und vieles mehr helfen sollen. Was möglicherweise erklärt, warum dafür zuweilen saftige Preise verlangt werden: 100 Kapseln oder Tabletten können zehn bis 15 Euro kosten, 100 Gramm Pulver 20 Euro, 500 Milliliter Saft 15 Euro. Frisch gibt es die leicht verderblichen Beeren in Deutschland so gut wie nie.

Am Stehtisch können Sie jetzt Luft holen und an Ihrem Getränk nippen, um danach Ihrem Gegenüber noch ein wenig Wissenschaft zuzumuten: Denn leider sind die antioxidativen, entzündungs- und krebshemmenden Effekte von Açai nur ganz vereinzelt im Reagenzglas belegt und gar nicht an Menschen. Bisher ist weder bekannt, wie viel Açai-Inhaltsstoffe der menschliche Körper aufnimmt, noch, welche Dosen man überhaupt für einen Gesundheitseffekt bräuchte. Die nationalen Gesundheitsinstitute der USA bewerten Açai eher mau: Für kein Gesundheitsversprechen gebe es eine solide Datenbasis.


Antioxidantien auch in Holundersaft oder Brombeeren

Zudem soll es in Brasilien nach dem Genuss von rohem Açai-Saft vereinzelt zu Übertragungen der gefährlichen Chagas-Krankheit, die auch zu Herzschäden führen kann, gekommen sein. Deutsche Verbraucherzentralen weisen auf zum Teil hohe Manganwerte in Açai- Pulpe hin. Das Spurenelement kann die Aufnahme von Eisen in den Körper behindern. Und wer Medikamente schluckt, sollte vor dem Verzehr hoch dosierter Açai-Präparate einen Arzt nach eventuellen Wechselwirkungen fragen.

Falls Sie Ihrem Partygespräch noch eine umweltpolitische Note aufdrücken wollen, könnten Sie darauf hinweisen, dass Açai-Beeren so empfindlich sind, dass sie in Südamerika direkt nach der Ernte energieaufwendig gekühlt und weiterverarbeitet werden, bevor sie zum Beispiel als Pulver oder Pulpe ihre weite Reise nach Europa antreten. Die Klimabilanz dürfte man wohl als suboptimal bezeichnen, weshalb die Verbraucherzentrale NRW darauf hinweist, dass man sich eine Extraportion Antioxidantien auch über Rotkohl, Holundersaft oder Brombeeren aus europäischer Produktion einverleiben kann. Hört Ihnen Ihre Partybekanntschaft noch zu? Dann kritzeln Sie spätestens jetzt Ihre Telefonnummer auf eine Serviette. Viel Glück!

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