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Finger weg von Fatburnern

Weihnachtspfunde schnell mit Fatburnern purzeln lassen - das klingt verlockend. Tatsächlich spielt L-Carnitin eine Schlüsselrolle bei der Fettverbrennung in den Muskeln. Doch die Wirkung solcher Präparate ist wissenschaftlich nicht belegt.

Von Nicole Heißmann

  Streng überwachte sogenannte Blindstudien zeigten, dass L-Carnitin-Produkte zwar harmlos, aber nicht wirksam sind

Streng überwachte sogenannte Blindstudien zeigten, dass L-Carnitin-Produkte zwar harmlos, aber nicht wirksam sind

Eigentlich wissen wir es ja ganz genau: Um die Weihnachtspfunde wieder von den Rippen zu bekommen, müssten wir uns endlich mehr bewegen. Da wäre es schön, wenn wir die Fettschmelze mithilfe der zahlreichen Kapseln, Brausetabletten oder Fitnessdrinks, die als "Fatburner" beworben werden, wenigstens zusätzlich ein bisschen ankurbeln könnten. So soll zum Beispiel L-Carnitin, eine stickstoffhaltige Buttersäure-Verbindung, die Muskeln dazu bringen, beim Training besonders viel Fett zu verbrennen.

Bereits vor mehr als 100 Jahren wurde die Substanz von zwei russischen Wissenschaftlern im Fleischextrakt entdeckt. Sie findet sich im Muskelgewebe von Säugetieren und Menschen. L-Carnitin wird in Leber, Nieren und Gehirn gebildet. Den Rest nehmen wir zum Beispiel mit Rind- oder Schaffleisch zu uns. Pflanzliche Lebensmittel enthalten hingegen nur wenig davon.

Extraportion kommt nicht in den Zellen an

L-Carnitin spielt eine Schlüsselrolle bei der Fettverbrennung in unseren Muskeln: Wie ein unermüdlicher Heizer in einer Dampflok schaufelt es Fettsäuren in die winzigen Öfen der Muskelzellen, die Mitochondrien. Die Vermutung liegt also nahe, dass mehr L-Carnitin-Moleküle auch mehr lästiges Fett zum Verheizen bereitstellen könnten.

Doch die Biochemie unseres Körpers ist komplizierter: Bevor Fettsäuren irgendwohin geschleust werden, muss Fett aus den Pölsterchen erst mal in diese Substanzen zerlegt werden. Das erledigt das fettspaltende Enzym Lipase - und dem ist es, salopp gesagt, egal, wie viel L-Carnitin man intus hat. Außerdem erhöhen Präparate mit L-Carnitin zwar bei Menschen zuverlässig dessen Konzentration im Blut. Nur leider kommt diese Extraportion Studien zufolge gar nicht in den Muskelzellen an.

L-Carnitin-Präparate verbrennen Geld, kein Fett

Nun gibt es zwar ein paar kleinere Untersuchungen an Abnehmwilligen, bei denen L-Carnitin anscheinend die Fettverbrennung anregte. Allerdings hatten diese Studien methodische Mängel. Zum Beispiel den, dass Ärzten und Patienten genau bewusst war, wer L-Canitin geschluckt und wer nur Diät gehalten hatte. Unter solchen Bedingungen wird der Effekt einer mutmaßlich "wirksamen" Pille oft stark überschätzt. Strenger überwachte sogenannte Blindstudien, bei denen weder Teilnehmer noch Wissenschaftler ahnten, wer die Substanz erhalten hatte, zeigten dagegen keine Vorteile. Die Verbraucherzentrale Hamburg und die Stiftung Warentest raten deshalb, die Finger von L-Carnitin-Produkten zu lassen.

Immerhin scheint der Stoff eher harmlos zu sein: Bis auf vereinzelte Durchfallerkrankungen wurden bisher keine schweren Nebenwirkungen beschrieben. Was auch daran liegen mag, dass der Körper überschüssiges L-Carnitin einfach mit dem Urin entsorgt. Das heißt allerdings auch, dass man mit teuren Fatburnern vor allem eins verbrennt: das Geld im eigenen Portemonnaie.

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