Startseite

Wie Sie dem Heißhunger widerstehen

Was tun, wenn uns im Alltag der Heißhunger packt? Lassen Sie es gar nicht so weit kommen! Ein Psychologe gibt Tipps, wie sich Impulse austricksen lassen.

Von Corinna Schöps

Es ist, als wären wir ferngesteuert: Wir möchten den Apfel essen und greifen zur Schokolade; wir nehmen uns vor, nur ein Glas Wein zu trinken, und trinken drei; wir wollen mit einer Aufgabe vorankommen und lesen stattdessen eine Mail nach der anderen. Und dann ärgern wir uns. Sind wir machtlos gegen bestimmte Versuchungen?
Nein, wir können die Stärke unseres Verlangens durchaus beeinflussen, wie die jüngere Forschung zeigt.

Motivationspsychologen blicken neuerdings genauer auf diese Impulse, die uns etwas anderes tun lassen, als wir wollen. Warum setzen sich diese so gut durch?
Impulse stellen Weichen im Gehirn, bevor wir es bemerken: Wenn uns die Lust auf Schokolade oder auf eine Zigarette bewusst wird, fahren wir häufig schon auf dem falschen Gleis. Man kann dieses Verlangen verhindern oder wenigstens minimieren, wenn man früh in den Prozess eingreift. Was uns Wissenschaftler überrascht hat: Das ist gar nicht so schwierig, doch viele Menschen nutzen diese Chance nicht. Andere hingegen schaffen das sehr gut.

Was zeichnet die besser gewappneten Menschen aus, sind das die Kämpfernaturen?
Nein, verblüffenderweise nicht. Im Gegenteil: Leute, die den Verlockungen des Alltags besser widerstehen können, setzen häufig sogar weniger Willenskraft ein. Sie haben einfach die klügeren Strategien und handeln präventiv: Sie ringen nicht heroisch eine Versuchung nach der anderen nieder, sondern richten ihr Leben so ein, dass sie nicht ständig in Versuchung kommen.

Das klingt aber sehr vernünftig. Sind die Erfolgstypen womöglich auch etwas spröder, also weniger empfänglich für Reize?
Nein, die sind genauso verführbar. Sie gehen nur offensiver mit ihren Gelüsten um und rechnen mit ihnen. Die menschliche Selbstkontrolle läuft in einer Reihe von Hirnprozessen ab, und die Willenskraft steht erst hinten, als letzte Veto-Instanz. Wenn sie auf den Plan tritt, befinden sich der Impuls "Ich möchte jetzt gerne dieses Törtchen essen" und der Vorsatz "Wunschfigur" schon vernehmbar im Widerstreit.

Warum merken wir nicht, welches Elend sich da anbahnt?
Die evolutionär jüngeren Areale unseres Gehirns verfolgen andere Interessen als die älteren. Die jüngeren befähigen uns zu planen, Zukunftsziele zu verfolgen und sie mit dem Willen durchzusetzen. Die älteren Teile erzeugen die Impulse und beziehen sich auf das Glück im Hier und Jetzt. Sie sind wichtig, weil sie dafür sorgen, dass wir essen, schlafen und Sex haben. Das Hirn belohnt daher bestimmtes Verhalten mit Wohlgefühl. Um an eine schnelle Belohnung zu kommen, nehmen die Impulse das Denken jedoch mitunter in Geiselhaft. Die Schokolade schmeckt ja sofort - beim Abnehmen kann es etwas dauern, bis Sie sich zufrieden fühlen.

Wird das Denken dabei ausgeschaltet?
Nein, da arbeitet das Belohnungssystem viel raffinierter. Es schleicht sich heimlich in die Gedanken hinein. Dann grübeln Sie immer intensiver darüber nach, wie schön es doch wäre, jetzt das Törtchen zu essen. Dieses sogenannte Ruminieren ist ziemlich gefährlich.

Kann ich den Geiselnehmer wieder abschütteln?
Ja. Sie können sich Ihrer Ziele erinnern, das sind die Gegenspieler der Impulse. Oder Sie können sich ablenken: Studienprobanden, die im Experiment nicht nur auf süße Stimuli reagieren sollen, sondern parallel eine zweite Aufgabe lösen, essen hinterher weniger Süßes und spüren auch weniger Verlangen. Das Tückische ist: Wenn der Wunsch nach Belohnung im Gehirn erst einmal angeregt ist, werden auch andere kurzfristige Gratifikationen plötzlich wichtiger. In einer Studie etwa steigerte der Genuss von süßen Limonaden den Wunsch nach weiteren Belohnungen, etwa einer Massage.

Fliegen manche Menschen eher auf schnelle Belohnung?
Da spielen viele Faktoren eine Rolle: Die Gene, mein momentaner Zustand, ob ich also hungrig oder müde bin, meine Werte, die Kultur, in der ich lebe, und wie ich als Kind belohnt wurde. Die proaktiven, präventiven Strategien sind aber immer effektiv. Sie minimieren die inneren Konflikte zwischen Impulsen und langfristigen Zielen. Besonders gut funktioniert das beim Abnehmen.

Wie sieht so eine Impulsprävention im Alltag aus?
Viele Diätwillige haben lauter Sachen im Haus, die da nicht hingehören. Warum, fragt man sich, lassen die es überhaupt so weit kommen? Das beginnt beim Einkaufen. Leute mit proaktiven Strategien legen sich erst gar kein Bier oder Eis in den Kühlschrank. Sie reduzieren bewusst die Gelegenheiten und schränken ihre Handlungsoptionen ein. Da sie so Willensenergie sparen, schaffen sie es auch besser, gute Gewohnheiten zu kultivieren. Sich beispielsweise jeden Tag um 16 Uhr einen Apfel zu schnippeln, anstatt sich Fettgebäck zu kaufen. Damit delegieren sie zusätzlich einen Teil ihrer Selbstkontrolle an Automatismen, und das liebt das Gehirn, weil es dann noch mehr Energie spart.

Wenn es so einfach ist, warum machen wir das nicht alle so?
Weil wir leider häufig falsch einschätzen, wie gut wir uns in bestimmten Situationen kontrollieren können. Wir sind ziemlich schlecht darin, Verlangen zu simulieren. Forscher nennen diese Wahrnehmungsdiskrepanz "Hot-cold empathy gap". So kommt es, dass einer meint, er könne problemlos mit seiner Kollegin tanzen - und wenn er den Körperkontakt spürt, ist plötzlich alles anders. Das konkrete Erleben löst manchmal neurobiologische Ketteneffekte aus. Nach dem ersten Kuss kann man natürlich immer noch aufhören. Aber das kostet sehr viel Willenskraft.

Und wenn wir Schokolade essen, passiert das Gleiche im Gehirn?
Genau: Der herrliche Geschmack beim ersten Riegel befeuert das Belohnungssystem - und zack, ist auch schon die ganze Tafel alle. Da bestätigt sich der alte Satz: Wehret den Anfängen.

Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
Klar
Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

Partner-Tools