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Das Gift im Gebäck

Mehr als 1000 verdächtige Lebensmittel haben Chemiker schon untersucht: In den meisten fanden sie bedenkliche konzentrationen des toxischen Acrylamid, das als krebserregend eingestuft wird. Der stern testete jetzt Weihnachtsgebäck - und wurde erneut fündig.

Der Duft von Vanille und Zimt, Kardamom und Ingwer, Piment und Muskat zieht durch die Wohnung - Weihnachtszeit ist Lebkuchen- und Plätzchenzeit. Bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Glühwein in der gemütlichen Stube gehören die Leckereien zum winterlichen Fest wie der Adventskranz und der geschmückte Tannenbaum.

Eine Gaumenfreude, die neueste Erkenntnisse gründlichst vermiesen. Denn das schmackhafte Knabberzeug enthält hohe Mengen Acrylamid, jenes Gift, das seit Monaten immer wieder für Schlagzeilen sorgt und von der "International Agency for Research on Cancer" als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wird. Den Stoff im Weihnachtsschmaus fand das Berliner "Naturwissenschaftliche Forschungs- und Untersuchungslaboratorium" (Nafu), bei dem der stern eine Analyse in Auftrag gab. Die Chemiker untersuchten insgesamt 14 Backwaren, die sie stichprobenhaft in Supermärkten eingekauft hatten. Ergebnis: In zwölf der Proben war das Gift nachweisbar, vor allem Spekulatius und Lebkuchen enthielten große Mengen. So betrug der Gehalt in sechs Fällen über 300 Mikrogramm pro Kilogramm Ware, in einem Lebkuchen lag er sogar bei 557 Mikrogramm pro Kilo (siehe Tabelle). Werte, die Toxikologen und Lebensmittelchemiker als erschreckend hoch ansehen.

Weiteres Übel also in der umfangreichen Liste von Nahrungsmitteln, die inzwischen als Acrylamid-belastet geoutet sind. Woche für Woche wird sie länger, tragen Medien, Behörden, Universitäten und die Lebensmittelindustrie neue Daten zusammen. Pommes und Bratkartoffeln, Chips und Butterkekse, Cornflakes und Knäckebrot, Popcorn und Kaffee, Toast und Salzstangen stehen darauf. Zirka 1000 Produkte wurden bis heute untersucht, und in den meisten wurde das Gift gefunden. Das teilte vergangene Woche das Berliner Verbraucherschutzministerium mit und sprach von einer "vollkommen neuen Risikolage" für die Konsumenten. Produktnamen zu den vorliegenden Daten, so beteuert das Ministerium, könne es aus juristischen Gründen allerdings nicht nennen. Das Land Nordrhein-Westfalen jedoch, wo die Rechtslage wegen eines eigenen Landesgesetzes anders ist, kann es.

Von der Bedrohung in unseren Lebensmitteln weiß die Welt seit nunmehr acht Monaten. Ende April schlugen skandinavische Forscher Alarm. Leif Busk und Karl-Erik Hellenäs von der schwedischen Lebensmittelbehörde in Uppsala hatten in mehr als 100 Nahrungsmitteln nach dem Gift gesucht. Dabei fanden sie vor allem in Waren, die geröstet, scharf gebacken oder frittiert waren, hohe Konzentrationen. Als die Schweden ihre Ergebnisse veröffentlichten, wiegelten hierzulande Wissenschaftler und Behörden massiv ab - zu unglaublich und appetitverderbend erschien die Schreckensnachricht. So bezweifelten die deutschen Experten die Exaktheit der skandinavischen Messmethoden. Darüber hinaus verkündete man grundsätzliche Skepsis an den Werten aus Uppsala. "Aufgrund fehlender Messungen ist noch unklar, ob auch in Deutschland mit dem Vorkommen von Acrylamid in stärkehaltigen Lebensmitteln zu rechnen ist", ließ das damalige Berliner "Bundesamt für den gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin" (BgVV), eine Behörde des Verbraucherschutzministeriums, verlauten. Man müsse erst einmal in Ruhe allgemein anerkannte Messverfahren etablieren und dann sorgfältigst den Markt sondieren, hieß es. Das werde dauern. Kein Grund zur Panik. Und die Lebensmittelindustrie freute sich über diese Schützenhilfe von Amtsseite.

Als Politiker und Produzenten auf breiter Front mauerten, gab der stern im Juni die erste deutsche Lebensmitteluntersuchung auf Acrylamid in Auftrag (stern Nr. 24/2002: "Gift-Alarm bei Pommes & Co"). Das Berliner Nafu-Institut analysierte 20 Lebensmittelproben. Neben Kartoffelchips gehörten Cornflakes, Knäckebrot, Cracker, Pommes frites und andere Snacks dazu. Keine einzige der gekauften Waren war frei vom Gift. In acht Fällen lagen die Werte über 500; dreimal davon sogar deutlich über 1000 Mikrogramm pro Kilogramm. "Eigentlich gab es zu keiner Zeit Zweifel daran, dass wir in Deutschland dieselben Werte haben wie die Schweden", sagt Chemiker Hans-Werner Kelm von Nafu, "zumal zahlreiche Produkte in unseren Supermärkten aus Skandinavien kommen." Doch nur äußerst zögerlich landeten im Laufe der vergangenen Monate nun auch deutsche Behörden-Daten auf dem Tisch. Selbst in Babynahrung wurde jetzt Acrylamid gefunden. Wie der gefährliche Stoff in die Lebensmittel gerät, war zunächst ein Rätsel, konnte aber inzwischen von Forschern geklärt werden: Bei dem Gift handelt es sich nicht um eine Verschmutzung von außen. Es entwickelt sich vielmehr in den Produkten selbst - bei ihrer Herstellung. Neue Untersuchungen zeigen, dass die Acrylamid-Bildung etwa bei 120 Grad beginnt und sich mit zunehmender Temperatur verstärkt. Dabei entsteht die Substanz in der so genannten Maillard-Reaktion, wenn Aminosäuren und Kohlenhydrate miteinander reagieren, die Lebensmittel beim Braten, Rösten und Backen ihre typische braune Farbe, ihren Duft und Geschmack bekommen. Eine entscheidende Rolle, das haben Versuche gezeigt, spielt offenbar auch der Wassergehalt des Nahrungsmittels. Je höher er ist, umso weniger Acrylamid entsteht. Folglich passiert beim Kochen, Dünsten und Dämpfen relativ wenig. Umso mehr rätseln Forscher nun, warum selbst getesteter Babybrei den Stoff enthält: vier bis 34 Mikrogramm pro Kilo. Erkenntnisse, von denen Wissenschaftler kürzlich überhaupt noch keine Ahnung hatten. Denn die Schweden brachten das Problem eher zufällig ans Licht, nachdem sie das Blut von Arbeitern untersucht hatten, die beruflich einer starken Acrylamidbelastung ausgesetzt waren. Denn die Chemikalie wird auch synthetisch hergestellt und in der Industrie etwa bei Klebern und Kunststoffen verwendet. In dieser Studie wurde parallel eine "unbelastete" Kontrollgruppe analysiert. Als plötzlich auch das Blut dieser Vergleichspersonen überraschend hohe Werte aufwies, ergründeten die Wissenschaftler die Ursache und fanden: nur Lebensmittel konnten dafür verantwortlich sein. Wie viel des Giftes der Mensch täglich mit der Nahrung aufnimmt, kann keiner genau sagen. Immerhin futtert der Deutsche laut Statistik heute pro Jahr allein 3,7 Kilogramm Knabberkram wie Kräcker, Chips, Salzstangen und Erdnussflips - dreimal so viel wie 1970. Dazu kommen etwa noch zehn Kilo Pommes. Skandinavische Schätzungen kalkulieren vorsichtig eine durchschnittliche Aufnahme von 40 Mikrogramm des Giftes je Bürger und Tag. Das BgVV ermittelte für Erwachsene zwischen 3 und 15 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht und Tag - macht bis zu über 1000 Mikrogramm täglich. Viele dürften diese Werte leicht übertreffen. So verzehren Kinder und Jugendliche vermutlich mehr Chips und Pommes als Erwachsene.

Nun versuchen Ernährungswissenschaftler und Toxikologen zu ergründen, was uns allen droht und was wir uns bislang beim nichtsahnenden Futtern von Chips und Co. angetan haben. In Tierversuchen immerhin ist die Wirkung von Acrylamid bestens bekannt. Bei Ratten etwa zeigten sich, nachdem sie hohe Dosen der Substanz verabreicht bekommen hatten, Nerven- und Organschäden sowie Krebstumoren. Darüber hinaus traten Schädigungen der Erbanlagen auf; auch die Fortpflanzungsfähigkeit nahm ab. Der Mechanismus: Acrylamid und seine Umwandlungsprodukte werden über das Blut zu den Zellen transportiert und reagieren dort mit der DNA. Dabei können Gene verändert werden, die dann eine gesunde in eine Krebszelle verwandeln.

Ob und wie sich diese Resultate auf den Menschen übertragen lassen, ist jedoch ungewiss. Beim Zweibeiner haben Forscher bislang nur Erfahrungen sammeln können, wenn die Chemikalie, synthetisch produziert, in größeren Mengen am Arbeitsplatz eingeatmet wird. Dann diagnostizierten Mediziner dauerhafte Sensibilitäts- und Bewegungsstörungen. "Aufsteigende Neuropathie" nennen sie dieses Krankheitsbild. Was beim Menschen passiert, wenn er regelmäßig gewisse Mengen Acrylamid durch die Nahrung aufnimmt, wissen wir einfach nicht", beteuert Dieter Schrenk, Professor für Lebensmitteltoxikologie an der Universität Kaiserslautern.

Immerhin sind die Schweden Busk und Hellenäs davon überzeugt, dass sie mit ihrer Entdeckung die Ursache für einen bedeutenden Anteil von Krebsfällen ausgemacht haben, die durch Nahrungsmittel ausgelöst werden. Und der Chef des Nürnberger "Institutes für pharmazeutische und biomedizinische Forschung", Fritz Sörgel, geht davon aus, "dass Acrylamid für 50 bis 100 Krebsfälle unter einer Million Einwohner sorgt. Das könnte heißen, dass etwa 8000 Deutsche jedes Jahr den Bratkartoffel-Tod sterben" - mehr Verzehrs- als Verkehrsopfer also. Kollege Schrenk jedoch ist davon überzeugt, dass für solche Angst machenden Schlüsse die toxikologischen Erkenntnisse schlichtweg zu dürftig sind.

So tut sich der Gesetzgeber schwer mit der Festlegung von Grenzwerten. Es gibt sie für Acrylamid in Lebensmitteln bis heute nur für Spezialfälle, in denen eine Gefährdung seit langem bekannt ist. Immerhin wussten Toxikologen, dass die Substanz aus Kunststofffolien, bei deren Herstellung der Stoff verwendet wird, austreten kann. Wenn diese zum Einpacken von Nahrung benutzt werden, darf das Gift im Lebensmittel überhaupt nicht nachweisbar sein. Auch Trinkwasser kann bei speziellen Aufbereitungsverfahren mit künstlich hergestelltem Acrylamid in Kontakt kommen. Hier gilt: 0,1 Mikrogramm pro Liter dürfen nicht überschritten werden.

Stern-Test: Vorsicht bei Weihnachtsknabbereien

PRODUKTHERSTELLERACRYLAMIDGEHALT **
Original Dresdner ChriststollenDresdner Backhaus GmbH Dresdenn.n. *
Edelmarzipan-StollenWEFA Brot GmbH Würselen n.n. *
Confiserie Firenze Butter-Mandel-Stollenfür Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm19
Reichsgraf Butter SpekulatiusCrux GmbH & Co.KG Aachen30
Leckerbissen NeuBahlsen, Hannover118
Fin carré Lebkuchen Allerleifür Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm123
Reichsgraf Orig. Aachener Schoko-DominosteineCrux GmbH & Co.KG Aachen150
Dominosteine doppelt gefülltfür Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm270
Aachener Kräuter PrintenKinkartz GmbH & Co.KG Würselen/Aachen361
Reichsgraf Magen-BrotBurg Lebkuchen GmbH Nürnberg370
Reichsgraf Schoko-GebäckBurg Lebkuchen GmbH Nürnberg372
Feinster Gewürz SpekulatiusBahlsen, Hannover475
Elisen LebkuchenHaeberlein-Metzger498
Mandel-Spekulatiusfür Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm557

Um gesetzliche Maximalwerte für die neu entdeckte, weitaus dramatischere Acrylamid-Belastung der Nahrung drücken sich die Experten noch immer. Die Datenlage sei zu verworren und das Risiko zu wenig greifbar, heißt es aus dem vom Verbraucherschutzministerium neu gegründeten Berliner "Bundesinstitut für Risikobewertung". Lediglich "Signalwerte" hat die Behörde inzwischen festgelegt. Die liegen je nach Produktgruppe bei sehr hohen 250 bis weit über1000 Mikrogramm pro Kilo. Es sind nichts weiter als künstliche Marken, bei deren Überschreitung Kontrollbehörden den Nahrungsmittelhersteller drängen sollen, den Acrylamidgehalt im Produkt zu verringern. Als Empfehlung für den verunsicherten Verbraucher taugen sie nichts.

Klar ist: Menschen sollten so wenig wie möglich von dem Gift konsumieren. Immerhin verkünden nun nach monatelangem Abwiegeln die Hersteller von Kartoffelchips stolz erste Erfolge bei der Reduzierung von Acrylamid in ihrer Ware - um durchschnittlich gerade mal 15 Prozent. Erreicht hat das die Branche durch Veränderungen des Produktionsprozesses, etwa durch ein optimiertes "Temperatur-/Zeitprofil" und die Erhöhung von "Restfeuchte". "Wir werden auch weiterhin alles tun, um die Werte zu senken", beteuert Werner Wolf, Vorsitzender der Fachsparte Knabberartikel des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.

In den Labors anderer Lebensmittelproduzenten und Forschungseinrichtungen wird ebenfalls an der Gift-Minimierung getüftelt. So scheint bei der Herstellungen von Keksen und Knäckebrot die Wahl der Rohstoffe, aber auch die Teig-Mixtur und das Gärungsverfahren eine Rolle zu spielen. Und bei der Pommes-Produktion das Frittierfett. Der Chemiker Christian Gertz vom Chemischen Untersuchungsamt Hagen hat herausgefunden: Fette, die Silikon enthalten und in vielen Restaurantketten verwendet werden, um die Haltbarkeit zu verlängern, vergrößern den Acrylamid-Gehalt der darin zubereiteten Pommes.

Selbst wenn die großen Hersteller eines Tages den Giftgehalt ihrer Produkte drastisch verringern sollten, ist nur ein Teil des Problems gelöst. Denn die Marktbeherrscher sind noch relativ leicht zu motivieren und zu kontrollieren; bei den Tausenden und Abertausenden Bäckereien und Imbissbuden im Lande aber ist das unmöglich. Und in der Küche zu Hause steht erst recht kein Lebensmittelüberwacher.

Doch geben die Verbraucherzentralen und -ministerien wertvolle Hinweise: So sollte der Heimkoch darauf achten, dass die Temperaturen beim Backen, Braten und Frittieren möglichst niedrig und die Zubereitungszeiten so kurz wie möglich sind. "Kartoffelprodukte sollten eine goldgelbe, Getreideprodukte eine helle, nicht verbrannte Farbe haben", empfiehlt beispielsweise das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz. Im Backofen sollten 200, in der Friteuse 175 Grad nicht überschritten werden. Da sich in der Bratpfanne die Temperatur schlecht kontrollieren lässt, gilt: Bratkartoffeln sanft garen, das Fett darf nicht rauchen und spritzen. Außerdem sollten nur gekochte Kartoffeln verwendet werden, keine rohen. Und Brot nicht zu stark toasten. "Vergolden statt verkohlen" heißt die Anti-Acrylamid-Devise.

Horst Güntheroth

Mitarbeit: Stefan Doblinger, Werner Hinzpeter

Entgiften leicht gemacht

Eigener Herd ist Goldes wert - wer selbst brät und backt, kann die Acrylamid-Gefahr wirksam eindämmen

1.Runter mit der Hitze Acrylamid entsteht beim Frittieren ab einer Fett-Temperatur von 120 Grad. Kritisch wird es allerdings erst ab 175 Grad, dann steigen die Werte in Pommes plötzlich stark an. Da die Thermostaten nicht immer genau sind, empfiehlt es sich, ein genaueres Fett-Thermometer zu Hilfe zu nehmen. Auch bei Backofenfritten lohnt es sich, Hitze zu sparen. Die Temperatur sollte nicht über 200 Grad steigen (180 Grad bei Umluft). Fürs Backen von Brot und Plätzchen gilt: Möglichst nicht über 190 Grad gehen. Bis zu dieser Temperatur hilft es, Teig mit Eiern zu verbacken. Denn Eigelb reduziert bis dahin die Acrylamidbildung. Wird der Ofen heißer, kippt der Effekt ins Gegenteil.

2.Möglichst frische Knollen Je länger Kartoffeln gelagert wurden, desto stärker reichern sie sich beim Braten und Frittieren mit Acrylamid an. Lang liegende oder angekeimte Knollen sollten deshalb möglichst nur gekocht werden. So zubereitet, konnte in ihnen noch kein Acrylamid nachgewiesen werden. Nach dem Schälen und Schneiden die Kartoffelstücke eine Stunde wässern. So wird Zucker herausgelöst, der an der Bildung von Acrylamid beteiligt ist. Daher auch nur gekochte Kartoffeln in die Pfanne geben, auch weil es die Garzeit beim Braten verkürzt. Die verwendeten Sorten spielen ebenfalls eine Rolle. Zum Frittieren empfehlen sich "mehlig kochende" und "vorwiegend fest kochende" Sorten.

3. Je heller, desto besser Als Faustregel gilt: Je dunkler gebacken, gebraten, getoastet oder frittiert wird, desto mehr Acrylamid ist im Lebensmittel. Also möglichst bald aufhören, wenn die Speisen gar sind. Beim Frittieren sollte man deshalb stoppen, wenn die Enden der Kartoffelstäbchen beginnen, braun zu werden. Plätzchen goldbraun aus dem Ofen nehmen. Nichts so lange im Ofen oder Toaster lassen, bis es anbrennt.

4. Aufs Fett achten Beim Braten mit Margarine entsteht weniger Acrylamid als beim Braten mit Öl. Wo Öl verwendet wird, einen Teil des Fetts durch Margarine ersetzen. Auch auf die Art des Öls achten: Mit Sonnenblumen- oder Rapsöl wurden geringere Werte gemessen als mit Palmöl. Schließlich lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste: Ist im Fett Silikon (E 900) enthalten, lässt man nach Angaben des Chemischen Untersuchungsamts Hagen besser die Finger davon, denn es treibt die Acrylamidwerte hoch.

5. Größer und dicker ist besser Kuchen, Brot, Stollen enthalten tendenziell weniger Acrylamid als Plätzchen und Brötchen. Denn der Stoff bildet sich vor allem an der Oberfläche - und deren Anteil sinkt, je größer ein Lebensmittel ist.

6. Backpapier benutzen Statt das Blech zu fetten, ist es besser, Backpapier unterzulegen. So werden die Produkte an der Unterseite nicht ganz so heiß und bilden weniger Acrylamid.

Himmelweite Unterschiede

"Das Bundesministerium für Vebraucherschutz kennt 105 Produkte, die extrem stark mit Acrylamid belastet sind. Nennen darf es sie nicht, weil die unionsregierten Länder das vom Bundestag beschlossene Verbraucherinformationsgesetz im Juni im Bundesrat scheitern ließen. Nur in Nordrhein-Westfalen gibt es seit einem Jahr ein Landesgesetz, das diese Lücke schließt. Die Regierung in Düsseldorf hat eine Liste mit Messergeb-nissen veröffentlicht. Der stern druckt sie in Auszügen ab.

Die angegebenen Acrylamidwerte beziehen sich nur auf die jeweils getesteten Packungen und schwanken – je nachdem, welche Rohstoffe verwendet worden sind und unter welchen Bedingungen sie gebacken bzw. frittiert wurden. Sie können also nur als Orientierungshilfen dienen.

Ab welcher Konzentration Acrylamid wie gefährlich ist, ist bisher nicht ausreichend erforscht. Der immer wieder zitierte „Signalwert“ sagt darüber gar nichts aus. Er markiert lediglich Produkte, die im Vergleich zur Konkurrenz besonder schlecht abschneiden."

PRODUKTHERSTELLERACRYLAMIDGEHALT **
FRITTIERTES
Pommes fritesKentucky Fried Chicken, Hagen68
Chicken McNuggetsMcDonald's, Menden74
Pommes frites Premier 28, Party Service, Menden81
Pommes frites Pommes Mann Imbiss, Hagen 158
Pommes fritesMcDonald's, Hagen222
Pommes fritesBurger King, Hagen 301
Pommes frites McDonald's, Menden 312
Pommes frites Burger King, Hagen 357
Pommes frites McDonald's, Hagen
SALZGEBÄCK/NÜSSE
Mr.Chipp's Taste of Bar be QOK Snacks A/S, Ejstrupholm, Dänemarkn.n. *
Mr.Chipp's Sour riffles ChiliOK Snacks A/S, Ejstrupholm, Dänemarkn.n.
Mr.Chipp's Party Snacks 5 Varianten OK Snacks A/S, Ejstrupholm, Dänemarkn.n.
Pistazien geröstet, gesalzen Seeberger KG, Ulmn.n.
Zwiebel Snack, Maisgebäck Lorenz Bahlsen GmbH & Co KG, Neu-Isenburg n.n.
Erdnüsse geröstet, gesalzen ültje GmbH & Co. KG, Schwerte 83
Teigummantelte ErdnüsseFelix, Schwerte 121
Old el Paso Nachips, Maischips Old El Paso, USA, Vertrieb: Pillsbury, Hamburg148
Flachkräcker aus Vollkorn Osem Food Industries, Tel Aviv, Israel423
Fuego Three Cheese ChipsTh. Kattus GmbH, Maisach 503
Funny-frisch Chipsfrisch Peperoni Funny-Frisch Snack und Gebäck GmbH, Köln 523
Cracker fein gesalzen Lorenz Bahlsen GmbH & Co KG, Neu-Isenburg 536
Kartoffelsticks Funny-Frisch GmbH, Köln 918
Goldkronen Chips Paprika Knabberartikel Vertriebs-GmbH, Hamburg927
Bravo Crustie - Paprikafür Penny Markt GmbH, Köln 981
Papa Joe's Sticks - Paprikafür Plus Vertriebs GmbH, Mülheim/Ruhr 1114
Rusti Crusti Croc „Paprika“ für Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm1340
Potatoe Ocean Snack „Paprika“für Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm
GEBÄCKMürbegebäck, Türkei Hanke-Beifuss GbR, Osnabrückn.n.
Vanillehörnchen Bäckerei, Glandorf n.n.
Kölln Cakes, Hafer-SnacksPeter Kölln KGaA, Elmshorn n.n.
Eierplätzchen Bäckerei, Ibbenbüren n.n.
Kinderkeks (Vollkorn, Milupa) Milupa GmbH und Co KG, Friedrichsdorf n.n.
Kinderkeks (Alete) Nestlé Alete GmbH, München n.n.
Butterspritzgebäck Bäckerei, Oelde n.n.
Vanillekipferl Plus Vertriebs GmbH, Mülheim an der Ruhr 87
Schweinsohren Bedey's BV, Ad Alphen A/D, Rigin, Holland 124
Liga Kinderkeks (ab 6. Monat) General Biscuits GmbH, Kempen 132
Buttergebäck Bäckerei, Telgte 149
Butterkeks Diät Bahlsen, Hannover
KNÄCKEBROT
Sesam-Knäckebrot Bäckerei, Senden n.n.
Leicht und Cross (Weizen) Griesson de Beukelaer, Polch 105
Finn Crisp Vaasan & Vaasan Oy, Helsinki, Finnland182
Wasa-Mehrkorn-Knäckebrot Wasa GmbH, Celle 194
Leicht und Cross (Sesam) Griesson de Beukelaer, Polch229
Roggenvollkorn (Grafschafter) für Lidl Stiftung & Co.KG, Neckarsulm921
Roggenvollkorn mit Sesamfür Heimo Handels GmbH, Köln 1258
Roggenvollkorn (Vitapan) für Heimo Handels GmbH, Köln

* n.n.= Acrylamid nicht nachweisbar; ** Verkehrsbezeichnung laut Hersteller incl. ergänzender Angaben zur eindeutigen Identifizierung; *** in µg/kg=Mikrogramm/Kilogramm; Quelle: Ministerium für Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen

Horst Güntheroth/print

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