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Wenn die Arbeit krank macht

Nicht nur Pollen oder Tierhaare können Allergien auslösen, sondern auch Stoffe aus dem Berufsumfeld: Bäcker reagieren auf Mehlstaub, Friseure auf Haarfärbemittel, Ärzte auf Desinfektionsmittel.

Allergierisiko Beruf

Allergierisiko Beruf: Der Großteil aller Berufserkrankungen in Deutschland sind Hautprobleme, davon 95 Prozent Kontaktekzeme

Berufsbedingte Allergie: So schützen Sie sich bei der Arbeit
  Falls Sie eine empfindliche Haut haben und noch entscheiden, welchen Beruf Sie ergreifen möchten: Lassen Sie sich von einem Spezialisten beraten und ziehen Sie auch eine berufliche Testphase in Betracht, bei der Sie die Bedingungen am Arbeitsplatz kennenlernen können

Falls Sie eine empfindliche Haut haben und noch entscheiden, welchen Beruf Sie ergreifen möchten: Lassen Sie sich von einem Spezialisten beraten und ziehen Sie auch eine berufliche Testphase in Betracht, bei der Sie die Bedingungen am Arbeitsplatz kennenlernen können

Für viele junge Menschen endet die Ausbildung, bevor sie richtig begonnen hat. Sie müssen ihre Lehrstelle, die sie vielleicht nur mit viel Mühe gefunden haben, wieder abbrechen, weil sie allergisch auf bestimmte Stoffe in ihrem Arbeitsumfeld reagieren. 30.000 Jugendlichen ergeht es jedes Jahr so.

Insgesamt ist die Zahl der beruflich bedingten Hauterkrankungen in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen. Betroffene leiden doppelt darunter, weil mit der Erkrankung oft auch eine große Zukunfts- und Existenzangst einhergeht.

Der wirtschaftliche Schaden sei ebenfalls enorm, sagt der Dermatologe und Allergologe Swen Malte John von der Universität Osnabrück. Da die Behandlung meist sehr lange dauert, fällt der Betroffene auf unbestimmte Zeit im Job aus. Hinzu kämen Kosten in Höhe von bis zu 100.000 Euro für eine Umschulung sowie der indirekte Schaden aufgrund des Produktivitätsverlusts.

Mit zunehmendem Alter werde es außerdem schwieriger, wieder ins Arbeitsleben zurückzufinden, sagt John. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Berufsdermatologie schätzt, dass für die Volkswirtschaft Folgekosten von mehr als 1,25 Milliarden Euro im Jahr allein aufgrund von Arbeitsausfall entstehen. Die direkten Kosten für berufsbedingte Hauterkrankungen beziffert er mit mehr als vier Milliarden Euro.

Besonders betroffen: Haut und Atemwege

Die meisten beruflich bedingten Erkrankungen in Deutschland betreffen die Haut. Bei 90 bis 95 Prozent dieser Hautprobleme handelt es sich um Kontaktekzeme, die sich wiederum meist an den Hände äußern. Die häufigste Form sind so genannte akut-toxische Kontaktekzeme, die durch das direkte Einwirken von Säuren, Laugen oder anderen aggressiven Chemikalien entstehen. An zweiter Stelle der beruflich bedingten Hauterkrankungen steht schon das allergische Kontaktekzem, bei dem es im Körper zu folgender Reaktion kommt: Zunächst entsteht unbemerkt die für eine Allergie typische Sensibilisierung gegenüber dem jeweiligen Kontaktallergen. Bei erneutem Kontakt mit der Substanz in einer eigentlich ungiftigen Konzentration bildet sich dann das Ekzem. Da die Haut meist vorher schon gereizt und geschädigt war, funktioniert die Barriere- oder Schutzfunktion der Haut nicht mehr so gut, so dass Allergene leichter eindringen können.

Eine weitere häufige berufsbedingte Erkrankung ist das Asthma bronchiale. Etwa 1.200 bronchienverengende Atemwegserkrankungen werden jedes Jahr als Berufskrankheit anerkannt, in drei von vier Fällen liegen allergische Prozesse zugrunde. Hierbei ist es so, dass der Körper, nachdem der Betroffene das Allergen eingeatmet hat, verstärkt IgE-Antikörper (IgE) bildet. Das ist die Phase der Sensibilisierung. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen werden dann Histamin und andere Botenstoffe ausgeschüttet, um das Allergen zu bekämpfen - worauf sich die Bronchien zusammenziehen, die Schleimhäute anschwellen und verstärkt Schleim produziert wird.

Auch die so genannte exogen allergische Alveolitis wird durch eingeatmete Allergene verursacht. Hierbei lösen organische Stäube eine entzündliche Reaktion aus: Sie dringen in die Lungenbläschen ein und führen nach entsprechender Sensibilisierung sowie erneutem Einatmen zu einer Entzündung des Lungengewebes und der kleinsten Bronchien. Dabei können grippeähnliche Symptome entstehen, sowohl vier bis zwölf Stunden (Typ-III-Reaktion) als auch noch Tage bis Wochen nach Allergenkontakt (Typ-IV-Reaktion). Sie verschwinden aber schnell wieder, sobald der Patient nicht mehr mit dem problematischen Allergen belastet ist.

Allergierisiko Beruf

Allergierisiko Beruf: Der Großteil aller Berufserkrankungen in Deutschland sind Hautprobleme, davon 95 Prozent Kontaktekzeme

Auslöser

Allergisches Kontaktekzem

Als Auslöser kommen mehrere hundert Arbeitsstoffe in Frage. Eine Substanz, die in vielen Industrie- und Handwerksbetrieben eingesetzt wird und sehr häufig eine Kontaktallergie hervorruft, ist Epoxidharz. Weitere Stoffe sind Isothiazolinone (Konservierungsmittel in Kühlschmierstoffen), Nickel (Galvanik), Gummi (Schutzhandschuhe), Kaliumchromat (entsteht bei der Zementherstellung, inzwischen wird vermehrt chromatarmer Zement genutzt werden), Glutaraldehyd und Glyoxal (Desinfektionsmittel) sowie Methacrylate (Zahntechnik).

Etwa 80 Prozent der berufsbedingten Hautkrankheiten treten bei nur sieben Berufsgruppen auf, die regelmäßig und häufig Kontakt zu bestimmten Allergenen haben: Friseur-, Metall-, Heil- und Pflege-, Nahrungsmittel-, Bau-, Reinigungs- und Malerberufe, etwa bei Friseuren, Bäckern und Konditoren, Floristen, Masseuren, Köchen, Malern und Lackierern. Das Ekzem bricht eher an den Finger- und Handrücken aus als an der Handinnenfläche, weil diese durch eine dickere Hornschicht besser geschützt ist.

Allergisches Asthma

Bei berufsbedingten allergischen Atemwegserkrankungen sind heute etwa 250 verschiedene Substanzen als Auslöser bekannt. Besonders wichtig sind Mehlstaub und Friseurchemikalien – entsprechend hoch ist das Risiko bei Bäckern, Konditoren und Friseuren, ein allergisches Asthma zu entwickeln. Die exogen allergische Alveolitis ist vor allem bei Landwirten, Tauben- und Vogelzüchtern sowie bei Angestellten von Druckereibetrieben zu beobachten, da bei diesen Berufen häufig Schimmelpilzsporen entstehen.

Häufige Auslöser für sind:

Tierische Allergene Quelle
Nutztiere (hauptsächlich Rind)Landwirtschaft, Labor, Veterinärwesen, Tierfarm, Zoologie
VögelZoohandlung, Geflügelfarm, Verarbeitung von Federn
Labortiere (hauptsächlich Ratte und Maus)Tierpfleger, Labor
InsektenBiologielabor
Hausstaub- und VorratsmilbenLandwirtschaft, Futtermittel
BienenmilbenImkerei
Fliegen, Küchenschaben, Heuschrecken, Mehlwurm, Mehlmotte, Reismehlkäfer, Trogoderma (Berlinkäfer)Forschungslabor, Zuchtbetrieb, Mehlverarbeitung, Futter- und Nahrungsmittelindustrie
ZuckmückenZierfischfutter
BienenImkerei
Rote Spinnmilben
Pflanzliche Allergene Quelle
MehlBäckerei, Konditorei, Mühle
Sträucher- und BlumenpollenGärtnerei
Tabakblätter, TeeAnbau, Verarbeitung
Grüne Kaffeebohnen, Kakaobohnen, RizinusPlantagen, Dock- und Lagerarbeit
HennaFriseurbetrieb
Naturlatex
Biologische Enzyme Quelle
Amylase, Xylanase, Cellulase"Mehlberufe"
Papain, Subtilisin, Pankreatin, TrypsinLabor, pharmazeutische Betriebe, Küchenbetriebe (Fleischmürber), Waschmittelproduktion
Pektinase

Symptome

Anzeichen eines allergischen Kontaktekzems

Ein allergisches Kontaktekzem kann verschiedene Beschwerden und Veränderungen an der Haut verursachen:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Juckreiz
  • Nässende Haut
  • Spannungsgefühl
  • Brennen
  • Blasen
  • Schuppung
  • Verstärkte Hautfärbung
  • Verhornung
  • Krustenbildung
  • Hauteinrisse
  • Verdickung der Haut und Vergröberung der Hautfalten

Normalerweise entwickelt sich ein solches Ekzem nur an jenen Stellen der Haut, die zuvor mit dem Allergen in Berührung gekommen sind. Sie können überall auftreten, meist sind aber die Hände betroffen. Bei einer besonders intensiven Sensibilisierung können aber auch frühere Ekzeme wieder aufflammen, obwohl das Allergen dort vielleicht gar nicht direkt eingedrungen ist. Möglich sind auch Reaktionen durch unbewusstes Übertragen des Auslösers. Wenn sich zum Beispiel eine Kosmetikerin mit einer Nagellackallergie die Augen reibt, kann sich ein Ekzem an den Lidern bilden.

Anzeichen eines Asthma bronchiale

Das Tückische beim Asthma bronchiale ist, dass es sowohl eine IgE-vermittelte Sofortreaktion als auch eine Spätreaktion geben kann, die sich erst nach sechs bis zwölf Stunden äußert. Daher ist es oft schwierig, die Beschwerden einem Auslöser zuzuordnen. Im Laufe der Jahre kann sich außerdem das Spektrum der allergieauslösenden Stoffe erweitern: Anfangs bereitet nur ein Allergen Probleme, später sind es mehrere.

Das Leitsymptom der asthmatischen Beschwerden ist die anfallsweise auftretende Atemnot. Sie entsteht, weil sich die Luftwege aufgrund einer Allergie verengen. Gleichzeitig ist die Ausatmung verlängert und erschwert - deshalb entstehen beim Atmen Pfeif-, Zisch- und Brummgeräusche.

Weitere mögliche Symptome des allergischen Asthma bronchiale sind:

  • (Reiz-)Husten mit zähem Auswurf
  • Kurzatmigkeit
  • Wässrige Absonderungen aus der Nase
  • Entzündung der Augenbindehäute
  • Fieber

Schwere Atemnot, Engegefühl? Achtung, Notfall!

Wenn sich die Atemwege plötzlich verengen, kann ein akuter Asthmaanfall folgen. Betroffene bekommen kaum noch Luft, in der Brust macht sich ein Engegefühl breit. Auch zwischen den Anfällen hustet der Patient und hat Schwierigkeiten beim Atmen. Dieser Zustand, auch Status asthmaticus genannt, kann wenige Sekunden bis mehrere Stunden dauern, manchmal auch einige Tage. In so einem Fall muss schnell gehandelt werden, denn wie bei einem allergischen Schock handelt es sich um eine lebensbedrohliche Situation. Das Asthma belastet Herz und Lunge sehr stark. Zum einen kommt nicht genügend Sauerstoff in die Lungen hinein, noch gelangt genügend Kohlendioxid aus der Lunge heraus. Auf Dauer kann dies zu einer Lungenüberblähung (Lungenemphysem) führen. Die Betroffenen haben Angst zu ersticken und brauchen dringend einen Notarzt.

Anzeichen einer exogen allergischen Alveolitis

Die berufsbedingte exogen allergische Alveolitis ist eine allergisch-entzündliche Reaktion der Lungenbläschen auf organische (Arbeits-)Stäube. Auf Dauer wird das Lungengewebe unumkehrbar in Bindegewebe umgebaut, was die Funktion des Organs einschränkt. Ärzte unterscheiden zwei Formen: die akute mit einer massiven Allergenzufuhr und die chronische, bei der die Allergenzufuhr andauert und eher niedrig dosiert ist.

Die akute exogen allergische Alveolitis führt zu grippeähnlichen Beschwerden mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Husten und Fieber. Bei der Atmung sind häufig rasselnde Geräusche zu hören, die charakteristisch für diese Erkrankung sind. Die chronische Form ist verläuft eher schleichend mit trockenem Husten, Abgeschlagenheit und Luftnot unter Belastung. In fortgeschrittenem Zustand zeigen sind die letzten Glieder der Finger oft aufgetrieben und verdickt (Trommelschlägel- oder Kolbenfinger) und haben große, gewölbte Fingernägel (Uhrglasnägel). Wie sie entstehen, ist unklar.

Diagnose

Der richtige Ansprechpartner ist ein Facharzt für Haut- beziehungsweise Lungenerkrankungen, ein Allergologe oder ein Arbeitsmediziner. Findet der Mediziner bei Ihnen Anhaltspunkte für eine in der Berufskrankheiten-Verordnung aufgelistete Krankheit, muss er dies der zuständigen Berufsgenossenschaft melden. Sie prüft dann, ob die wesentliche Ursache im Arbeitsumfeld zu sehen ist. Dazu wird unter anderem der Arbeitsplatz untersucht und ein medizinischer Gutachter eingeschaltet. Ob es sich um eine Berufskrankheit handelt oder nicht, entscheidet der Rentenausschuss der Berufsgenossenschaft, der aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besteht.

Auf der Suche nach dem Auslöser

Wie bei jeder allergischen Erkrankung geht es bei der Diagnose darum, den Auslöser zu finden. Wichtige Hinweise liefert eine ausführliche Anamnese. In diesem Erstgespräch wird der Arzt vor allem Fragen zur beruflichen Situation und zum Arbeitsplatz stellen, etwa:

  • Welche Tätigkeit üben Sie derzeit aus?
  • Mit welchen typischen Stoffen oder Stäuben kommen Sie in Kontakt?
  • Sind in der vergangenen Zeit neue Substanzen im beruflichen Umfeld aufgetaucht?
  • Wann und unter welchen Bedingungen entstehen die Atem- und/oder Haut-Beschwerden? Bessern sie sich möglicherweise in der arbeitsfreien Zeit?
  • Müssen Sie häufig Handschuhe tragen?
  • Wie oft und womit waschen Sie Ihre Hände während der Arbeitszeit?
  • Welche Hautschutzpräparate benutzen Sie?
  • Welche Berufe haben Sie seit der Schulzeit ausgeübt?
  • Gab es in der Vorgeschichte einen unfallartigen Kontakt mit einem Arbeitsstoff, etwa durch Betriebsstörungen?

Tests beim allergischen Kontaktekzem

Der nächste Diagnoseschritt ist eine sorgfältige äußere Untersuchung der Haut und Schleimhäute. Dann folgen Hauttests. Diese können aber nur durchgeführt werden, wenn die Ekzeme im Testfeld komplett ausgeheilt sind. Sonst kann es zu Reaktionen kommen, die nicht durch das Allergen ausgelöst werden. Antiallergische Medikamente können eine Reaktion verhindern, weshalb der Patient sie vor dem Test nicht mehr einnehmen sollte. Neben einigen Standard-Allergieauslösern testet der Arzt auch einige individuelle Allergene aus dem beruflichen Umfeld, die er im Verdacht hat. Wenn die Ergebnisse des Hauttests nicht eindeutig sind, kann ein Provokationstest weiterhelfen. Mit Hilfe von Hautfunktionstests prüft der Mediziner die Reaktion der Haut auf spezielle Belastungen.

Tests bei allergischen Atemwegserkrankungen

Im Recht der Berufskrankheiten werden als allergische Atemwegserkrankungen das Asthma bronchiale, der allergische Schnupfen und die exogen allergische Alveolitis begutachtet.

Auch hier führt der Arzt Haut- und Provokationstests durch und bestimmt spezifischeAntikörper (IgE), um dem Auslöser auf die Spur zu kommen. Bei einem berufsbedingten Asthma bronchiale geht es zusätzlich darum nachzuweisen, dass die Allergene tatsächlich aus dem Arbeitsumfeld stammen. Mithilfe verschiedener Methoden misst der Allergologe dann die Lungenfunktion.

So diagnostiziert er auch eine exogen allergische Alveolitis. Hierbei ist es am wichtigsten, die IgG-Antikörper zu untersuchen: Sind sie erhöht, ist das zwar ein Beweis für eine Sensibilisierung, aber nicht für eine Erkrankung. Auch in diesem Fall kann ein Provokationstest Klarheit schaffen. Hat der Arzt weiterhin Zweifel, kann er die Diagnose sichern, indem er die Lunge punktiert und eine Gewebeprobe entnimmt.

Nicht immer ist das Arbeitsumfeld schuld

Sowohl das allergische Kontaktekzem als auch das Asthma bronchiale und die exogen allergische Alveolitis können unabhängig vom Beruf entstehen. Deshalb muss der Arzt zunächst feststellen, ob die Allergenbelastung der Arbeitsstelle, dem privaten Umfeld oder der Umwelt zuzuordnen ist, und nachweisen, dass die Erkrankung auf allergischen Prozessen und nicht auf sogenannten "irritativ-toxischen Mechanismen" beruht. Denn auch der direkte Einfluss einer schädlichen Substanz kann zu ähnlichen Beschwerden führen und muss keinen allergischen Ursprung haben.

Insbesondere Hautekzeme können verschiedene Ursachen haben, daher muss der Arzt das allergische Kontaktekzem von anderen möglichen (Kontakt)-Ekzemen abgrenzen. Das gleiche gilt auch für das allergische Asthma und die allergische Alveolitis: Auch hier muss der Arzt ähnliche Krankheiten ausschließen, um seinen Patienten sinnvoll behandeln zu können.

Therapie

Bei der medikamentösen Behandlung des allergischen Kontaktekzems sind örtliche Kortisonpräparate als Lösungen, Schüttelmixturen, Lotionen, Salben oder wasserfreundliche (hydrophile) Cremes das Mittel der ersten Wahl. Die Auswahl eines geeigneten Präparats richtet sich nach dem Ort, der Schwere und dem Stadium des Ekzems.

Auch bei der exogen allergischen Alveolitis werden Glukokortikoide eingesetzt. Sie unterdrücken zwar die Entzündung des Lungengewebes, können den Langzeitverlauf der Erkrankung und Folgeschäden aber nicht beeinflussen. Bei chronischen Verlaufsformen könnten so genannte TNF-a-Inhibitoren eine Therapiemöglichkeit sein. Für deren Einsatz bei der exogen allergischen Alveolitis liegen jedoch noch nicht genügend Erfahrungen vor. Beim Asthma bronchiale werden je nach Ausprägung neben den Glukokortikoiden zahlreiche weitere Medikamente verschrieben, um die Symptome zu lindern. Dazu gehören Beta-2-Sympathomimetika, Parasympatholytika, Theophyllin, Mastzellstabilisatoren, Leukotrien-Antagonisten.

Besonders wichtig: Auslöser meiden

Am besten ist es, das entsprechende Allergen strikt zu meiden. Denn auch die konsequenteste Therapie bringt letztlich keine Linderung, wenn die auslösenden Substanzen weiter einwirken. Wer sich den Allergenen trotz Krankheitssymptomen weiter aussetzt, riskiert, dass sich die Erkrankung festsetzt und chronisch wird.

Betroffene sollten jedoch auch nicht beim ersten Verdacht auf eine Berufsallergie überstürzt ihren Job aufgeben, sondern die Symptome vom Facharzt sorgfältig und frühzeitig abklären und die Belastung am Arbeitsplatz detailliert analysieren lassen. Geeignete Schutzmaßnahmen können den meisten Betroffenen einen Berufswechsel ersparen. Dazu zählen unter anderem,

Besonders empfindliche Menschen sind stärker gefährdet

Da eine berufsbedingte Erkrankung die Existenz bedrohen kann, sollten sich junge Menschen schon im Vorfeld mit den gesundheitlichen Anforderungen im angestrebten Job auseinandersetzen. In einer Umfrage erklärten jedoch nur acht Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren, dass asthmatische oder allergische Erkrankungen ihre Berufswahl beeinflusst hätten. Die meisten interessierten sich nicht dafür, welche Risiken der Beruf für ihre Gesundheit bergen könnte.

Da es in Deutschland auch keine spezielle Eignungsuntersuchung und keine qualifizierte medizinische Jobberatung gibt, ergreifen Jugendliche immer wieder Berufe, für die sie aufgrund ihrer Konstitution nicht geeignet sind. "Vor allem in der jüngeren Generation gibt es immer mehr Menschen mit empfindlicher Haut und Schleimhaut, die auch leichter einen Heuschnupfen bekommen", sagt Dermatologieprofessor Swen Malte John. Solche Atopiker hätten ein deutlich erhöhtes Risiko, eine beruflich bedingte Hautkrankheit zu entwickeln. Atopiker sind Menschen, in deren Familien Allergien bereits aufgetreten ist und die daher erblich vorbelastet sind. "Bei einer qualifizierten medizinischen Berufsberatung müsste den wenigen Hochempfindlichen von den stark hautbelastenden Berufen wie Friseur oder Krankenschwester abgeraten werden." Entscheidender sei aber, den vielen hautempfindlichen Menschen von Anfang an zu zeigen, wie sie sich konsequent und richtig im angestrebten Beruf schützen können. Dadurch ließe sich das Risiko für entsprechende Allergien erheblich senken.

Tipps

Wie bei anderen Allergieformen auch, ist es am wichtigsten, die Auslöser, wenn man sie einmal gefunden hat, konsequent zu meiden. Daneben gibt es weitere Tipps, die Betroffenen helfen, im Alltag besser mit ihrer Erkrankung umzugehen.

Expertenrat

Die Allergie-Experten von stern.de beantworten Ihre Fragen.

Kann ich mich gegen eine Berufsallergie versichern?

Das Risiko einer Allergie lässt sich durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung finanziell abfangen. Hat sich schon eine Allergie ausgebildet, kann es sein, dass Versicherungen die Aufnahme des Betroffenen ablehnen beziehungsweise die Zustimmung einer Ausschlussvereinbarung verlangen. Der Versicherungsnehmer ist dann bei Berufsunfähigkeit aufgrund einer Allergie nicht versichert. Deshalb sollte die Versicherung schon in jungen Jahren abgeschlossen werden, wenn noch keine Krankheit aufgetreten ist. Dann sind auch die Beiträge niedriger.

Wer entscheidet, ob eine Berufskrankheit vorliegt?

Zunächst ermittelt die zuständige Berufsgenossenschaft die Arbeits- und Krankheitsvorgeschichte des Betroffenen. Ein Sachverständiger prüft, ob aus medizinischer Sicht eine Anerkennung als Berufskrankheit gegeben ist. Liegen sowohl medizinische als auch rechtliche Voraussetzungen für eine Berufskrankheit vor, entscheidet der Rentenausschuss der Berufsgenossenschaft über deren Anerkennung.

Welche Leistungen erbringen die Berufsgenossenschaften bei einer anerkannten Berufskrankheit?

Bei einer Berufskrankheit nutzen die Berufsgenossenschaften zunächst alle Möglichkeiten der Rehabilitation. Dazu gehört neben der medizinischen auch die berufliche Rehabilitation. Diese findet beispielsweise in Form von Aus-, Fort- und Weiterbildungen statt. Da bei einigen Erkrankten nur noch ein Arbeitsplatzwechsel infrage kommt, um eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit zu vermeiden, werden sie umgeschult. Für die Berufsgenossenschaften gelten die Grundsätze "Prävention vor Rehabilitation" und "Rehabilitation vor Rente".

Werden von der Berufsgenossenschaft auch Kuren bezahlt?

Nein, Kuraufenthalte gehören nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Bei einigen Berufskrankheiten sind aber regelmäßige stationäre Heilverfahren sinnvoll. Diese finden bevorzugt in berufsgenossenschaftlichen Einrichtungen statt und verlaufen ähnlich einer Kur.

Wolfgang Schillings

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