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Zusammentreffen mit Folgen

Was haben Jeansknöpfe, ein Deo und Zement gemeinsam? Sie alle enthalten Stoffe, die ein allergisches Kontaktekzem auf der Haut hervorrufen können.

  Schmuck mit Nickel löst besonders häufig eine Kontaktallergie aus

Schmuck mit Nickel löst besonders häufig eine Kontaktallergie aus

Eine Silberkette kann Spuren auf dem Dekolleté, ein Jeansknopf einen rosafarbenen Fleck auf dem Bauch hinterlassen. Sogar Euro-Münzen können rötliche, juckende Kreise verursachen - genau an der Stelle, an der die Münze in der Hand lag. Jeder Stoff, mit dem wir täglich in Berührung kommen, lässt winzige Partikel auf der Haut zurück. Reagiert der Körper allergisch auf diese Substanz, entsteht an der entsprechenden Stelle ein so genanntes Kontaktekzem. Ärzte nennen die Erkrankung auch Kontaktdermatitis, weil sich die Haut dabei entzündet. Sie ist rot, juckt und schuppt, manchmal bilden sich auch nässende Bläschen. Anschließend verkrustet oder verhornt sie. In Deutschland leiden 21 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer an einer solchen Allergie.

Immunsystem bekämpft eigentlich harmlose Stoffe

Wie bei allen allergischen Prozessen reagiert die Haut erst, wenn das Immunsystem für den Stoff sensibilisiert ist. Das bedeutet: Die Körperabwehr kennt den Stoff bereits und hat ihn als gefährlich eingestuft. Die Sensibilisierung läuft in der Regel unbemerkt ab und kann bei manchen Stoffen einige Tage, bei anderen aber Monate bis Jahre dauern. Selbst harmlose und alltägliche Gegenstände wie Münzen oder Jeansknöpfe kann das Immunsystem irrtümlich für eine Gefahr halten. Wenn es versucht, die Substanz unschädlich zu machen und aus dem Körper zu entfernen, setzt es dieselben Waffen ein, die es für gefährliche Krankheitserreger und Parasiten bereithält. Den Grund dafür haben Forscher bislang nicht hinreichend klären können.

Bei einer Kontaktallergie wehrt sich die Haut nicht sofort gegen eine bestimmte Substanz. Die Erkrankung gehört zur so genannten Allergie vom Spät-Typ, das heißt, die Reaktion tritt erst vier bis 72 Stunden später auf, meistens nach 12 bis 48 Stunden. Anders ist es zum Beispiel beim Heuschnupfen und Asthma bronchiale: Die Reaktion trifft unmittelbar ein, die Betroffenen bekommen bereits wenige Sekunden bis Minuten nach dem Kontakt mit Pollen tränende Augen oder nur noch schwer Luft.

Auslöser

Viele Substanzen können eine Kontaktallergie auslösen. Manche führen aber häufiger zu Hautproblemen als andere, zum Beispiel Nickel. Dieses Metall kommt in Modeschmuck, Reißverschlüssen und Knöpfen vor, sogar in Silber- und Goldschmuck oder Zahnkronen. Auch Chromverbindungen, die der Zementherstellung entstehen und beim Gerben eingesetzt werden, sind für viele Menschen problematisch.

Zu den Chemikalien, die oft nicht vertragen werden, zählen verschiedene Konservierungsmittel sowie Duftstoffe, Zusatzstoffe und so genannte Wollwachsalkohole, die in Kosmetika oder medizinischen Produkten eingesetzt werden. Besonders häufig leiden Friseurinnen, Maurer, Maler oder Krankenschwestern unter allergischen Kontaktekzemen, da sie aufgrund ihres Berufs mit vielen Chemikalien in Berührung kommen.

Eine Auswahl der wichtigsten Stoffe finden Sie hier.

Symptome

Ein allergisches Kontaktekzem sieht aus wie jedes andere Ekzem: Die Haut wird erst rot und schwillt an, dann juckt es, und schließlich bilden sich Bläschen oder Knötchen. Sie kann auch schuppen, nässen oder brennen. Anschließend verkrustet die Haut und bekommt an manchen Stellen tiefe Risse, die nur schlecht heilen. In den anderen Bereichen verhornt die Haut unregelmäßig.

Die Haut verändert sich nicht sofort nach dem Kontakt mit der Substanz. Vielmehr dauert es meist 12 bis 48 Stunden, bevor die ersten Zeichen zu sehen sind. Manchmal dehnt sich das Ekzem aus, befällt also auch Stellen, die keinen direkten Kontakt mit dem Allergie auslösenden Stoff hatten. Vielleicht bemerken Sie eine allergische Reaktion auch an Hautpartien, die Ihnen zunächst unlogisch vorkommen: Bei einer Allergie auf Nagellack beispielsweise können Farbstoffe oder Lösungsmittel auch auf die Lider gelangen, weil Sie sich unbewusst die Augen gerieben haben.

Oft bilden sich Kontaktekzeme an den Händen. Möglich ist die allergische Reaktion aber an jeder Stelle des Körpers, die mit dem Auslöser in Berührung kommt, auch etwa im Genitalbereich oder an behaarten Stellen, ausgelöst vielleicht von einer Salbe gegen Hautpilz oder Haarfärbemittel.

Diagnose

Der Arzt wird Ihnen zunächst einige Fragen stellen, um herauszufinden, welche Substanz Ihre Beschwerden auslöst. Er wird zum Beispiel wissen wollen, ob Sie diese Symptome schon einmal aufgetreten sind, ob Sie in den letzten Wochen mit neuen Substanzen in Berührung gekommen sind oder wann und unter welchen Umständen das Ekzem entstanden ist. So kann es sein, dass sich Ihre Beschwerden am Wochenende oder im Urlaub weniger stark ausgeprägt sind oder verschwinden - dann spricht einiges dafür, dass der Auslöser aus Ihrem Berufsumfeld stammt. Wichtig ist auch, ob andere Mitglieder Ihrer Familie Hautprobleme haben und ob Sie unter anderen Krankheiten leiden.

Da wir im Alltag mit vielen tausend Chemikalien in Berührung kommen, ist die Suche nicht ganz einfach. Sagen Sie Ihrem Arzt, mit welchen Stoffen Sie privat und beruflich regelmäßig zu tun haben. Allergie auslösende Substanzen stecken etwa in Schmuck, Kleidung, Brille oder Hörgerät, Salben, Kosmetika, Pflegeprodukte, Putzmittel, Klebstoff, Wandfarben.

Als nächstes wird der Arzt Ihre Haut untersuchen. Auch die Lage und Größe sowie das Aussehen des Ekzems können ihm wichtige Hinweise geben. Tritt das Ekzem nur an einer Hand oder an beidem Händen auf? Vielleicht am Hals oder an der Einstichstelle eines Piercings? Daneben wird er andere, ähnlich aussehende Krankheiten in Betracht ziehen und gegebenenfalls ausschließen.

Test auf dem Rücken

Hat der Arzt die Zahl der verdächtigen Substanzen eingegrenzt, kann er sie auf Ihrer Haut testen. Für den so genannten Epikutantest bekommen Sie ein Pflaster auf den Rücken geklebt. Darin sind flache Kammern mit 25 Standard-Allergieauslösern eingearbeitet. Einige weitere Kammern sind frei und werden mit jenen Substanzen bestückt, die für den Arzt als Allergene infrage kommen.

Nach zwei Tagen werden die Pflaster abgenommen und es wird überprüft, ob und welche Stellen der Haut reagiert haben. Wenn nötig, kontrolliert der Arzt die Haut am nächsten und übernächsten Tag sowie nach einer Woche erneut. Hat sich die Testreaktion verschlimmert, ist das ein Hinweis auf eine allergische Reaktion. Bleibt sie unverändert, spricht das eher für eine so genannte toxisch-irritative Hautreaktion, die durch einen giftigen Stoff ausgelöst wurde.

Durchlauf Nummer zwei: der Provokationstest

Der Epikutantest funktioniert nur, wenn Sie keine Medikamente gegen Allergien einnehmen und wenn die Haut am Rücken gesund ist. Zudem sind die Ergebnisse solcher Pflastertests nicht immer eindeutig: Ob die Haut wirklich allergisch oder nur gereizt reagiert hat, lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Im Zweifel kann Ihr Arzt noch einen Provokationstest durchführen. Hierbei bringt er die Haut mit den vermuteten Allergieauslösern direkt in Kontakt. Da der Test zum Teil sehr heftige allergische Reaktionen auslösen kann, sollte sie am besten in Anwesenheit eines Arztes durchgeführt werden, am besten in einer Klinik.

Therapie

Wenn Sie wissen, welcher Stoff Ihre Beschwerden auslöst, ist es sinnvoll, ihn konsequent zu meiden. Es ist die erfolgreichste Behandlung. Ratsam ist unter anderem, sich von allem zu trennen, worin er enthalten sein könnte: Schmuck, Pflegeprodukte, Kleidung. Ist das nicht möglich, könnten Sie sich vielleicht mit Handschuhen, Staubmasken oder anderen Maßnahmen schützen. Tritt der Stoff in Ihrer Arbeitsumgebung auf, lassen Sie sich ausführlich beraten.

Gegen das Ekzem kann Ihnen der Arzt eine Kortisonsalbe verschreiben. Kortison ähnelt dem körpereigenen Hormon Cortisol. Es unterdrückt den Juckreiz und sorgt dafür, dass sich das Ekzem zurückbildet. Die Haut heilt normalerweise innerhalb weniger Tage.

Über einen längeren Zeitraum sollten Sie eine Kortisonsalbe jedoch nicht auftragen. Sonst kann sich die Haut nicht mehr regenerieren und wird zu dünn. Falls nötig, können Sie nach einer Pause erneut mit der Behandlung starten. Nur in sehr schweren Fällen sollte der Arzt Kortisontabletten verschreiben. Wer das Medikament einnimmt, muss mit mehr und stärkeren Nebenwirkungen rechnen.

Weitere Wirkstoffe

Gegen den Juckreiz kann der Arzt eine Salbe mit dem Wirkstoff Polidocanol verschreiben. Denselben Effekt erzielen Tabletten, so genannte Antihistaminika. Allerdings haben beide Wirkstoffe Nebenwirkungen - lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.

Um die Entzündung in der geschundenen Haut zu heilen, haben sich Teersalben bewährt. Auch UV-A-Strahlen - ein natürlicher Bestandteil des Sonnenlichts - können helfen. Die Haut wird dabei mit dem Pflanzenwirkstoff Psoralen für die Lichtbehandlung sensibilisiert.

Salicylsäure oder eine Mixtur mit Harnstoff kann die dicke Hornhaut des Ekzems aufweichen und dünner werden lassen, so dass Salben an die entzündeten Hautschichten gelangen können.

Die richtige Hautpflege

Wenn Sie ein Ekzem haben und auf pflegende Cremes nicht verzichten wollen, sollten Sie eine Lotion verwenden, die viel Feuchtigkeit, aber wenig Fett enthält. Fachleute nennen solche Mischungen Öl-in-Wasser-Emulsionen. Wenn Ihre Haut zurzeit gesund ist, aber generell zu Ekzemen neigt, ist es umgekehrt: Dann ist eine möglichst fetthaltige Creme, eine Wasser-in-Öl-Emulsion zu empfehlen.

Bäder oder feuchte Umschläge mit künstlichen Gerbstoffen können bei Ekzemen ebenfalls helfen. Oder Sie probieren einmal einen Umschlag mit schwarzem Tee: Dafür ein Baumwolltuch in abgekühlten Tee tauchen, auf die Haut legen und so lange dort lassen, bis er fast angetrocknet ist. Dann erneut anfeuchten und auflegen. Die Blätter enthalten natürliche Gerbstoffe, die den Juckreiz verschwinden lassen, und sie lösen selbst so gut wie nie eine Allergie aus. Damit handeln Sie sich keine neuen Probleme ein, was bei anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen durchaus passieren kann.

Tipps

Wenn Ihre Haut auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, und Sie diese Stoffe identifizieren konnten, ist es ratsam, sie zu meiden. Daneben braucht die beanspruchte Haut viel Pflege. Wer ein paar Tipps berücksichtigt, kann diese Erkrankung im Alltag besser kontrollieren.

Expertenrat

stern.de-Allergie-Experten* beantworten Ihre Fragen:

Warum lösen manche Stoffe wie Nickel oft Allergien aus, andere wie Vaseline aber nie?

Damit ein Stoff eine Allergie auslösen kann, müssen seine Moleküle bestimmte Eigenschaften haben. Sie müssen so klein sein, dass sie die Schutzbarriere Haut passieren können. Außerdem müssen sie so genannte proteinreaktive Strukturelemente wie zum Beispiel Aldehyde besitzen: Damit können sie sich an Eiweißstoffe des Körpers anheften. Sind in einer Substanz proteinreaktive Strukturelemente vorhanden, kann sie eine Allergie in Gang setzen, das heißt, einen Sensibilisierungsprozess des Immunsystems auslösen. Vaseline enthält keine proteinreaktiven Strukturelemente und löst daher auch keine Allergien aus. Mehrere tausend Substanzen können aufgrund ihrer Struktureigenschaften als Allergen wirken. Davon spielen im Alltag etwa 400 Stoffe eine Rolle.

Wie sind die Heilungschancen beim allergischen Kontaktekzem?

Wird das Allergen konsequent gemieden, lässt eine Behandlung mit kortisonhaltiger Salbe den Juckreiz meist schnell verschwinden und die Hautveränderung vollständig abheilen. Gelegentlich kann sich ein chronisches Kontaktekzem ausprägen, das intensiv weiterbehandelt werden muss. Die einmal erworbene Überempfindlichkeit auf ein bestimmtes Allergen bleibt in der Regel lebenslang bestehen. Wird der Auslöser hundertprozentig gemieden, kann der Sensibilisierungsgrad im Laufe der Zeit abnehmen. Ist man ihm erneut ausgesetzt, kann sich schnell wieder ein Ekzem bilden.

Ich habe Neurodermitis. Muss ich damit rechnen, auch noch ein allergisches Kontaktekzem zu bekommen?

Nein. Das wurde zwar lange diskutiert, aber letztendlich sind Ärzte zu dem Schluss gekommen, dass Patienten mit einer Neurodermitis grundsätzlich kein erhöhtes Risiko haben, ein allergisches Kontaktekzem zu entwickeln. Allerdings können die therapeutischen Mittel wie Salben, die Neurodermitiker aufgrund ihrer Erkrankung einsetzen müssen, allergische Kontaktekzeme auslösen.

Was kann ich tun, um allergische Kontaktekzeme zu vermeiden?

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind nicht sensibilisiert und werden deshalb auch kein allergisches Kontaktekzem entwickeln. Für sie sind im Alltag keine besonderen vorbeugenden Maßnahmen erforderlich. Diejenigen, die sensibel auf einen Stoff reagieren, sollten künftig den Kontakt damit vermeiden, müssen aber sonst nichts unternehmen.

Es gibt hingegen einen kleinen Kreis, wahrscheinlich weniger als ein Prozent der Bevölkerung, der besonders zur Ausbildung von Allergien neigt. Es handelt sich um Polysensibilisierte, also Menschen, die schon unter drei, vier oder mehr Allergien leiden. Diese Polysensibilisierten haben ein erhöhtes Risiko, noch weitere Allergien zu erwerben. Sie reagieren häufig schon bei geringeren Konzentrationen und schwachen Allergenen.

Auch sind die Symptome bei ihnen stärker ausgeprägt, sie sind also besonders empfindlich. Beispielsweise können sie auch auf Parabene reagieren. Das sind Konservierungsstoffe, die unter anderem in Kosmetika enthalten sind. Diese Stoffe verursachen bei den meisten Menschen keinerlei Probleme. Mehrfach sensibilisierte Menschen sollten darauf achten, dass sie nur allergenfreie Produkte verwenden.

* Wissenschaftliche Beratung: Prof. Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbunds dermatologischer Kliniken (IVDK)

Forschung

Manchmal kann das eine auch gut für das andere sein: Ob Medikamente gegen Neurodermitis auch gegen Kontaktekzeme helfen, diskutiert derzeit die Fachwelt. Es handelt sich um die Wirkstoffe Tacrolimus und Pimecrolimus. Zurzeit sind diese Substanzen in Deutschland nicht für die Therapie von Kontaktekzemen zugelassen. Dennoch behandeln manche Ärzte Patienten damit, denn im Gegensatz zu Kortisonsalben machen diese Medikamente die Haut nicht dünner. Wichtig dabei ist, dass während der Therapie nicht gleichzeitig mit UV-Licht behandelt werden darf.

Die amerikanische Zulassungsbehörde für Arzneimittel, FDA, hat sich zu dieser Praxis bereits geäußert. Denn auch in den USA gibt es Dermatologen, die auf diese Neurodermitismittel schwören. Die FDA sieht das jedoch kritisch: Tacrolimus und Pimecrolimus können das Risiko für Hautkrebs und Lymphdrüsenkrebs erhöhen, das belegen zumindest Tierversuche. Ob die Substanzen auch beim Menschen Krebs auslösen können, ist noch unklar.

Wolfgang Schillings

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