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Genuss mit Reue

Etwas Apfel oder Milch genügen, und der Körper spielt verrückt: Kopfschmerzen, Erbrechen, Atemnot. Manche Betroffene erleiden sogar einen Schock. Doch nicht jede Unverträglichkeit ist eine Allergie.

  Allergiker vertragen heimische Obstsorten besser als neue Züchtungen

Allergiker vertragen heimische Obstsorten besser als neue Züchtungen

Wer sich nach dem Essen unwohl fühlt oder Bauchschmerzen hat, denkt schnell an eine Allergie. Dabei ist eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine echte Allergie weitaus seltener als angenommen, fanden Forscher der Berliner Charité heraus: In einer Befragung gaben zwar 35 Prozent der Teilnehmer an, bestimmte Nahrungsmittel nicht zu vertragen. Doch nur bei 3,7 Prozent, also etwa bei einem Zehntel der Betroffenen, konnten die Wissenschaftler eine Unverträglichkeit nachweisen. Und von denen hatten wiederum nur 2,5 Prozent eine echte Lebensmittelallergie.

Wichtig ist daher zunächst eine Begriffsklärung. Lebensmittelallergie, Lebensmittelunverträglichkeit, Pseudoallergie: Für Beschwerden, die immer wieder nach dem Verzehr einer bestimmten Speise auftreten, kursieren verschiedene Begriffe, die häufig synonym verwendet und dabei oft verwechselt werden.

Der Oberbegriff für solche Reaktionen lautet Lebensmittelunverträglichkeiten. Der Arzt klärt zunächst, ob es sich hierbei womöglich um eine Vergiftung handeln könnte. Kann er dies ausschließen, handelt es sich möglicherweise um eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) gegenüber bestimmten Lebensmitteln, die eine allergische oder eine nicht-allergische Ursache haben kann.

Echte und Pseudoallergien

Im ersten Fall handelt es sich um eine sogenannte echte Lebensmittelallergie, an der das Immunsystem beteiligt ist und von der hier die Rede sein wird. Die nicht-allergische Überempfindlichkeit wird auch Pseudoallergie genannt und an anderer Stelle besprochen. Sie löst ähnliche Beschwerden aus wie eine Allergie, das Immunsystem spielt dabei aber keine Rolle. Daneben zählen auch psychosomatische Reaktionen, die manchmal einfach durch eine gewisse Abneigung gegenüber einem Lebensmittel entstehen, Enzymdefekte wie bei der Laktoseintoleranz und die so genannte Malabsorption zu den Lebensmittelunverträglichkeiten.

Bei einer echten Allergie hat der Kontakt mit dem Auslöser den Körper irgendwann irrtümlich sensibilisiert, so dass er entsprechende Antikörper, so genanntes Immunglobulin E (IgE), gebildet hat, die sich im Blut nachweisen lassen. Bei erneutem Kontakt mit dem Nahrungsmittel treten dann lokale Beschwerden auf wie zum Beispiel Kribbeln oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum. Aber auch systemische Reaktionen wie etwa Quaddeln oder Juckreiz am Körper, Atembeschwerden, Magen-Darm-Probleme oder allgemeine Symptome wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit sind möglich. Sogar ein lebensbedrohlicher allergischer Schock kann erfolgen. Oft reichen schon geringste Mengen eines Lebensmittels aus, um die Symptome immer wieder hervorzurufen.

Kinder sind häufig betroffen

Bei Kindern gehören Lebensmittelallergien zu den häufigsten allergischen Erkrankungen. Entsprechende Reaktionen machen sich oft schon in den ersten Lebensmonaten und -jahren bemerkbar. "Das noch unreife Immunsystem ist noch dabei zu lernen, welche Eiweiße zum eigenen Körper gehören und welche schädlich sind und abgewehrt werden müssen", erklärt der Allergologe Thomas Werfel aus Hannover. "Kommen in diesem Prozess zu früh große Eiweißmoleküle ins Spiel, stuft der kindliche Darm die Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein und entwickelt dagegen eventuell IgE-Antikörper."

Bei Erwachsenen sind vor allem Pollenallergiker betroffen. Aufgrund von Kreuzreaktionen vertragen sie dann bestimmte Lebensmittel, deren Strukturen jenen von Pollen ähneln, nicht mehr. Eine behandlungsbedürftige Kreuzallergie mit stärkeren Beschwerden als dem typischen Kribbeln im Mund haben aber nur die wenigsten.

Jeder Dritte hat ein erhöhtes Allergierisiko

Die echten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien sind an die sogenannte Atopie gekoppelt. Ein Atopiker ist erblich vorbelastet: In seiner Familie sind Allergien bereits aufgetreten. Bei einer solchen Person ist das Risiko, dass sie auch eine Allergie entwickelt, höher als bei Menschen ohne eine solche Vorgeschichte. Gewöhnlich werden bei den Atopien nur Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis genannt, die Nahrungsmittelallergien aber oft vergessen.

Auslöser

Prinzipiell kann jedes Nahrungsmittel eine allergische Reaktion hervorrufen. Säuglinge und Kinder reagieren häufig auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier, Weizen und Nüsse; bei Säuglingen liegt das Kuhmilcheiweiß, bei Kleinkindern das Hühnerei an erster Stelle, gefolgt von Soja. Da die Pflanze selbst allergieauslösende Proteine enthält, eignet sich Sojamilch in diesem Alter nur bedingt als Alternative zu Kuhmilch. Bei Jugendlichen und Erwachsenen überwiegen die Allergien auf pflanzliche Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse oder Nüsse. Außerdem spielen Kreuzreaktionen bei Pollenallergie oder bei einer Latexallergie zu bestimmten Obst- und Gemüsesorten eine wichtige Rolle. Eine detaillierte Übersicht finden Sie hier.

Das Kochen, Braten, Backen oder Rösten vieler dieser Lebensmittel hilft oft leider nicht. Die Allergene bleiben trotz der Hitze stabil und können zum Teil starke Beschwerden auslösen, manchmal schon in geringsten Spuren, etwa bei einer Erdnussallergie.

Ernährungsgewohnheiten und Allergien

Im Grunde kann jedes eigentlich harmlose Lebensmittel die Entstehung einer Allergie begünstigen, wenn es im Übermaß verzehrt wird. Reis zum Beispiel verursacht in Asien viel häufiger Allergien als in Europa, obwohl er gar nicht zu den typischen Lebensmittelallergenen zählt. Er wird dort schon sehr früh und ausgiebig konsumiert.

Eine Fischallergie ist vor allem in Mittelmeerländern wie Spanien ein Problem. In Deutschland gibt es neuerdings heftige Reaktionen auf Sojaprodukte bei erwachsenen Pollenallergikern. Die potenziell gefährliche Erdnussallergie wiederum kommt in Deutschland relativ selten vor – anders als etwa in den USA. Dies könnte sich bei zunehmendem Konsum aber ändern, befürchtet Allergologe Werfel: "Wir haben ein wenig Sorge, dass die Erdnussallergie auch in Deutschland zunehmen könnte. Insbesondere Familien mit Allergierisiko sollte man ans Herz legen, ihren Kindern vor dem vierten Lebensjahr keine Erdnussbutter und möglichst auch keine anderen erdnusshaltigen Produkte zu geben."

Eine Fischallergie ist vor allem in Mittelmeerländern wie Spanien ein Problem. In Deutschland gibt es neuerdings heftige Reaktionen auf Sojaprodukte bei erwachsenen Pollenallergikern. Die potenziell gefährliche Erdnussallergie wiederum kommt in Deutschland relativ selten vor – anders als etwa in den USA. Dies könnte sich bei zunehmendem Konsum aber ändern, befürchtet Allergologe Werfel: "Wir haben ein wenig Sorge, dass die Erdnussallergie auch in Deutschland zunehmen könnte. Insbesondere Familien mit Allergierisiko sollte man ans Herz legen, ihren Kindern vor dem vierten Lebensjahr keine Erdnussbutter und möglichst auch keine anderen erdnusshaltigen Produkte zu geben."

Symptome

Eine Nahrungsmittelallergie kann sich auf viele Arten äußern und Reaktionen am gesamten Körper auslösen. Am häufigsten sind Haut und Schleimhäute, gelegentlich auch die Atemwege betroffen. Oft reagieren die Patienten an mehreren Organsystemen gleichzeitig. So können sie unter Quaddeln auf der Haut, unter Erbrechen und Schwindel oder Kollaps leiden. Typisch ist die Kombination aus Atemnot oder asthmatischen Beschwerden und Quaddeln.

Ein Spezialfall sind die allergischen Symptome bei Pollenallergikern, die im Rahmen ihres saisonalen Heuschnupfens oder Asthmas auch mit verwandten Nahrungsmitteln reagieren. Häufig sind dies Kreuzreaktionen, etwa zwischen Baumpollen und Kern- oder Steinobst. Deren Beschwerden unterscheiden sich von den klassischen Nahrungsmittelallergien und sind meist auf den Mundraum beschränkt.

Die einzelnen Beschwerden im Überblick:

Haut

Atemwege

  • Fließschnupfen und Bindehautreizung
  • Husten
  • Asthmabeschwerden
  • Anschwellen der Kehlkopfschleimhaut mit akuter Atemnot

Allgemeine Beschwerden

Herz-Kreislauf-Beschwerden

Magen-Darm-Trakt

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall
  • Koliken
  • Blähungen oder Verstopfung
  • Gewichtsverlust

Orales Allergiesyndrom bei Pollenallergie

  • Leichtes Kribbeln bis Brennen im Mund
  • Schwellung der Zunge
  • Taubheit und Schwellung der Lippen
  • Selten: Schwellungen im Kehlkopfbereich mit akuter Atemnot

Die meisten Lebensmittelallergene lösen sehr schnell eine Reaktion aus. Die Symptome machen sich in der Regel innerhalb weniger Minuten, spätestens aber zwei Stunden nach dem Verzehr der jeweiligen Lebensmittel bemerkbar. Seltener sind Spätreaktionen, die 24 Stunden nach Verzehr auftreten. Bei einer Neurodermitis, die durch eine Lebensmittelallergie mitbedingt oder verschlechtert wird, verschlimmern sich die Symptome typischerweise über Nacht.

Diagnose

Die Suche nach möglichen Auslösern erfordert viel Geduld. Welche Speisenüberhaupt in Frage kommen, lässt sich mithilfe einer guter Selbstbeobachtung und eines ausführlichen Gesprächs mit einem Arzt eingrenzen. Tatsächlich suchen aber nur wenige Menschen einen Allergologen auf, um abklären zu lassen, ob sie an einer Nahrungsmittelallergie leiden – obwohl viele es vermuten.

Am leichtesten ist die Zuordnung von Auslöser zu Symptom bei allergischen Sofortreaktionen, die meist innerhalb weniger Minuten auftreten. Spätreaktionen sind schwerer zu erfassen. Dazu zählt zum Beispiel die Verschlechterung der Haut bei einer Neurodermitis, daher denken viele Betroffene, Eltern oder Ärzte gar nicht daran, dass bestimmte Speisen die Beschwerden verstärken könnten. Gleichzeitig ist die Vermutung, dass ein Nahrungsmittel wie Kuhmilch an der Neurodermitis beteiligt ist, meist nicht richtig. Vor allem bei verzögerten Reaktionen ist ein Ernährungstagebuch, das für mehrere Wochen geführt wird, oft hilfreich, um Zusammenhänge zu erkennen.

Haut- und Bluttests

Bei Verdacht auf eine echte Nahrungsmittelallergie prüft der Arzt, ob der Patient gegen bestimmte Nahrungsmittel bereits Antikörper gebildet hat. Unter den zahlreichen Methoden können zur Zeit nur zwei Allergietests empfohlen werden: die Messung der spezifischen IgE-Antikörper im Blut und der Pricktest, bei dem verdächtige Lebensmittelallergene in sehr geringer Dosis in die Haut gegeben werden, wo sie eine typische Rötung und Quaddelbildung verursachen.

Leider gibt es noch kein Testverfahren, das alleine zuverlässig genug wäre, um eine Nahrungsmittelallergie eindeutig zu belegen. Auch die beiden bewährten Methoden reichen meist nicht aus, um die Diagnose zu sichern. Sie grenzen zunächst einmal nur die möglichen allergieauslösenden Nahrungsmittel ein, gegen die der Patient sensibilisiert ist. Es folgt eine Auslassungsdiät: Nach Rücksprache mit dem Arzt oder Ernährungsberater wird probehalber für ein bis vier Wochen auf die vermutlichen Auslöser verzichtet. Gehen die Beschwerden in dieser Zeit zurück, wird der Speiseplan langsam um einige Lebensmittel erweitert. Die Diagnostik ähnelt einem Detektivspiel: Es können Wochen oder Monate vergehen, bis eindeutig feststeht, welche Nahrungsmittel die Allergie hervorrufen.

Den endgültigen Nachweis für eine spezielle Nahrungsmittelallergie liefert erst ein Provokationstest nach der Auslassungsdiät. Hier werden die Beschwerden gezielt durch das verdächtige Nahrungsmittel ausgelöst. Je nach Schwere der Allergie wird dieser Test in der Praxis oder Klinik unter Notfallbereitschaft durchgeführt. Ein großer Fehler in der Diagnostik ist es, aufgrund eines positiven IgE-Tests oder eines positiven Pricktests gegen ein Lebensmittel eine Diät einzuleiten: "Die Rate derjenigen, die aufgrund falsch positiver Testergebnisse als Kuhmilchallergiker durchs Leben gehen, ist vermutlich viel zu hoch", schätzt der Allergologe Thomas Werfel.

In der Diskussion ist immer wieder auch die Bestimmung von Bestimmung von IgG-Antikörpern zum Nachweis einer Nahrungsmittelallergie. Diese Untersuchungen werden von zahlreichen Labors als Privatleistung angeboten, sind aber nicht geeignet, um eine praktisch relevante Nahrungsmittelallergie nachzuweisen. Für die Patienten entstehen Kosten von etwa mehreren hundert Euro.

Andere Ursachen für eine Unverträglichkeit

Nicht jede Reaktion auf ein Nahrungsmittel ist eine Allergie. Es kann auch schlicht um eine vorübergehende Unverträglichkeit handeln. Auch sind gar nicht so selten verdorbene Lebensmittel für die vermeintlich allergischen Beschwerden verantwortlich. Schließlich kann auch eine andere Erkrankung wie ein anhaltender Magen-Darm-Infekt zu der Vermutung führen, fortan an einer Allergie gegen einen bestimmten Stoff zu leiden. Aber auch wenn man einfach zu viel von einem Nahrungsmittel verzehrt hat, rebelliert der Körper - ähnlich wie bei einer Nebenwirkung auf bestimmte Medikamente, die sich bei einer zu hohen Dosis einstellt. Sehr häufig ist zum Beispiel ein Hautausschlag nach exzessivem Genuss von Zitrusfrüchten. Dosisabhängig können empfindliche Menschen nach einem Restaurantbesuch beim Chinesen auch auf den Geschmacksverstärker Glutamat reagieren (sogenanntes Chinese-Food-Syndrom). Sehr häufig werden Unverträglichkeiten auf Lebensmittelzusatzstoffe oder auf biogene Amine wie das Histamin als Lebensmittelallergie eingestuft. Die Abgrenzung dieser Pseudoallergie zur echten Nahrungsmittelallergie ist sehr schwierig, da bei ihnen alle Allergietests unauffällig bleiben.

Bei chronischen, immer wiederkehrenden Beschwerden muss man auch noch an chronisch-entzündliche Darmerkrankungen denken (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). Bei Kindern kann auch eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder eine schlechte Aufnahme von Fruchtzucker über den Darm (Fruktosemalabsorbtion) die Probleme verursachen.

Therapie

Die beste Therapie ist Verzicht. Sobald feststeht, gegen welches Nahrungsmittel eine Allergie vorliegt, sollte es vom Speiseplan gestrichen werden. Das ist aber nicht immer in aller Konsequenz notwendig. Grundsätzlich gilt aber, dass alle Lebensmittel erlaubt sind, so lange sie gut vertragen werden - auch wenn Haut- und Bluttests positiv sind. Pollenallergiker etwa, die auch auf Stein- oder Kernobst mit leichten Symptomen reagieren wie Juckreiz auf der Zunge oder im Rachen, können diese weiterhin essen.

Nur wenn bestimmte Nahrungsmittel bedrohliche Symptome auslösen, etwa starke Atemnot, Kreislaufbeschwerden oder ein Anschwellen der Kehlkopfschleimhaut, sollten die Nahrungsmittel konsequent gemieden werden. Besonders häufig ist das bei stark allergen wirkenden Nahrungsmitteln wie Nüssen, Erdnüssen, Fisch, Milch, Sellerie, Soja und Sesam.

Ernährungsberatung vom Profi

Vorsicht vor pauschalen Diäten, die Nahrungsmittelallergien angeblich "heilen" sollen. Bislang liegen keine Studien vor, die dies belegen. Eine Diätberatung ist sinnvoll, da sowohl das Aufspüren der Auslöser als auch das Meiden der Lebensmittel detektivischen Spürsinn erfordern. Oft ist nicht ersichtlich, in welchen Produkten welche Lebensmittelallergene stecken. Besonders wichtig ist eine kompetente Ernährungsberatung vor allem bei Kindern oder wenn Betroffene gegen mehrere Lebensmittel allergisch sind.

Kinder werden oft auf Pauschaldiäten gesetzt, vor allem wenn sie an Neurodermitis leiden. Nahrungsmittel müssen nur dann vom Speiseplan gestrichen werden, wenn sie tatsächlich Neurodermitisschübe auslösen. Dies sollte der Arzt testen. Bislang wurde in keiner Studie nachgewiesen, dass Nahrungsmittel wie Schweinefleisch, Tomaten, Zucker oder alle tierischen Eiweiße für Neurodermitis verantwortlich wären. Wenn Kinder mit Neurodermitis reagieren, dann meist auf Hühner- oder Milcheiweiß, Weizen und Sojabohnen. Da diese allergischen Reaktionen aber oft bis zum Grundschulalter wieder verschwinden, sollte der Arzt die Überempfindlichkeit bei Kindern alle ein bis zwei Jahre kontrollieren. Bei Erwachsenen spielen meist Kreuzreaktionen von Pollenallergien (zum Beispiel auf Birkenpollen) eine Rolle, dann kann der Verzehr von Steinobst oder von Nüssen einen Neurodermitisschub verursachen.

Medikamente und Immuntherapie

Kommt es nach dem Verzehr von Lebensmitteln zu leichten Symptomen wie einer allgemeinen Hautrötung mit Juckreiz, zu allergischem Schnupfen oder zu Hautquaddeln, kann ein schnell wirkendes Antihistaminikum eingesetzt werden. Bei Asthma und Atemnot helfen schnell wirkende, bronchienerweiternde Inhalationssprays.

Bei Nahrungsmittelallergien, die durch Kreuzreaktionen hervorgerufen wurden, kann die sogenannte spezifische Immuntherapie wirksam sein. Gute Studienergebnisse gibt es für Apfel- und Haselnussallergie bei Pollenallergikern: Durch die Hyposensibilisierung gegen Pollen konnte ein Teil der Patienten mehr Apfel essen, ihre Toleranzschwelle war also erhöht.

Tipps

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind längst nicht immer allergische Reaktionen im Spiel. Wer bestimmte Lebensmittel nicht verträgt, kann möglicherweise auch auf bestimmte Zusatzstoffe oder Abbauprodukte von Aminosäuren reagieren. Es kann ein Enzymdefekt vorliegen, der verhindert, dass die Nahrung richtig verdaut wird, oder es können Beschwerden auftreten, die allein darauf beruhen, dass eine starke Abneigung gegen eine Speise vorhanden ist. Vielfältige Ursachen erfordern vielfältige Gegenmaßnahmen. Eine Reihe von Tipps kann das Leben mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten erleichtern.

Expertenrat

Die Allergie-Experten von stern.de beantworten Ihre Fragen:

Warum haben Kinder besonders häufig eine Lebensmittelallergie?

Werden der Darm und das Immunsystem von Kindern relativ früh mit fremden Eiweißen konfrontiert, kann sich bei vorbelasteten Kindern eine Allergie entwickeln. Das noch unreife Immunsystem ist gerade dabei zu lernen, welche Eiweiße zum eigenen Körper gehören und welche schädlich sind und abgewehrt werden müssen. Kommen in diesem Prozess zu früh große Eiweißmoleküle ins Spiel, stuft der kindliche Darm die Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein und entwickelt dagegen eventuell IgE-Antikörper.

Kann eine Lebensmittelallergie wieder verschwinden?

Ja, vor allem bei Kindern geschieht das häufig. Aus verschiedenen Studien weiß man, dass ein großer Teil der Kinder, die als Säugling auf Kuhmilcheiweiß allergisch reagierten, diese Empfindlichkeit nach wenigen Jahren wieder verlieren. Deshalb sollte alle ein bis zwei Jahre der Kinderarzt eine bestehende Allergie kontrollieren. Bei den meisten Kindern bilden sich Nahrungsmittelallergien bis zum Schulalter wieder zurück. Eine Forschergruppe aus Wien behauptet, dass ältere Menschen wieder erneut ein erhöhtes Risiko haben, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln. Die Wissenschaftler erklären das Phänomen damit, dass die Verdauung der Eiweiße im Alter wieder schlechter wird. Dadurch werden unverdaute Eiweißmoleküle über die Lymphe in den Blutkreislauf aufgenommen und kommen mit dem Immunsystem in Kontakt. Eine ähnliche Situation wie bei den Kindern: Allergiegefährdete Menschen (Atopiker) könnten wieder neue Antikörper gegen bestimmte Nahrungsmittel bilden. Diese Hypothese ist aber noch nicht ausreichend bewiesen.

Welche Bedingungen verstärken die Allergiebeschwerden?

Wie stark die allergische Reaktion ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählt die Art des Allergens. Besonders aggressive Allergieauslöser sind zum Beispiel Fischeiweiß, Erdnüsse und Sellerie. Aber auch die Menge spielt eine wichtige Rolle. Und manche Lebensmittel verlieren ihre allergene Wirkung, wenn sie zubereitet werden. Co-Faktoren wie körperliche Anstrengung oder Alkohol können in manchen Fällen eine allergische Reaktion fördern. Inwieweit die Psyche bei Nahrungsmittelallergien eine Rolle spielt, ist noch nicht geklärt. Fest steht, dass chronische Entzündungen, zu denen man eine Allergie im weitesten Sinne auch zählen kann, durch lang andauernden Stress verstärkt werden. Aber es gibt keine typische Stresspersönlichkeit, die eine besondere Anfälligkeit für Allergien besitzt.

Einflussfaktoren bei Nahrungsmittelallergien sind:

  • Die Stärke des Allergens
  • Die Häufigkeit und Menge des Allergens
  • Die Zubereitungsart (roh, gekocht, gebacken)
  • Infekte
  • Sport
  • Stress
  • Alkohol
  • Aspirin oder andere Medikamente
  • Bei Pollenallergikern während der Saison eventuell psychische Faktoren

Brauche ich bei einer Lebensmittelallergie ein Notfallset?

Wenn Sie schon einmal sehr schwer auf ein Nahrungsmittel reagierten, also unter Kreislaufbeschwerden, Atemnot, Schwindel oder sogar einem anaphylaktischen Schock gelitten haben, sollten Sie immer ein Notfallset bei sich haben und vor allem auch zu Essen außer Haus mitnehmen. Zum Notfallset gehören ein Kortison, Antihistaminika und eine Fertigspritze, mit der Sie das Notfallmedikament Adrenalin selbst direkt unter die Haut in den Muskel spritzen können. Ihr Arzt sollte Ihnen mögliche Frühsymptome einer schweren allergischen Reaktion und die genaue Handhabung erklären.

Vertrage ich bei einer Milcheiweißallergie auch Milchzucker und Milchsäure?

Bei einer Milcheiweißallergie reagiert das Immunsystem nur auf ein oder mehrere Eiweiße aus der Kuhmilch. Sowohl Milchzucker als auch Milchsäure sind in der Regel gut verträglich. Milchzucker (Laktose) ist das Kohlenhydrat der Milch, er wird bei der Herstellung von Medikamenten und in der Lebensmittelindustrie verwendet und von den Eiweißbestandteilen getrennt. Nur bei einer sehr ausgeprägten Allergie gegen Milcheiweiß ist Vorsicht geboten. Die Milchsäure (Laktat) hat im eigentlichen Sinne nichts mit der Milch zu tun und ist deshalb für Milcheiweißallergiker unbedenklich. In der Lebensmittelindustrie entsteht aus Kartoffel- oder Getreidestärke mit Hilfe eines Enzyms Maltose, danach vergärt das Abbauprodukt mit Hilfe von Milchsäure-Bakterienkulturen zur Milchsäure.

Yamina Merabet, Sonja Helms

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