Genuss mit Reue

Etwas Apfel oder Milch genügen, und der Körper spielt verrückt: Kopfschmerzen, Erbrechen, Atemnot. Manche Betroffene erleiden sogar einen Schock. Doch nicht jede Unverträglichkeit ist eine Allergie.

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Allergiker vertragen heimische Obstsorten besser als neue Züchtungen©

Wer sich nach dem Essen unwohl fühlt oder Bauchschmerzen hat, denkt schnell an eine Allergie. Dabei ist eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine echte Allergie weitaus seltener als angenommen, fanden Forscher der Berliner Charité heraus: In einer Befragung gaben zwar 35 Prozent der Teilnehmer an, bestimmte Nahrungsmittel nicht zu vertragen. Doch nur bei 3,7 Prozent, also etwa bei einem Zehntel der Betroffenen, konnten die Wissenschaftler eine Unverträglichkeit nachweisen. Und von denen hatten wiederum nur 2,5 Prozent eine echte Lebensmittelallergie.

Wichtig ist daher zunächst eine Begriffsklärung. Lebensmittelallergie, Lebensmittelunverträglichkeit, Pseudoallergie: Für Beschwerden, die immer wieder nach dem Verzehr einer bestimmten Speise auftreten, kursieren verschiedene Begriffe, die häufig synonym verwendet und dabei oft verwechselt werden.

Der Oberbegriff für solche Reaktionen lautet Lebensmittelunverträglichkeiten. Der Arzt klärt zunächst, ob es sich hierbei womöglich um eine Vergiftung handeln könnte. Kann er dies ausschließen, handelt es sich möglicherweise um eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) gegenüber bestimmten Lebensmitteln, die eine allergische oder eine nicht-allergische Ursache haben kann.

Echte und Pseudoallergien

Im ersten Fall handelt es sich um eine sogenannte echte Lebensmittelallergie, an der das Immunsystem beteiligt ist und von der hier die Rede sein wird. Die nicht-allergische Überempfindlichkeit wird auch Pseudoallergie genannt und an anderer Stelle besprochen. Sie löst ähnliche Beschwerden aus wie eine Allergie, das Immunsystem spielt dabei aber keine Rolle. Daneben zählen auch psychosomatische Reaktionen, die manchmal einfach durch eine gewisse Abneigung gegenüber einem Lebensmittel entstehen, Enzymdefekte wie bei der Laktoseintoleranz und die so genannte Malabsorption zu den Lebensmittelunverträglichkeiten.

Bei einer echten Allergie hat der Kontakt mit dem Auslöser den Körper irgendwann irrtümlich sensibilisiert, so dass er entsprechende Antikörper, so genanntes Immunglobulin E (IgE), gebildet hat, die sich im Blut nachweisen lassen. Bei erneutem Kontakt mit dem Nahrungsmittel treten dann lokale Beschwerden auf wie zum Beispiel Kribbeln oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum. Aber auch systemische Reaktionen wie etwa Quaddeln oder Juckreiz am Körper, Atembeschwerden, Magen-Darm-Probleme oder allgemeine Symptome wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit sind möglich. Sogar ein lebensbedrohlicher allergischer Schock kann erfolgen. Oft reichen schon geringste Mengen eines Lebensmittels aus, um die Symptome immer wieder hervorzurufen.

Kinder sind häufig betroffen

Bei Kindern gehören Lebensmittelallergien zu den häufigsten allergischen Erkrankungen. Entsprechende Reaktionen machen sich oft schon in den ersten Lebensmonaten und -jahren bemerkbar. "Das noch unreife Immunsystem ist noch dabei zu lernen, welche Eiweiße zum eigenen Körper gehören und welche schädlich sind und abgewehrt werden müssen", erklärt der Allergologe Thomas Werfel aus Hannover. "Kommen in diesem Prozess zu früh große Eiweißmoleküle ins Spiel, stuft der kindliche Darm die Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein und entwickelt dagegen eventuell IgE-Antikörper."

Bei Erwachsenen sind vor allem Pollenallergiker betroffen. Aufgrund von Kreuzreaktionen vertragen sie dann bestimmte Lebensmittel, deren Strukturen jenen von Pollen ähneln, nicht mehr. Eine behandlungsbedürftige Kreuzallergie mit stärkeren Beschwerden als dem typischen Kribbeln im Mund haben aber nur die wenigsten.

Jeder Dritte hat ein erhöhtes Allergierisiko

Die echten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien sind an die sogenannte Atopie gekoppelt. Ein Atopiker ist erblich vorbelastet: In seiner Familie sind Allergien bereits aufgetreten. Bei einer solchen Person ist das Risiko, dass sie auch eine Allergie entwickelt, höher als bei Menschen ohne eine solche Vorgeschichte. Gewöhnlich werden bei den Atopien nur Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis genannt, die Nahrungsmittelallergien aber oft vergessen.

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