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Das Kreuz mit den Allergien

Auf den ersten Blick haben Eichen und Erdbeeren wenig gemeinsam. Doch wer auf die Pollen des einen allergisch reagiert, sollte auch mit dem anderen vorsichtig sein. Kreuzallergien lautet das Stichwort.

Von Svenja Schierer

"Ein Biss in eine Karotte und schon sind meine Augen zugequollen. Einen Tag lang konnte ich kaum was sehen." Nicht zum ersten Mal hat ein Nahrungsmittel Frank, 35, außer Gefecht gesetzt. Und das, obwohl sein Körper eigentlich etwas ganz anderes für den Feind hält: Pollen.

Seit früher Kindheit leidet Frank unter Heuschnupfen: von Anfang Februar bis in den späten Oktober hinein kämpft er mit Niesanfällen, seine Augen sind gerötet und jucken. Er ist damit einer von geschätzten zwölf Millionen Betroffenen in Deutschland - und wie 70 Prozent aller Birkenpollenallergiker leidet Frank zusätzlich unter so genannten Kreuzallergien. Sein Immunsystem reagiert nicht nur allergisch auf Pollen, sondern auch auf die unterschiedlichsten Lebensmittel. Diese gleichzeitige Reaktion nennt man pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie (pNMA). Die pNMA sind die Nummer eins der Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen.

Keine Chance für Äpfel und Birnen

Äpfel, Birnen, Karotten, Pfeffer, Zimt, Curry, Haselnüsse und Erdnüsse - das ist nur eine kleine Auswahl der Lebensmittel, die den Körper eines Kreuzallergikers in Alarmzustand versetzen können. Wer gegen Birkenpollen allergisch ist, reagiert besonders häufig auf Mandeln, Pfirsiche oder Himbeeren. Der Grund dafür ist die Ähnlichkeit der allergie-auslösenden Eiweiße: Der Körper kann sie nicht unterscheiden.

Die Lebensmittel verursachen nicht unbedingt dieselben Symptome aus wie die Pollen. Es ist keine Seltenheit, dass ein Allergiker etwa von Gräserpollen tränende Augen bekommt und von Tomaten Magenschmerzen. Einige Lebensmittel können sogar einen anaphylaktischer Schock auslösen, der im Extremfall zum Tod führen kann.

Überraschungen inklusive

Hätte Frank damals die Karotte gekocht gegessen, wären ihm die zugequollenen Augen erspart geblieben. Beim Erhitzen wird der allergene Bestandteil nämlich zerstört - das Gemüse wird für den Allergiker verträglich. Teilweise oder sogar ganz zerstört werden die allergenen Stoffe im Obst oder Gemüse auch, wenn man es mindestens zwei Wochen lang einfriert. Bei Sellerie funktioniert dieser Trick jedoch nicht.

Überraschungen wie Frank mit seiner Karotte erleben Kreuzallergiker immer wieder - sie können sich nie ganz sicher sein, wogegen sie allergisch sind. Macadamia-Nüsse beispielsweise stehen nicht explizit auf der Liste der Nahrungsmittel, die Birkenpollenallergiker nicht essen sollten. Dennoch hat Frank auch mit dieser Nusssorte schlechte Erfahrungen gemacht. "Ich hab' eine Packung Macadamia-Nüsse gegessen, und plötzlich ist mein linkes Auge zu geschwollen und ganz gelb geworden."

Horror-Besuch im Restaurant

Auch Alena, 23, muss um etliche Lebensmittel einen großen Bogen machen: Erdbeeren, Himbeeren, Äpfel, Erdnüsse, Birnen, Pfirsiche und Kirschen sind nur einige wenige Beispiele. Auf die meisten Nahrungsmittel auf ihrer "Verbot-Liste" reagiert sie sofort nach dem Essen: bei Obst mit einer dicken Lippe, Bläschen und angeschwollenem Hals.

Ein Restaurantbesuch artet für Alena oft in ein Frage-und-Antwort-Spiel mit dem Kellner aus. "Sind in dem Salat auch Äpfel?" - "Ja, aber die können wir weglassen" - "Wie sieht es mit Nüssen in dem Salat aus?" - "Auch die können wir weglassen."- "Wie sieht es mit Karotten und Sellerie aus?" - "Ok, Sie wollen also einen grünen Salat ohne alles?", kommt dann oft die verstörte Antwort des Servicepersonals. Von Wollen kann bei Alena keine Rede sein, aber oft genug endet die Diskussion damit, dass sie entnervt ein Stück Fleisch mit gekochtem Gemüse bestellt. Zumindest das kann sie ja beruhigt essen.

Alle Mittel halfen nichts

"An die 70 Allergien habe ich insgesamt, und es werden immer noch mehr", erzählt sie. Sie hat schon alles Mögliche versucht, um den Heuschnupfen zu lindern: Homöopathie, Kinesiologie, Bio-Resonanz, Akupunktur, Akupressur und Allergie-Diäten. "Meine Eltern haben schon ein Vermögen dafür ausgegeben, das wenigste wird schließlich von den Krankenkassen bezahlt." Geholfen hat es jedoch nichts davon. Mittlerweile hat Alena die Hoffnung auf ein Heilmittel aufgegeben und will nur noch die Symptome bekämpfen.

Mit Antihistaminika in Form von Tabletten, Nasensprays und Augentropfen nimmt sie den Kampf gegen den Heuschnupfen auf. Gegen Lebensmittelallergien aber gibt es keine Medikamente - es reicht, wenn man die betroffenen Lebensmittel einfach nicht isst. Für einen Nicht-Allergiker mag sich das einfach anhören. Aber nicht jeder Allergie-Auslöser lässt sich so leicht meiden wie Franks rohe Möhren. Für Alena gehört die Lektüre der Zutatenlisten auf den Lebensmittel-Verpackungen inzwischen zu jedem Einkauf dazu. "Kann Spuren von Erdnüssen enthalten" - dieser Satz sagt Alena: Wieder ein Produkt mehr, das sie nicht essen darf.

Primäre Allergiemögliche Kreuzallergien/Nahrungsmittelallergien
BirkePollen: Hasel, Erle, Eiche, Buche, Esche, Sellerie/Beifuß
Nahrungsmittel: Mandeln, Karotten, Nüsse (v.a. Haselnüsse, Walnüsse)
Frischobst wie Kernobst und Steinobst: Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Aprikosen, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Zwetschgen, Kirschen
BeifußPollen: Korbblütler wie Chrysanthemen/Margeriten, Birke, Löwenzahn, Kamille, Sonnenblume, Traubenkraut
Nahrungsmittel: Sellerie, Karotte, Kartoffeln, Kiwi, Gurke, Melone, Artischocke, Tomate, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Litschi
Gewürze: Anis, Coriander, Curry, Chili, Estragon, Zimt, Ingwer, Kümmel, Muskatnuss, Paprika, Petersilie, Pfeffer, Wermut, Dill, Fenchel, Liebstöckel
Kräuter: Basilikum, Mayoran, Oregano,Thymian
GräserPollen: Ruchgras, Wiesenlieschgras, Knäuelgras, Raygras
Nahrungsmittel: Kartoffeln (roh), Soja, Erdnüsse, Erbsen, Kiwi, Tomate, Melone

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