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Stern Logo Ratgeber Allergie - Therapie

Ergänzende Therapiemaßnahmen im Überblick

Menschen interessieren sich für ganzheitlich orientierte Therapien, oft weil sie chronisch krank sind und fürchten, dass Medikamente Nebenwirkungen haben. stern.de zeigt, was sinnvoll ist.

  Akupunktur kann bei einer Allergie die schulmedizinische Behandlung ergänzen

Akupunktur kann bei einer Allergie die schulmedizinische Behandlung ergänzen

Auch wenn das Interesse an alternativen Heilverfahren ungebrochen ist: Die wenigsten dieser Therapien halten einer strengen wissenschaftlichen Überprüfung stand. Bei 25 bis 40 Prozent der untersuchten Methoden liegt nur ein Placeboeffekt vor. Das heißt in etwa: Eine Wirkung ist nicht auf die Methode selbst zurückzuführen, sondern auf andere Einflüsse während der Behandlung. Das kann eine entsprechende Erwartungshaltung sein oder die Hoffnung, dass es funktioniert. Als Placebos bezeichnet man in klinischen Studien Testsubstanzen ohne Wirkstoff.

Manche Verfahren jedoch sind gut erprobt und können die schulmedizinische Behandlung ergänzen – wenn auch nicht ersetzen.

Zu den anerkannten und sinnvollen Verfahren gehören unter anderem:

Als bislang nicht anerkannt gelten folgende Heilverfahren:

  • Homöopathie
  • Bioresonanztherapie
  • Kinesiologie
  • Auslassdiät
  • Darmsanierung
  • Pendeln
  • Elektroakupunktur
  • Eigenblut- und Eigenurintherapie
  • Autohomologe Immuntherapie
  • Bachblütentherapie
  • Sauerstoff-, Ozon- und Zelltherapie
  • Haarmineralstoffanalyse
  • Irisdiagnostik
  • Geistheilen
  • Handauflegen

Auf den folgenden Seiten werden einige dieser Methoden vorgestellt.

Atemtherapie, Klimatherapie, Balneotherapie (Heilbäder), Phytotherapie

Atemtherapie

In Deutschland zählt die Atemtherapie zu den nichtmedikamentösen Maßnahmen. Die Studienlage ist nicht ganz eindeutig und es gibt nicht genügend Arbeiten, die zweifellos die Wirksamkeit dieser Maßnahme belegen. Doch einige Arbeiten zeigen, dass dieser Ansatz hilfreich sein und Linderung bringen kann. Experten empfehlen sie oft als Hilfe zur Selbsthilfe, zusätzlich zu weiteren physiotherapeutischen Maßnahmen. Denn bei einer Atemschulung bekommt ein Asthmatiker Techniken und Entspannungsübungen beigebracht, die ihm dabei helfen, besser mit seinen Asthmaanfällen umzugehen. Er lernt, Notfallmedikamente richtig einzusetzen und im akuten Fall Ruhe zu bewahren. Die Übungen stärken das Zwerchfell und können das Lungenvolumen verbessern. Der Patient atmet ruhiger und ökonomischer. Bei vielen Patienten wirkt sich die Atemtherapie auch positiv auf die Lebensqualität aus.

Klimatherapie

Von dem Reizklima an der Nordsee, am Mittelmeer, am Toten Meer oder im Hochgebirge profitieren viele Allergiker. Die reine, allergenarme Luft an der See und im Gebirge bekommt etwa Patienten mit allergischem Asthma, Pollen- oder Hausstaubmilbenallergie. Aufgrund des hohen Salzgehaltes in der Luft und im Wasser bessern sich die Symptome auch bei Menschen mit Neurodermitis.

Balneotherapie (Heilbäder)

Ähnlich wie die Klimatherapie (siehe oben) hat die Balneotherapie eine lange Tradition und lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Oft werden beide Methoden miteinander kombiniert. Heilende Bäder kommen für viele Erkrankungen infrage, unter anderem auch für allergische wie Heuschnupfen oder Neurodermitis. Das Wasser, mit dem die Betroffenen behandelt werden, enthält Inhaltsstoffe wie Salz, Jod, Sulfat, Schwefel, Heilerde oder Moor in unterschiedlichen Konzentrationen und kann warm oder kalt sein. Möglich sind Voll- und Teilbäder, manchmal auch Trinkkuren.

Auch Kneipp’sche Verfahren, Sauna und Wechselduschen können Betroffenen Linderung bringen.

Phytotherapie

Eindeutig belegt ist die Wirkung eines pflanzlichen Wirkstoffes beim allergischen Schnupfen: Eine aktuelle klinische Studie wies nach, dass Tabletten mit dem Pflanzenextrakt der Pestwurzpflanze bei Pollenallergikern genauso gut wirken wie ein Antihistaminikum.

Die wissenschaftliche Medizin greift seit Jahrhunderten auf natürliche Heilmittel zurück. Pflanzliche Stoffe sind aus der Behandlung von Atemwegsinfekten nicht wegzudenken (vor allem schleimlösende und hustenreizlindernde Mittel). Auch viele Asthmamedikamente sind pflanzlichen Ursprungs wie zum Beispiel Süßholzwurzel-, Efeu-, und Wollblumen-Präparate. Sie ersetzen jedoch nicht die herkömmlichen Medikamente. Auch bei Neurodermitis spielen Mittel pflanzlichen Ursprungs eine große Rolle, eine klare Trennlinie zwischen Phytotherapie und klassischen Hautmedikamenten aus der Dermatologie ist nicht möglich. So sind alle Hautmedikamente mit Gerbstoffen pflanzlichen Ursprungs (schwarzer Tee, Eichenrinde). Auch Öle, die den Gehalt an wichtigen essentiellen Fettsäuren in der Haut erhöhen sollen, kommen aus der Natur (Schwarzkümmelöl, Nachtkerzenöl, Johanniskrautöl oder Borretschsamenöl).

Salzhaltige Lösung, Akupunktur

Salzhaltige Lösungen (Sole)

Beschwerden bei einem allergischen Schnupfen lassen sich mit salzhaltigen Lösungen (Sole) lindern, etwa mit einer Nasendusche. Dabei werden die Gänge der Nasenhöhle mit Wasser und einem speziellen Salz gespült, sodass Schmutzpartikel und Pollen hinausgespült werden. Außerdem wird die Schleimhaut der Nase in ihrer Struktur und Funktion wieder normalisiert, was einen vorbeugenden Effekt haben kann.

Akupunktur

Die Akupunktur gehört zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM). In Europa werden die Nadeln vorwiegend in der Schmerztherapie eingesetzt. Beim allergischen Schnupfen kann die Akupunktur akute Schnupfensymptome lindern und langfristig die Empfindlichkeit der Nasenschleimhaut herabsetzen.

Zahlreiche Studien belegen, dass die Akupunktur auch asthmakranken Patienten helfen kann, auch wenn der Effekt eher schwach ist. Die meisten Untersuchungen beschreiben eine mittelstarke Erweiterung der Bronchien bei leichtem Asthma und ein subjektiv besseres Empfinden. Einige Untersuchungen wiesen auch nach, dass sich die Blutwerte bestimmter Abwehrzellen nach der Behandlung besserten. Daher ist die Behandlung von Allergien mit Akupunktur in die Liste der Weltgesundheitsorganisation mit aufgenommen worden. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen bisher die Kosten für Akupunktur nur bei chronischen Rücken- und Kniegelenkschmerzen. Bei Kindern sollte eher die schmerzlosere Laserakupunktur angewendet werden oder andere Techniken, wie zum Beispiel das Aufkleben von Kügelchen auf die Akupunkturpunkte.

Homöopathie, Bioresonanztherapie, Kinesiologie

Homöopathie

Homöopathen behandeln nach dem Grundsatz "Ähnliches durch Ähnliches heilen". Hierzu werden Stoffe, die bei gesunden Menschen Krankheitssymptome auslösen würden, in sehr starker Verdünnung eingenommen. Nach der Prozedur des Verdünnens und Schüttelns sollen die in der Substanz verborgenen dynamischen Kräfte gesteigert sein.

Die zentralen Aussagen der Methode sind durch wissenschaftliche Methoden nicht überprüfbar. Nach heutigem Kenntnisstand geht die medizinische Wirksamkeit wahrscheinlich nicht über den Placebo-Effekt hinaus, abschließend geklärt ist dies aber noch nicht. Unter den zwölf besten Studien zur Wirksamkeit von Homöopathie betrafen zwei randomisierte Doppelblindstudien allergische Erkrankungen. Ein Mittel mit einer pflanzlichen Ausgangssubstanz (Galphimia glauca) scheint eine positive Wirkung bei Pollenallergikern zu haben. Wie auch andere Homöopathika mit niedriger Potenz wirkt dieses Mittel wahrscheinlich als Pflanzenextrakt. Die Pflanze stammt aus dem brasilianischen Regenwald und wurde schon immer traditionell gegen asthmatische Beschwerden und Allergien verwendet.

Bioresonanztherapie

Die Anhänger dieser Methode behaupten, dass sie anhand der körpereigenen elektrischen Signale (Bioresonanz) messen können, ob eine Allergie vorliegt. Mittlerweile liegen klinische Studien vor, die zeigen, dass diese Methode weder für die Diagnostik noch für die Therapie einer Allergie geeignet ist. Es wurde auch nie nachgewiesen, dass sich die Bioresonanz von Allergikern bei Kontakt mit dem Auslöser verändert.

Kinesiologie

Kinesiologen glauben, dass bestimmte Muskeln mit Akupunkturmeridianen korrespondieren und dass man aus dem Zustand eines Muskels Rückschlüsse auf Erkrankungen bestimmter Organe ziehen kann. Bei Allergien und sonstigen Unverträglichkeiten würde sich die Muskelspannung des Betroffenen ändern, sobald er einen Auslöser berührt - auch wenn dieser in einer Glasampulle versiegelt ist. Erfahrene Kinesiologen seien in der Lage, dies zu erfassen.

Eine Doppelblindstudie, an der auch erfahrene Kinesiologen beteiligt waren, hat dies eindeutig widerlegt.

Elektroakupunktur nach Dr. Voll (EAV), Eigenblutbehandlung, Immuntherapie

Elektroakupunktur nach Dr. Voll (EAV)

Diese Methode basiert auf der klassischen Akupunktur aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, kombiniert dieses Verfahren aber mit moderner Elektronik. Ein spezielles Gerät soll an bestimmten Akupunkturpunkten die energetische Spannung und mögliche Abweichungen messen können, was Rückschlüsse auf eine "energetische Störung" zulassen sollen. Auch soll es möglich sein, auf diese Weise Zusammenhänge aufzuspüren, die vordergründig nicht erkennbar sind. So könne eine Infektion, die Jahre zurückliegt, etwas mit den heutigen Beschwerden zu tun haben.

Experten zufolge wurde diese Methode bereits in den 70er Jahren untersucht - Dr. Voll selbst war anwesend. Das Ergebnis war ernüchternd: Bei einem Medikamententest machte es keinen Unterschied, ob eine Substanz in den Messkreislauf eingeführt wurde oder nicht. Daher wurden keine elektrischen Veränderungen gemessen. Andere Untersuchungsergebnisse müssen demnach zufällig oder durch Störungen entstanden sein.

Eigenblutbehandlung

Bei der Eigenblutbehandlung bekommt der Patient sein eigenes, zuvor entnommenes Blut injiziert. Dabei entstehen zwar Entzündungen, die eine antientzündliche Wirkung haben können. Allerdings fehlt es hierbei an kontrollierten Studien, um die Wirksamkeit der Methode bei allergischen Erkrankungen einschätzen zu können. Eine einzige Studie berichtet von einer leichten Besserung bei Neurodermitis - wobei die Hauterscheinung jedoch gleich blieb.

Autohomologe Immuntherapie

Diese Methode geht auf den Allgemeinmediziner Dr. Horst Kief aus Ludwigshafen zurück, der Immunologie mit Naturheilkunde kombinierte. Bei der Autohomologen Immuntherapie geht es darum, körpereigene Substanzen zu gewinnen, die dem Immunsystem helfen sollen, erkrankte Zellen zu beseitigen. Dafür nimmt der Arzt dem Patienten Blut und Urin ab und vermehrt immunwirksame Stoffe gezielt, bevor er sie wieder in den Körper gibt, über Spritzen, Tropfen oder das Inhalieren. Vor allem bei Allergien kommt die Methode zum Einsatz.

Auch wenn Patienten nach eigenen Angaben Linderung oder Heilung erfahren haben sollen, gibt es nach Ansicht von Experten keine kontrollierte Studie, welche die Wirksamkeit der Studie belegt hätte. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung zählt die Autohomologe Immuntherapie nach Kief zu den nicht anerkannten Methoden.

Ernährungstherapie, Auslassdiät und Darmsanierung

Ernährungstherapie und Auslassdiät

Dass Lebensmittelallergiker nicht essen sollte, was ihre Beschwerden hervorruft, versteht sich eigentlich von selbst. Auch eine Ernährung, mit deren Hilfe Barrierefunktion der Darmschleimhaut aufgebaut und das Immunsystem des Darms gefördert wird, kann Betroffenen helfen.

Doch auch andere Allergiker, insbesondere Neurodermitis-Patienten, experimentieren mit einer Auslassdiät. Dabei sollten Lebensmittel nur dann vom Speiseplan verschwinden, wenn sie tatsächlich allergische Reaktionen auslösen oder im Fall der Neurodermitis einen Schub hervorrufen. Ob dies der Fall ist, kann der Arzt überprüfen. Bislang konnte jedoch keine Studie zeigen, dass Lebensmittel wie Schweinefleisch, Tomaten, Zucker oder tierische Eiweiße hierfür verantwortlich sind.

Wenn Kinder mit einem solchen Schub reagieren, dann meist auf Hühnereiweiß, Milcheiweiß, Weizen und Sojaprodukte. Da diese allergischen Reaktionen häufig bis zum Grundschulalter wieder verschwinden, sollte der Allergologe eine mögliche Überempfindlichkeit beim Kind alle ein bis zwei Jahre kontrollieren. Bei Erwachsenen mit einer Pollenallergie - etwa gegen Birkenpollen - spielen meist Kreuzreaktionen eine Rolle. Dann kann der Verzehr von Steinobst oder Nüssen einen Neurodermitisschub verursachen.

Darmsanierung

Manche Heilpraktiker und Ärzte behaupten, dass Darmpilze für die Neurodermitis verantwortlich sind. Nur: Auch wenn im Stuhl Pilze nachgewiesen wurden, hat dies noch keinen Krankheitswert. Erst wenn Symptome wie Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen vorliegen, lohnt sich eine genauere Untersuchung.

Yamina Merabet, Sonja Helms

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