Neue Ansätze in der Allergietherapie

Forscher und Pharmaunternehmen suchen ständig nach neuen Möglichkeiten, eine Allergie zu behandeln. Der Weg von einer guten Idee bis zum fertigen Medikament ist jedoch oft sehr weit.

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Umfangreiche Studien erforschen die Wirksamkeit neuer Methoden©

Wie so oft klafft auch in der Pharmaforschung Theorie und Praxis oft weit auseinander. Eine gute Idee für eine Behandlung bedeutet noch lange nicht, dass sie auch wirkt, oder bei jedem Patienten gleich gut wirkt. Einige Präparate sind in der notwendigen Dosis giftig. Manchmal stellen sich unerwünschte Wirkungen auch erst Jahre nach einer Zulassung heraus. Es gibt viele Hürden, die ein neues Medikament nehmen muss, bis es überhaupt auf den Markt kommt und dort bestehen kann.

Allergoide und hoch gereinigte Allergene

Bei der spezifischen Immuntherapie spritzen Ärzte normalerweise Allergenextrakte unter die Haut, die aus natürlichen Rohstoffen wie Blütenpollen oder Insektengift bestehen. Bei der Herstellung ist es jedoch schwer zu gewährleisten, dass Menge und Konzentration der Stoffe in jeder Dosis gleich sind. Einige Eiweiße aus dem Naturstoff gehen bei der Verarbeitung auch verloren.

Manche Hersteller verändern diese natürlichen Allergene zu sogenannten Allergoiden. "Das sind chemisch veränderte Allergene", erklärt Torsten Zuberbier, Allergologe an der Berliner Charité und Leiter der europäischen Stiftung für Allergieforschung. Diese würden die Antikörper (IgE) nicht mehr so gut binden, was zur Folge hat, dass einerseits weniger Nebenwirkungen auftreten als bei normalen Allergenextrakten. "Andererseits werden die T-Zellen gut von den Allergoiden gebunden", sagt Zuberbier. Diese sind wichtig für die Toleranzentwicklung bei der Immuntherapie. "Daher sind Allergoide sicherer und können genauso wirksam sein." Jedes dieser veränderten Allergene muss weiterhin getestet werden. "Doch es gibt inzwischen eine große Zahl von Allergoiden auf dem Markt, für die bereits sehr gute Testergebnisse vorliegen", so Zuberbier.

Schluckimpfung mit Bakterien-Bestandteilen

Allergien mit einer Schluckimpfung vorzubeugen, ist das Ziel dieses Forschungsansatzes. Forscher testen die Wirkung einer Schluckimpfung mit Bakterienbestandteilen (Lipopolysaccharid-Endotoxin) unter anderem an Säuglingen. Die Impfung soll das Immunsystem der Babys so anregen, dass diese vor Allergien besser geschützt sind. "Die Schluckimpfung ist weiterhin im Versuchsstadium", sagt Zuberbier. "Bisher sind die Ergebnisse nicht so überzeugend, wie man ursprünglich gedacht hatte. Es liegen noch keine abschließenden, sicheren Ergebnisse vor."

Yamina Merabet (Mitarbeit: Arnd Schweitzer)
 
 
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