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Heilende ultraviolette Strahlen

Wer an Neurodermitis, Juckreiz oder Sonnenallergie leidet, profitiert oft von einer Lichttherapie. Doch Vorsicht: Eine Bestrahlung greift die Haut an und lässt sie schneller altern.

  Ultraviolettes Licht hat sich vor allem bei der Behandlung von Neurodermitis und Schuppenflechte bewährt.

Ultraviolettes Licht hat sich vor allem bei der Behandlung von Neurodermitis und Schuppenflechte bewährt.

Ultraviolette Strahlen sind Bestandteile des Sonnenlichts, die das Auge nicht wahrnimmt. Je nach Wellenlängenbereich werden sie in UV-A-, -B- und -C-Strahlen unterteilt. Diese Strahlen erreichen die Erdoberfläche nicht in gleicher Weise: Während UV-C-Strahlen schon in den oberen Schichten der Atmosphäre herausgefiltert werden, kommen UV-A-Strahlen mehr oder weniger ungehindert durch. Von den UV-B-Strahlen wiederum schaffen es, je nach Zustand der Ozonschicht, etwa zehn Prozent auf die Erdoberfläche. Auch die Bewölkung beeinflusst die Strahlenintensität.

In Maßen sind UV-Strahlen für den menschlichen Organismus unverzichtbar. Sie regen in der Haut die Bildung von Vitamin D an. Das Vitamin sorgt unter anderem dafür, dass Kalzium, ein wichtiges Mineral für den Aufbau von Knochen und Zähnen, aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Außerdem werden Entzündungsprozesse gehemmt und das allgemeine Wohlbefinden gefördert. Dabei genügt es schon, sich täglich eine Viertelstunde in die Sonne zu setzen - ohne Sonnenschutzprodukte.

Wie gefährlich eine zu starke UV-Bestrahlung sein kann, weiß jeder, der schon einmal einen Sonnenbrand hatte. Je nach Verbrennungsgrad rötet sich die Haut oder bildet Blasen. In schlimmeren Fällen stirbt sogar Hautgewebe ab und es entstehen so genannte Nekrosen. Wie stark die Haut dabei geschädigt wird, hängt jedoch nicht nur von der Dauer der Bestrahlung ab, sondern auch von der Kraft der UV-Strahlen und davon, wie tief sie ins Gewebe eindringen. Die kurzen Wellen der UV-B-Strahlung (Wellenlängen in Bereichen von 280 bis 320 Nanometern) dringen nur in die obere Hautschicht, die Epidermis, ein. Langwellige UV-A-Strahlen (Wellenlängen-Bereich von 340 bis 400 Nanometern) stoßen dagegen bis in das tiefer liegende Bindegewebe vor.

Die passende Strahlentherapie

Die Medizin macht sich dies zunutze. Mittels Fluoreszenzröhren spezieller Lampen wird ultraviolettes Licht in unterschiedlichen Wellenlängen (UV-A, UV-B, oder eine Kombination) erzeugt. Die Haut des Patienten wird damit bestrahlt. Bei der sogenannten PUVA-Therapie erhält der Patient vor der Bestrahlung ein Psoralen, eine Substanz, die die Haut UV-sensibler macht und sowohl als Tablette innerlich, als auch in Form von Bädern oder Cremes äußerlich angewendet werden kann. Ultraviolettes Licht hat sich vor allem bei der Behandlung von Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis) bewährt. "Der Arzt wählt dabei die jeweilige Strahlendosis, abhängig vom Hauttyp des Patienten als auch von seiner Erkrankung", sagt Nicolas Hunzelmann, Professor für Dermatologie an der Hautklinik der Universität zu Köln. Allgemein gelte: Je oberflächlicher die Erkrankung, desto kurzwelliger die Strahlen.

UV-Strahlen wirken im Allgemeinen antientzündlich. Sie hemmen bestimmte Zellen des Immunsystems, lindern den Juckreiz und vermindern die übersteigerte Bildung von Hautzellen bei Schuppenflechte.

Ärzte unterscheiden vier Therapieformen:

  • UV-A-Strahlen helfen am besten bei Neurodermitis und Mastozytose.
  • UV-B-Strahlen werden bei Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis und Juckreiz eingesetzt. Sie können auch einer Sonnenallergievorbeugen.
  • Eine kombinierte UV-A-/UV-B-Therapie kommt bei Neurodermitis, Juckreiz und Sonnenallergie zum Einsatz.
  • Eine PUVA-Therapie wird bei schwerer Schuppenflechte (Psoriasis), Knötchenflechte (Lichen ruber planus), Sonnenallergie, Lichturtikaria und T-Zell-Lymphom (Mycosis fungoides) angewendet.

PUVA bedeutet, dass die UV-A-Strahlen mit einem sogenannten Lichtsensibilisator (Psoralen) verabreicht werden. Die Kombination mit Psoralen hat sich als hoch wirksam erwiesen. Mithilfe dieser chemischen Substanz wird die Haut vor der eigentlichen UV-A-Behandlung lichtempfindlich gemacht und der Lichteffekt damit verstärkt.

Nur mit großer Vorsicht einzusetzen

So hilfreich die Bestrahlung auch sein mag - sie ist nicht frei von Nebenwirkungen. Hochdosierte UV-Strahlen greifen die Hautzellen an. Aufgrund der UV-B-Strahlen bilden sich anfangs verstärkt Pigmente, die Haut wird braun. Grundsätzlich schädigen UV-Strahlen aber das Erbgut in den Hautzellen. Zum Teil können die Hautzellen diese Schäden selbst beheben. Bei übermäßiger oder langer Bestrahlung ist das jedoch nicht mehr möglich. Auch ohne dass die Haut verbrennt, können solche Erbgutschäden daher zu einer Krebserkrankung führen. Die Bestrahlung fördert möglicherweise sogar die Bildung eines Melanoms, eines bösartigen Hauttumors, der von den Pigmentzellen ausgeht.

UV-A-Strahlen hingegen können auch tiefer liegende Hautschichten verändern. Wird die Haut übermäßig bestrahlt, altert die Haut schneller. UV-Therapien sollten daher nur vom Dermatologen verordnet und durchgeführt werden. Bei Kindern sind sie nur zurückhaltend und mit großer Vorsicht anzuwenden.

Nicht geeignet ist die Therapie für Patienten, die überempfindlich auf UV-Strahlen reagieren. Lassen Sie dies bei entsprechendem Verdacht unbedingt vorher vom Arzt abklären. Während der Therapie sollten Sie keine Medikamente einnehmen, welche die Haut lichtempfindlich machen, und stets eine Lichtschutzbrille tragen.

Die Kosten für die verschiedenen Behandlungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht immer, fragen Sie bei Ihrer daher gezielt nach.

Kirsten Milhahn

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