Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Schützen Erdnüsse vor einer Allergie?

Für allergiegefährdete Babys waren Erdnüsse lange Zeit tabu. Doch neuere Forschung zeigt: Ein Verzicht schadet wohl mehr als dass er nutzt.

Von Ilona Kriesl

  Ist eine erdnusshaltige Beikost auch für allergiegefährdete Kinder sinnvoll?

Ist eine erdnusshaltige Beikost auch für allergiegefährdete Kinder sinnvoll?

Wo keine Allergene sind, da kann auch keine Allergie entstehen: Das schlichte Meiden eines Allergieauslösers erschien jahrelang als probates Mittel, um allergische Reaktionen zu verhindern. Fachgesellschaften, unter anderem die American Academy of Pediatrics (AAP), warnten deshalb noch im Jahr 2000 davor, allergiegefährdete Babys mit einer erdnusshaltigen Beikost zu füttern.

Diese Annahme ist so jedoch nicht mehr haltbar – tatsächlich scheint vielmehr das Gegenteil der Fall zu sein: Kinder mit Allergierisiko, die in den ersten elf Lebensmonaten und bis zu einem Alter von fünf Jahren Erdnussbutter zugefüttert bekommen, erkranken seltener an einer Erdnussallergie als Babys, denen die pürierten Nüsse vorenthalten werden. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher des King’s College London im vergangenen Jahr, nachdem sie die Daten von 640 Kindern untersucht hatten. Wohlgemerkt: Dabei handelte es sich nicht um ganze Erdnüsse, die verschluckt werden können und daher gefährlich für Kleinkinder sind, sondern um Erdnussmus.

Die Untersuchung, die 2015 im Fachblatt "New England Journal of Medicine" erschienen war, wurde vielfach beachtet, stellte sie doch alles infrage, was Allergologen bis zu diesem Zeitpunkt empfohlen hatten. Klar ist: Eine frühe Beikosteinführung erscheint sinnvoll, da sie frühzeitig das Immunsystem trainiert. Die aktuellen Leitlinien zur Allergieprävention empfehlen daher, vier Monate ausschließlich zu stillen und die erste Beikost bereits nach dem vollendeten vierten Lebensmonat anzufangen.

Für erneute Schlagzeilen sorgt nun auch die Nachbeobachtung derselben Studie: Die Wissenschaftler baten 550 Teilnehmer der ersten Studie für die Dauer eines Jahres auf Erdnüsse zu verzichten. Und auch hier zeigte sich, dass die Erdnuss-Esser eher im Vorteil waren: Sie litten nach zwölf Monaten immer noch deutlich seltener an einer Allergie als die Teilnehmer, die schon vorab auf die Hülsenfrüchte verzichten mussten. Lediglich 13 der 270 Kinder hatten eine Allergie entwickelt, während es in der anderen Gruppe 52 von 280 Kindern waren.

Der Allergologe Jörg Kleine-Tebbe von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) hält die neueren Ergebnisse für recht vielversprechend: "Diese Untersuchung liefert zum ersten Mal harte Daten, die das bisherige Präventionskonzept infrage stellen. Und sie zeigt, dass die Toleranz auch noch nach einem Jahr besteht. Das birgt großes Potenzial – auch wenn noch Langzeitdaten fehlen."

Ein Freifahrtschein, künftig auch Hochrisikokindern Beikost mit Erdnussanteil zu geben, seien die Ergebnisse jedoch nicht, so der Experte. "Wenn das Kind bereits eine Allergie entwickelt hat, ist das ein heißes Eisen und sehr gefährlich." Unter Umständen können vorbelastete Säuglinge nämlich schon in den ersten Lebensmonaten eine Erdnussallergie entwickeln – auch wenn sie noch nie erdnusshaltige Beikost bekommen haben. Die Sensibilisierung erfolgt in diesen Fällen wahrscheinlich über die Haut, besonders bei Kindern mit Neurodermitis. Kleine-Tebbe empfiehlt Eltern gefährdeter Kinder daher, immer Rücksprache mit einem Kinderarzt zu halten, der sich mit Allergiefragen auskennt.

Fazit

Allergiegefährdete Kinder scheinen davon zu profitieren, wenn Eltern Beikost mit Erdnussmus oder -butter zufüttern. Dies sollte jedoch immer mit dem behandelnden, in Allergien erfahrenen Arzt abgesprochen werden, der im Zweifelsfall eine bereits bestehende Lebensmittelallergie ausschließen kann.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools