Wie eine Infektion springt die Alzheimer-Erkrankung im Gehirn von Neuron zu Neuron. Diese Erkenntnis könnte dabei helfen, die Krankheit hinauszuzögern oder womöglich sogar zu stoppen.

Im Laufe der Alzheimer-Erkrankung sammelt sich immer mehr Eiweiß im Gehirn an© AFP
Die Alzheimer-Erkrankung breitet sich wie eine Infektionskrankheit von einem Teil des Gehirns auf den anderen aus. Das geht aus einer Studie der Universitätsklinik der New Yorker Columbia-Universität hervor, die im Online-Fachmagazin "PLoS One" veröffentlicht wurde. Bei Tierversuchen mit gentechnisch veränderten Mäusen fanden die Forscher heraus, dass das bei Alzheimer nicht normal funktionierende Tau-Protein, das als Ursache der Krankheit gilt, durch das Gehirn wandert, indem es von einem Neuron zum anderen "springt".
Die Erkenntnisse könnten nach Angaben der Forscher dabei helfen, die Ausbreitung der Krankheit hinauszuzögern oder sogar zu stoppen. "Der erfolgreichste Ansatz wäre, Alzheimer so zu behandeln wie wir Krebs behandeln", sagte der Neurologieprofessor Scott Small. Auch Alzheimer müsse früh entdeckt und behandelt werden, "bevor es die Chance hat, sich auszubreiten". Denn in einem früheren Stadium sei eine Therapie am erfolgversprechendsten.
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde. Das Gehirn von Alzheimer-Kranken weist typische Eiweißablagerungen auf. Schon frühere Studien hatten nahegelegt, dass die Krankheit im für das Gedächtnis wichtigen sogenannten entorhinalen Kortex beginnt und sich von dort auf andere Hirnregionen ausbreitet.
Anfang der Woche hatte der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich beeindruckt von dem Bekenntnis. "Das finde ich nicht nur mutig, sondern es verdient auch meinen ganzen Respekt", sagte Bahr den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit mache Assauer vielen Menschen Mut. Dies mache zugleich bewusst, "dass jeden von uns das Schicksal einer solchen Erkrankung ereilen kann - ob als unmittelbar Betroffener oder auch als Familienangehöriger."