4. Juni 2011, 21:24 Uhr

Ehec-Befund in Lübecker Lokal negativ

Die Ehec-Spur führte in ein Restaurant nach Lübeck - doch war es auch die Richtige? Nun hat sich der betroffene Gastwirt erstmals geäußert: Bislang seien die Proben negativ.

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Küchenchef Frank Michel: "Wir sind als Restaurant selbst Endverbraucher"©

Das Lübecker Lokal, das ins Visier der Ehec-Fahnder geraten ist, wurde nach Angaben des Betreibers bereits ohne Befund von den Gesundheitsbehörden untersucht. Von den Mitarbeitern stünden allerdings noch die Ergebnisse von Stuhlproben aus, die alle hätten abgeben müssen, sagte Gastronom Joachim Berger den ZDF-"heute"-Nachrichten. Berger schließt aber nicht aus, dass er eine verseuchte Lieferung erhalten haben könnte. Seine Ware komme über von einem Zwischenhändler aus Mölln, der wiederum von einem Großhändler aus Hamburg beliefert wird, sagte der Gastronom weiter.

"Wir sind als Restaurant selbst Endverbraucher und von unseren Lieferanten abhängig", sagte Küchenchef Frank Michel der Nachrichtenagentur DPA. Anfang der Woche habe das Gesundheitsamt Lübeck unter anderem das Lokal sowie andere Gaststätten Lübecks kontrolliert. Dabei erfuhr er auch von dem Ehec-Verdacht. Geprüft wurden Hygiene- und Reinigungspläne sowie Lieferwege, so Michel, der auch darauf hinwies, dass die Belegschaft mit demselben Essen wie die Gäste werde, und niemand sei erkrankt.

Mindestens vier Gewerkschafter sind schwer erkrankt

Die "Lübecker Nachrichten" hatten von dem Verdacht gegen das Lokal berichtet. Laut der Zeitung sollen sich 17 Patienten in der namentlich nicht genannten Gaststätte infiziert haben. Der Mikrobiologe Werner Solbach vom Universitätsklinikum Lübeck wurde mit den Worten zitiert, das Restaurant treffe keine Schuld. "Allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist."

Von der Erkrankungswelle ist auch eine Gruppe der Deutschen Steuergewerkschaft betroffen. Den "Lübecker Nachrichten" zufolge, besuchten die Betroffenen das Restaurant zwischen dem 12. und dem 14. Mai. "Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Erkrankten um Teilnehmer unterschiedlicher Gruppen handelt", sagte der Mikrobiologe dem Blatt. Der Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft für die Finanzverwaltung, Dieter Ondracek, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass vier Mitglieder der Gruppe schwer erkrankt seien. Eine 48-Jährige aus Nordrhein-Westfalen sei an der Infektion gestorben, so Ondracek.

Das Kieler Landwirtschaftsministerium allerdings hat den Bericht als überzogen bezeichnet. "Wir haben keine heiße Spur", sagte Ministeriumssprecher Christian Seyfert. Die Ergebnisse der Untersuchungen von Mitarbeitern des Robert Koch-Instituts (RKI) in Lübeck lägen bislang nicht vor.

Verdacht gegen Hafengeburtstag nicht plausibel

Das Magazin "Focus" wiederum berichtet, der Ausbruch der Epidemie falle womöglich mit dem Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai zusammen. Diese These werde intern beim RKI favorisiert, schreibt das Blatt unter Berufung auf RKI-Kreise. Etwa 1,5 Millionen Menschen hatten das Hafenfest vom 6. bis 8. Mai besucht. Etwa eine Woche später wurden laut "Focus" im Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf die ersten Patienten mit Durchfallerkrankungen registriert. Die Gesundheitsbehörde der Hansestadt aber glaubt genau das nicht. Die Experten des RKI hätten bereits vor zehn Tagen dem Amt mitgeteilt, dass eine Infektion beim Hafenfest "sehr unwahrscheinlich" sei, wie ein Behördensprecher sagte. Denn bei einer durchschnittlichen Inkubationszeit von drei bis vier Tagen könne es rein zeitlich nicht als Infektionsquelle infrage kommen.

Auch das RKI selbst widerspricht: "Pressemeldungen wonach Ehec-Infektionen mit Großveranstaltungen in Verbindung gebracht werden, decken sich nicht mit den Erkenntnissen des RKI und stehen im Widerspruch zu dem epidemiologischen Profil des Ausbruchs", teilte das Institut mit. Laut des RKI sind im Moment drei Teams im Einsatz. Die Mitarbeiter befragten in Hamburg, Lübeck und Bremen Patienten und gesunde Kontrollpersonen nach von ihnen verzehrten Lebensmitteln. Für die Studien würden Orte ausgewählt, an denen die Ergebnisse durch hohe Patientenzahlen besonders aussagekräftig sind. Insgesamt waren seit Beginn des Ausbruchs mehr als zehn RKI-Teams unterwegs.

nik/DPA/Reuters
 
 
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