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Forscher fürchten Ausbreitung indischer Superbakterien

Wissenschaftler warnen vor Bakterien, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind. Die zuerst in Indien und Pakistan verbreiteten Keime gelangen jetzt nach Europa - weil sich Menschen billig in Indien operieren lassen.

  Im Labor wird untersucht, ob ein Bakterienstamm gegen Antibiotika resistent ist

Im Labor wird untersucht, ob ein Bakterienstamm gegen Antibiotika resistent ist

Dass Bakterien gegen herkömmliche Antibiotika unempfindlich werden, ist ein gefährlicher, wenn auch kein neuer Trend. Neu ist allerdings eine Art von Resistenz, von der Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "The Lancet Infectious Diseases" berichten. Sie kommt mit einem NDM-1 genannten Gen, das die Forscher unter anderem in Echerichia-coli-Bakterien und Klebsiella pneumoniae entdeckt haben. Beide Bakterien finden sich in der menschlichen Darmflora und können unter bestimmten Umständen Krankheiten auslösen. Die neue Resistenz könnte sich weltweit verbreiten, fürchten die Forscher.

Meist wirkten noch zwei Antibiotika gegen diese Superkeime, bei einigen Stämmen brachte jedoch keines mehr einen Erfolg. Das Problem werde dadurch verstärkt, dass in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren keine neuen Antibiotika gegen diese Bakterientypen in Aussicht stehen. Das heißt: Für Patienten, die an einer durch diese Mikroben verursachten Infektion leiden, gibt es schlicht keine Hilfe.

NDM-1 ist der Untersuchung zufolge vor allem in Indien und Pakistan verbreitet. Doch auch in Großbritannien, den Niederlanden, Australien und Schweden haben die Forscher Bakterien mit dem Gen entdeckt. Und zwar zum Teil bei Menschen, die sich in Indien einer Schönheitsoperation unterzogen haben. Die Forscher fürchten, dass sich die resistenten Bakterien durch diesen OP-Tourismus schneller weltweit verbreiten. In einem Begleitartikel im "Lancet" regt Johann Pitout von der Universität in Calgary, Kanada, dazu an, Patienten nach einer OP in Indien auf die multiresistenten Bakterien hin zu untersuchen. Aufhalten lassen sich die neuen Keime in Zeiten der Globalisierung allerdings trotz aller Kontrollmaßnahmen wohl nicht.

Nina Weber

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