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Was sich gegen Lispeln tun lässt

Der neue Bachelor lispelt. Der Sprachfehler ist - vor allem bei Kindern - gar nicht so selten. Aber er lässt sich gut therapieren.

Von Lea Wolz

Der Bachelor 2016:  Leonard fiel auch durch seinen leichten Sprachfehler auf.

Bachelor 2016: Leonard fiel auch durch seinen leichten Sprachfehler auf. Lispeln lässt sich allerdings leicht beheben. (Alle Infos zu "Der Bachelor" bei RTL.de)

Ach nein, eigentlich muss das in dem Alter nicht mehr sein. Leonard Freier, 30 Jahre alt und der neue Bachelor, hat zwar einen Waschbrettbauch, aber er lispelt. Leicht zwar, aber hörbar. Ein kleiner Sprachfehler, über den auch gleich bei Twitter diskutiert wurde. Ganz niedlich, fanden die einen. Unmöglich, die anderen.


Allein ist der Bachelor mit seinem kleinen S-Problem nicht: Marcel Reich-Ranicki etwa machte sein Lispeln zum Markenzeichen. Boris Becker hat auch so seine Schwierigkeiten mit dem S-Laut, genau wie Karl Lagerfeld oder Mike Tyson, dem, das muss man fairerweise sagen, allerdings auch der ein oder andere Zahn fehlt. Und dann wird es tatsächlich schwierig mit dem S-Laut.

Wird er korrekt gebildet, berührt dabei die Zungenspitze den oberen oder unteren Gaumen (genau genommen den sogenannten Zahndamm). Dadurch bildet sich eine schmale Rinne, durch die Luft gezielt geführt werden kann. Das "s" klingt dann schön scharf.

Zischlaute sind schwer zu bilden

Beim Sigmatismus, wie Lispeln in der Fachsprache heißt, rutscht die Zunge entweder durch die Zähne nach vorne (Sigmatismus interdentalis), oder sie stößt an die Zähne (Sigmatismus addentalis).  Bei letzterem klingt das "s" dadurch ähnlich wie das englische "th". Ist die Zunge zu flach, entweicht die Luft in die Backen (Sigmatismus lateralis) - auch das beeinträchtigt den Klang.  

Allen Formen der S-Störung ist gemein, dass der Laut nicht korrekt gebildet wird. Fachleute sprechen beim Lispeln daher von einer Artikulationsstörung.

Schämen muss sich für sein Lispeln niemand. Denn tatsächlich ist für Zischlaute wie "s" oder "sch" eine besonders präzise Mund- und Zungenmotorik nötig. Anders gesagt: Es ist gar nicht so leicht, ein "s" zu bilden. In der Sprachentwicklung lernen Kinder diese Laute erst recht spät. Bis zum Alter von vier Jahren sind Probleme mit den Zischlauten daher kein Grund zur Beunruhigung.

Denn um Laute richtig auszusprechen, braucht es schlicht auch Training, das aus Hören und Nachahmen besteht. Fast 14 Prozent der Kinder zwischen vier und sechs Jahren weisen dem Deutschen Bundesverband für Logopädie zufolge eine Artikulationsstörung auf. Störungen des S-Lautes sind dabei am häufigsten.

Steckt eine Hörstörung dahinter?

Die Berliner Logopädin Maria Brinkhaus-Lukschy rät Eltern dennoch, schon bei Drei- bis Vierjährigen aufmerksam zu beobachten, ob das Lispeln hartnäckig bestehen bleibt. Dann verbergen sich eventuell andere Probleme dahinter, etwa eine Kieferfehlstellung. Auch eine Hörstörung kann dazu führen, dass Kinder nicht lernen, S-Laute korrekt zu bilden. Nötig ist zudem eine durchtrainierte Zunge, die sich flink und präzise im Mund bewegen lässt.

Mit ihrem Fitnessprogramm fängt die Zunge eigentlich schon bald nach der Geburt an - und zwar dann, wenn sich das automatische Saugen zurückbildet. "Stattdessen beginnt sich die Zunge beim Schlucken zu heben", sagt Brinkhaus-Lukschy. Bei Kindern, die zu lange genuckelt oder den Schnuller bekommen haben, kann das fehlen. "Die Zunge gewöhnt sich dann daran, unten im Mund liegen zu bleiben", sagt die Logopädin. Bleibt sie so schlaff und träge, ist auf einen wichtigen Mitspieler bei der Artikulation kein Verlass, was sich auch auf Zischlaute auswirkt.

Verschwindet das Lispeln nicht von selbst, ist es ratsam einen Kinderarzt oder einen auf Sprachstörungen spezialisierten HNO-Arzt aufzusuchen. Er kann die Ursachen der Artikulationsstörungen abklären und gegebenenfalls zu einem Logopäden überweisen. "Eltern tun ihren Kleinen keinen Gefallen, wenn sie den S-Fehler als süß bezeichnen Ich finde es schade, dass die Störung immer gesellschaftsfähiger wird", sagt Brinkhaus-Lukschy. Lispeln lasse sich gut und leicht behandeln. Dabei gilt: Je früher damit begonnen wird, desto besser.

Die Kasse übernimmt die Kosten in der Regel. Was genau trainiert wird, ist vom einzelnen Patienten abhängig. Zum Beispiel wird die Mundmuskulatur gestärkt - etwa durch Pfeifen. Mit einem Strohhalm zu trinken, hat einen ähnlichen Effekt. Die träge Zunge wird ebenfalls mit Übungen bedacht: Einmal über die Lippen kreisen, schult die Motorik. Und ein mehrmaliges Schnalzen, das immer langsamer wird, kräftigt sie ebenfalls.

Wenn der Bachelor demnächst also den Damen hinterherschnalzt, könnte er das zumindest ganz leicht entschuldigen.

   

 

 

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