10. August 2012, 06:13 Uhr

Organspende leidet unter Transplantationsskandal

Das Vertrauen ist weg: Die Bereitschaft der Bundesbürger, Organe zu spenden, bröckelt angesichts des Transplantationsskandals bedenklich. Und das, obwohl es ohnehin an Spenderorganen mangelt.

Organe, Organspende, Transplantation, Skandal, Organspendeskandal, Spendenbereitschaft

©

Der Transplantationsskandal lässt die Bereitschaft zur Organspende nach einer neuen Umfrage stark bröckeln. 45 Prozent der Bundesbürger haben Bedenken, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur DPA hervor. 42 Prozent teilen die Bedenken nicht. 36 Prozent haben derzeit nicht vor, ihre Bereitschaft zur Organspende zu bekunden. Nur 30 Prozent haben dies vor.

Die jüngsten Ankündigungen von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken zielen darauf ab, Vertrauen in der Bevölkerung wiederzugewinnen. In Göttingen und Regensburg wurden Patientendaten manipuliert. Nach Bekanntwerden des Falls entbrannte eine Debatte über die Organvergabe insgesamt. Nun sollen Kontrollen und Transparenz Manipulationen verhindern und Vertrauen stärken.

Mehr glaubt, dass man Organe kaufen kann

In der Umfrage geben 14 Prozent an, bereits einen Ausweis zur Organspende zu haben. Jeder fünfte weiß noch nicht, ob er sich bereit erklärt, oder macht keine Angaben. Nach der jüngsten Organspendereform werden die Krankenkassen bald Millionen von Briefen verschicken - die Aktion zielt darauf ab, die Spendebereitschaft deutlich zu erhöhen. Der Bundestag hatte zudem mit einer Reform des Organspendegesetzes die Grundlage dafür gelegt, dass jeder Bundesbürger sich aktiv entscheiden muss, ob er spenden will oder nicht.

Diese Aktionen werden durch den Skandal ausgebremst. Überall im Land berichten Medizinier, dass Menschen ihre Spenderausweise zurückgeben. Angesichts der nun bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten glauben 69 Prozent der Bundesbürger der Umfrage zufolge, dass man in Deutschland mit viel Geld ein Spenderorgan wie Leber, Niere, Lunge oder Herz legal kaufen kann oder dies schneller bekommt. 19 Prozent glauben das nicht.

DSO warnt vor Skandalisierung des Spendesystems

In der ARD-Talkshow "Beckmann" widersprach Günter Kirste, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), den Umfrage-Ergebnissen. Es seien bisher keine direkten negativen Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft in Deutschland zu erkennen. "Es gibt keinen dramatischen Abfall bei den Organspende-Zahlen." Erste Statistiken aus Nordrhein-Westfalen deuteten vielmehr sogar auf einen möglichen Rekordmonat bei Organspenden hin, sagte Kirste.

Er warnte vor einer Skandalisierung. Die Vorfälle in den Universitätskliniken Göttingen und Regensburg dürften nicht verallgemeinert werden. "Wir haben keinen Organspende-Skandal. Wir haben den Skandal eines einzelnen Menschen, der an zwei Kliniken agiert hat", sagte Kirste. "Man kann nicht den Schluss daraus ziehen, dass das ganze System faul ist."

dho/DPA/AFP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Gipfel zum Organspendeskandal Ärztepräsident für schärfere Kontrollen in Kliniken

Vor dem Spitzengespräch zum jüngsten Transplantationsskandal hat sich Ärztepräsident Montgomery für schärfere Kontrollen stark gemacht. Eine Kommission soll Eingriffs- und Ermittlungsrechte erhalten.

Organspende-Reform Bundestag zwingt Bürger zum Nachdenken

Nach dem Tod Leben retten oder nicht? Der Bundestag hat beschlossen, dass die Bürger regelmäßig zu ihrer Bereitschaft, Organe zu spenden, befragt werden. Außerdem werden Lebendspender besser betreut.

Organspende Bundestag beschließt Reform

Nach jahrelangen Debatten hat der Deutsche Bundestag eine umfassende Reform der Organspende beschlossen. Künftig werden Krankenversicherte ab 16 Jahren schriftlich aufgefordert, eine Erklärung zur Organspende nach dem Tod abzugeben.

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage