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Millionen Deutsche im Griff der Sucht

Viele Jugendliche saufen sich noch immer ins Koma. Allerdings trinken, rauchen und kiffen heute weniger Minderjährige als in den Jahren zuvor. Millionen Bundesbürger kommen nicht von der Flasche, den Zigaretten oder den Spielautomaten los.

  Komasaufen ist nach wie vor bei Jugendlichen im Trend.

Komasaufen ist nach wie vor bei Jugendlichen im Trend.

Immer mehr Jugendliche werden mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Schuld daran ist das so genannte Komasaufen: Vor allem Jungen trinken sich regelmäßig bewusstlos. Das geht aus dem neuen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervor. Jeder fünfte 12- bis 17-Jährige trinkt sich demnach mindestens einmal pro Monat in einen Vollrausch, bei den 18- bis 25-Jährigen ist es sogar jeder zweite. Im Jahr 2009 wurden 26.400 Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs akut im Krankenhaus behandelt - das sind 2,8 Prozent mehr als noch im Jahr 2008 und sogar 178 Prozent mehr als im Jahr 2000.

"Es ist der Alkohol, der uns im Moment die größten Schwierigkeiten macht", so die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Sie appelliert vor allem an die Händler: "Ich erwarte vom Einzelhandel und den Tankstellen, dass die vereinbarten Maßnahmen auch wirklich flächendeckend umgesetzt werden." Mit durchschnittlich zehn Liter reinen Alkohol pro Kopf und Jahr ist Deutschland "an vorderster Stelle im Ländervergleich", sagte die FDP-Politikerin.

Alarmierend: Nur zehn Prozent der Menschen sind für die Hälfte des Alkoholkonsums in Deutschland verantwortlich. Laut Dyckmann sind 1,3 Millionen Menschen von Alkohol abhängig, über 9,5 Millionen Menschen gefährden sich durch übermäßiges Trinken. Mindestens 73.000 sterben jedes Jahr an den Folgen von Alkoholmissbrauch.

  Mechthild Dyckmans, FDP-Drogenbeauftragte der Bundesregierung, präsentiert den neuen Drogen- und Suchtbericht

Mechthild Dyckmans, FDP-Drogenbeauftragte der Bundesregierung, präsentiert den neuen Drogen- und Suchtbericht

Jeder Fünfte raucht

Auch Zigaretten sind weiterhin ein Problem: Trotz Aufklärungskampagnen rauchen 16 Millionen Menschen in Deutschland, 110.00 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen ihrer Sucht. Zudem sind 1,4 Millionen abhängig von Medikamenten, wie Dyckmans mitteilte. "Circa 200.000 Menschen weisen einen problematischen Cannabiskonsum auf", berichtete die Drogenbeauftragte weiter. 200.000 Menschen nehmen andere illegale Drogen.

Zudem gelten bis zu 600.000 Menschen in Deutschland als glücksspielsüchtig. Besonders in Gaststätten mit Spielautomaten werde der Jugendschutz zu wenig beachtet, kritisierte die Drogenbeauftragte. Bereits im Februar hatte sie mit dem Vorstoß, die bis zu 70.000 Spielgeräte in Gaststätten, Tankstellen, Einkaufszentren und Flughäfen abzubauen, in der Regierung wenig Begeisterung ausgelöst.

Weiterhin seien 560.000 Menschen abhängige Internetnutzer, teilte Dyckmans mit. "Die Internetsucht beginnt dann, wenn man sich überhaupt nicht mehr aus dem Netz herausbewegt und die sozialen Kontakte völlig abbricht."

Erfreulich: Weniger Minderjährige als in den vergangenen Jahren greifen zu Suchtstoffen. 2010 tranken 13 Prozent der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig Alkohol - 21 Prozent waren es noch sechs Jahre zuvor. 13 Prozent der Jugendlichen rauchen - nach 23 Prozent im Jahr 2001. Fünf Prozent nehmen ab und an Cannabis, deutlich weniger als noch vor sechs Jahren.

cf/DPA/DPA

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