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28. Oktober 2010, 15:06 Uhr

Das starke Geschlecht sucht sich selten Hilfe

Ihr Auto lassen sie regelmäßig checken, doch selbst gehen sie viel zu selten zum Arzt: Männer nehmen Krankheiten nicht ernst genug - vor allem psychische. Dabei leiden sie nicht seltener darunter, wie der erste Deutsche Bericht zur Männergesundheit zeigt.

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Arztmuffel Mann: Ärztliche Hilfe suchen sich Männer viel zu selten, Krankheiten bleiben oft unerkannt© Boris Roessler/DPA

Deutschlands Männer sind kränker als gedacht: Vorsorge und medizinische Angebote gehen immer noch viel zu oft an ihren Bedürfnissen vorbei. Die Folge: Männer verdrängen ihre körperlichen und seelischen Beschwerden und suchen sich viel zu selten Hilfe. Das ist das Ergebnis des ersten Deutschen Berichts zur Männergesundheit, einer Pilotstudie der Stiftung Männergesundheit und der Gesellschaft für Mann und Gesundheit, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Initiatoren fordern mehr männerspezifische Forschung und darauf aufbauende Gesundheitsangebote.

"Männer haben heute eine fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen. Aber viereinhalb Jahre davon sind durch soziokulturelle Faktoren bestimmt", sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bei der Präsentation des Berichts. Männer machten häufiger Schichtarbeit, hätten gefährlichere Berufe als Frauen und arbeiteten bis hin zur "Selbstausbeutung". Schröder kündigte eine staatliche Studie für nächsten Sommer an.

Mehr Männer als Frauen alkoholkrank

Die Krankheiten von Männern bleiben nach der Studie oft unbehandelt, weil sie nicht erkannt werden - dies gilt besonders dann, wenn es sich um psychische Erkrankungen handelt. "Entgegen allgemeiner Auffassungen leiden Männer nicht seltener an psychischen Störungen als Frauen, sie weisen nur andere Erkrankungsbilder auf", sagte Anne Maria Möller-Leimkühler von der Klinik für Psychiatrie an der Universität München. Drogen, antisoziale Persönlichkeitsstörungen und Selbstmorde nennt sie als typisch männliche Muster. Alkoholmissbrauch mitsamt allen körperlichen und psychischen Folgen ist der Studie zufolge ebenfalls eine männliche Domäne: Das Verhältnis von Männern zu Frauen liegt bei 5 zu 1. Vor allem bei den Jüngeren sei auch ein Zuwachs an Depressionen zu verzeichnen.

Auch bei tödlich endenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt das vermeintlich starke Geschlecht weit vorn: Das Risiko ist für Männer zwei bis viermal so hoch wie für Frauen, für einen tödlichen Herzinfarkt liegt ist es um 2,4 Mal höher. An der Raucherkrankheit Lungenkrebs sterben zweieinhalb mal so viele Männer wie Frauen. Diabetes, Gicht und Fettleibigkeit treten bei Männern ebenfalls häufiger auf.

Potenzprobleme haben zugenommen

Bei einer besonders sensiblen Männerkrankheit sieht die Wissenschaft ebenfalls einen Negativtrend: "Erektionsstörungen haben seit den 70er Jahren zugenommen", sagte der Männer-Gesundheitsforscher Frank Sommer. Studien zeigten, dass 20 Prozent der Männer zwischen 30 und 80 Jahren Erektionsprobleme hätten. Der Bericht geht von insgesamt vier bis sechs Millionen Männern in Deutschland mit dieser Krankheit aus.

Der Bericht zur gesundheitlichen Lage des männlichen Geschlechts wurde gemeinsam von der Stiftung Männergesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit mit Unterstützung der Deutschen Krankenversicherung (DKV) erstellt. 2001 war bereits ein Bericht zur Frauengesundheit veröffentlicht worden.

DPA/AFP/lea
 
 
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