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Dieser Arzt behandelt Obdachlose - und hat eine Botschaft an uns alle

Arme Menschen sterben früher, weil Armut krank macht und Krankheit arm. Der Mainzer Mediziner Gerhard Trabert versucht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Fotograf Andreas Reeg hat ihn auf seinen Streifzügen begleitet - und Fotos gemacht, die eine wichtige Botschaft erzählen.

Arztmobilsprechstunde in Bingen: "Der Feind ist schon längst in uns selbst, wenn wir die Menschen vergessen", sagt Sozialmediziner Gerhard Trabert (links). Mit dem Arztmobil fährt er mehrmals in der Woche zu bedürftigen Menschen. Gehwege und öffentliche Plätze werden zu Sprechzimmern.

Arztmobilsprechstunde in Bingen: "Der Feind ist schon längst in uns selbst, wenn wir die Menschen vergessen", sagt Sozialmediziner Gerhard Trabert (links). Mit dem Arztmobil fährt er mehrmals in der Woche zu bedürftigen Menschen. Gehwege und öffentliche Plätze werden zu Sprechzimmern.

Ein obdachloser Mensch schläft auf der Straße. Den Schlafsack hat er über sein Gesicht gezogen, es ist kalt im Freien, nur die Haare schauen noch heraus. Achtlos gehen Menschen an ihm vorbei. Kaum jemand kümmert sich um den Menschen. Wer ist diese Person im Schlafsack? Geht es ihr gut? Hat sie Hunger? Braucht sie Hilfe?

Dieser Anblick ist Alltag auf Deutschlands Straßen. Rund 25.000 obdachlose Menschen gibt es hierzulande. Einige haben sich bewusst dafür entschieden, auf der Straße zu leben. Andere sind ungewollt in diese Situation gekommen. Auf Hilfe sind sie alle angewiesen. 90 Prozent aller Obdachlosen, so schätzt man, bräuchten dauerhaft ärztliche Hilfe. Wer kümmert sich um sie?

Mensch trifft auf Mensch

Es sind Menschen wie Gerhard Trabert. Der Mainzer Sozialmediziner behandelt obdachlose und bedürftige Menschen seit über 20 Jahren. Mit seinem Arztmobil fährt er durch die Stadt und versorgt Menschen auf der Straße, unter der Brücke oder im Wald. Weil viele Bedürftige nicht zu ihm kommen können - es fehlt an Geld für Fahrkarten und Transportmittel - kommt er zu ihnen. Trabert ist Teil des Teams von Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. Für den Bildband "Arzt der Armen" hat sich der Mediziner bei seiner täglichen Arbeit von Fotograf Andreas Reeg begleiten lassen. 

Herausgekommen ist ein außergewöhnlicher . Reeg gelingt es, besondere Momente einzufangen: Arzt und Patient begegnen sich auf Augenhöhe. Die Lebensumstände der jeweiligen Person werden zur Nebensache, der Mensch als solcher tritt in den Vordergrund. Seine Geschichte. Seine Ängste. Seine Sorgen. Aber auch die Freude. Und die Dankbarkeit. Die Bilder hauchen dem anonymen Schlafsack-Bündel Leben ein. Mensch trifft auf Mensch.

"Der Feind ist schon längst in uns, wenn wir die Menschen vergessen", sagt Gerhard Trabert. Eine Botschaft, die gleichermaßen ein Appell an uns alle ist: Hinschauen statt wegsehen. Nachfragen statt schweigen. Was gibt es schon zu verlieren?

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