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So messen Sie Ihren Blutdruck richtig

Fast jeder dritte Bundesbürger hat einen zu hohen Blutdruck. Doch viele ahnen nichts von ihrer Erkrankung. Warum das gefährlich sein kann, wie Sie Ihren Blutdruck ermitteln und was Sie beim Kauf eines Blutdruckmessgerätes beachten sollten.

Von Lea Wolz

Gute Blutdruckmessgeräte müssen nicht teuer sein.

Den Blutdruck selbst messen: Mit modernen Messgeräten geht das ganz leicht. Doch vor dem Kauf sollte man sich gut informieren.

30, 50, 80 - diese Zahlen will die Deutsche Hochdruckliga im Bewusstsein der Bundesbürger verankern. Soll heißen: Mit 30 Jahren sollte jeder seinen Blutdruck kennen. Mit 50 sollte er bei denjenigen, die Probleme damit haben, richtig eingestellt sein. Damit sich im Alter von 80 Jahren Behinderungen durch Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall vermeiden lassen.

Tatsächlich kennen viele ihren Blutdruck nicht. Dabei ist dieser ganz einfach zu messen und auch Blutdruckmessgeräte gibt es viele. Doch wie findet man ein gutes? Und auf was sollte man beim Messen achten?

Blutdruck - was ist das eigentlich?

Unser Herz sorgt dafür, dass unser Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, indem es Blut durch die Adern pumpt. Das geschieht mit einem sich verändernden Druck. Beim Blutdruckmessen werden zwei Werte bestimmt: Der obere, sogenannte systolische Blutdruck und der untere, sogenannte diastolische. Bei dem ersten befindet sich das Herz in Anspannung, Blut wird in die Gefäße gedrückt, diese weiten sich. Beim zweiten ist der Herzmuskel entspannt, das Herz füllt sich wieder.

Welche Werte sind normal und welche bedenklich?

Die Deutsche Hochdruckliga, die sich an den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation orientiert, stuft folgende Werte als unbedenklich bzw. noch normal ein:


systolisch (mmHg)diastolisch (mmHg)
optimaler Blutdruckunter 120unter 80
normaler Blutdruck120 bis 12980 bis 84

"hochnormaler" Blutdruck

(der Blutdruck ist ein wenig  zu hoch, aber noch normal; Empfehlung: häufiger kontrollieren)

130 bis 13985 bis 89

Kritisch wird es ab folgenden Werten, ab denen Ärzte von Hypertonie, also Bluthochdruck sprechen:


systolisch (mmHg)

diastolisch (mmHg)

leichte Hypertonie140 bis 15990 bis 99
mittelschwere Hypertonie160 bis 179

100 bis 109

schwere Hypertonieab 180 und höherab 110 und höher

Ab wann sollte ich zum Arzt?

Wenn Sie zu Hause messen, gilt: Liegt Ihr Blutdruck an mehreren Tagen bei 135 zu 85 oder höher, sollten Sie dies einmal mit Ihrem Arzt abklären. Von Hochdruck spricht man auch bereits, wenn einer dieser beiden Werte diese Grenze überschreitet.

Wer seinen Blutdruck nicht kennt, sollte ihn zum ersten Mal beim Arzt bestimmen lassen. Dieser kann auch sagen, welcher Arm für die Blutdruckbestimmung besser geeignet ist, denn die Werte können durchaus unterschiedlich sein - etwa durch Gefäßveränderungen. Dann sollte immer der Arm genommen werden, bei dem der höhere Blutdruck ermittelt wurde. Auch Apotheken bieten Blutdruckmessung meist als Service an.

Warum ist ein hoher Blutdruck so schlimm?

Fließt das Blut dauerhaft mit zu hohem Druck durch die Gefäße, kann das über die Jahre hinweg Schäden am Herz, den Nieren und den Blutgefäßen hervorrufen und zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen führen. 

Ein zu hoher Blutdruck sollte daher gesenkt werden - in erster Linie durch einen gesunden Lebensstil. Ein normales Gewicht, wenig Alkohol, gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen und regelmäßige körperliche Betätigung helfen oft schon viel. Reicht das nicht aus, muss ein Arzt entscheiden, ob zusätzlich Medikamente verschrieben werden. 

Wer Probleme mit dem Blutdruck hat, sollte ihn auf jeden Fall regelmäßig kontrollieren. Eine solche Kontrolle über einen längeren Zeitraum hinweg, die in einem Blutdruckpass (etwa hier bestellbar oder hier abzurufen) notiert werden kann, liefert auch dem Arzt wichtige Informationen.

Wie finde ich das richtige Blutdruckmessgerät?

Lassen Sie auf alle Fälle einmal Ihren Blutdruck professionell - etwa von einem Arzt oder einem geschulten Fachhändler - ermitteln, bevor Sie ein Gerät kaufen. Dann haben Sie einen Richtwert und wissen zumindest grob, was das Gerät Ihrer Wahl anzeigen sollte. Messen Sie mehrmals und vergleichen Sie dann die Ergebnisse  mit dem zuvor ermittelten Richtwert. Größer als plus/minus zehn mmHg sollte der Unterschied nicht sein. Eventuell können Sie das Gerät auch vor Kauf mit in die Arztpraxis nehmen und die Genauigkeit im Vergleich mit der ärztlichen Messung testen lassen.

Generell gibt es zwei unterschiedliche Gerätetypen: Solche für den Oberarm und solche für das Handgelenk. Mitunter werden Oberarmgeräte eher empfohlen, da sie genauer sein sollen. Handgelenkgeräte sind wiederum für die meisten Nutzer leichter zu bedienen.

Stiftung Warentest hat erst kürzlich Blutdruckmessgeräte untersucht. Eine eindeutige Aussage, ob Handgelenk- oder Oberarmgeräte besser sind, lasse sich nicht treffen, schreiben die Tester. Der Nachteil bei Oberarmgeräten: Sie sind etwas mühsamer anzulegen. Dafür, so Warentest, sitzen sie meist automatisch an der richtigen Stelle - auf Herzhöhe. Handgelenkgeräte müssen aktiv in diese Position gebracht werden, etwa durch Anwinkeln des Arms. Dabei schleichen sich gerne Fehler ein.

In einem älteren Test weist Stiftung Warentest darauf hin, dass Handgelenkgeräte nicht für jeden geeignet sind: Wer starke Sehnen und Knochen hat, bei dem sind die Messungen am Handgelenk ebenso erschwert wie bei Patienten mit verhärteten, wenig elastischen Adern, etwa Herzkranken und Diabetikern. Bei ihnen empfiehlt sich eher ein Oberarm-Messgerät. 

Warentest hat 15 verschiedene Modelle untersucht. Nur drei erreichten ein "Gut" - darunter zwei fürs Handgelenk. Testsieger ist das günstige Omron RS 2, auf Platz zwei liegt das Boso Medistar+. Das Gerät Bosos Medicus X für den Oberarm landete auf dem dritten Platz.

Orientierung bieten auch Prüfsiegel, etwa von der Deutschen Hochdruckliga. Eine Liste mit Geräten, die den Test bestanden und das Siegel erhalten haben, findet sich hier

Wie teuer sind Blutdruckmessgeräte?  

Gute Geräte müssen nicht teuer sein. Der Testsieger von Stiftung Warentest - das Handgelenkgerät Omron RS 2 - kostet 26 Euro.  Es ermittelt die Werte genau und ist kaum störanfällig, bietet allerdings auch wenig Extras. Das Oberarmgerät von Beurer (ebenfalls "gut") ist etwas teurer: Es  kostet um 50 Euro.

Wie messe ich richtig?

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und kommen Sie zur Ruhe. Das ist wichtig, denn Stress oder körperliche Hetze - etwa ein kurzer Sprint - treiben Ihren Blutdruck in die Höhe und verfälschen das Ergebnis. 

Legen Sie bei Oberarmgeräten die Manschette straff, aber nicht zu fest und etwa zwei Finger breit über der Armbeuge an. Den Unterarm entspannt auf einer Tischplatte ruhen lassen. Bei einem Handgelenkgerät sollte sich das Gerät ebenfalls in etwa in Herzhöhe befinden. Nur so liefert es zuverlässige Ergebnisse. Stützen Sie daher den Ellenbogen ab und heben Sie den Unterarm leicht angewinkelt an. 

Bleiben Sie beim Messen ruhig, reden und bewegen Sie sich nicht und setzen Sie sich auch möglichst entspannt hin. Wiederholen Sie die Messung am besten nach ein bis zwei Minuten. Da Sie dann meist wirklich entspannt sind, ist der zweite Wert oft niedriger. Ihn sollten Sie nehmen.

Zeigt das Gerät einen hohen Wert an, messen Sie erst einmal in den folgenden Tage Ihren Blutdruck regelmäßig und schauen Sie, ob sich der Wert bestätigt. Beraten Sie dann notfalls mit ihrem Arzt, ob und was gegebenenfalls zu tun ist.

Wann sollte ich messen?

Messen Sie immer zur selben Zeit. Ein guter Zeitpunkt ist morgens vor dem Frühstück und, sofern Sie welche nehmen, vor der Einnahme der Medikamente. Gerade zu Beginn der Messungen ist es empfehlenswert, noch ein zweites Mal am Tag den Blutdruck zu kontrollieren - etwa vor dem Abendbrot. 

Blutdruck messen mit iPhone und Co. - ist das zu empfehlen?

Stiftung Warentest hat 2011 zwei dieser Geräte getestet, die mit einem iPhone, iPad oder iPod verbunden werden können. Ihre Funktionsweise unterscheidet sich nicht von der herkömmlicher Geräte. Mit einer Manschette am Arm wird der Blutdruck gemessen. Das Ergebnis: Sie messen zwar ähnlich genau wie ein Arztgerät, sind aber verglichen mit herkömmlichen Geräten teuer. Mit mehr als 100 Euro muss man rechnen, wenn man sich für ein solches Gerät entscheidet.

Auch im aktuellen Test waren Geräte vertreten (zwei Modelle von Medisana und ein Oberarmgerät von Beurer), mit denen sich Werte an Rechner, Smartphone oder Tablet übertragen lassen. Probleme gab es allerdings bei der Beurer-App für iOS: Diese übermittele Nutzername und Passwort unverschlüsselt, kritisiert Warentest.

Von dem Blutdruckmessgerät der US-Firma iHealth-Lab rät Warentest hingegen ab: Es besitzt zwar ein schickes Design und ist gut zu handhaben, allerdings liefert es ungenaue Werte.

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