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Auch schwule Männer dürfen künftig Blut spenden - aber ...

Homosexuelle Männer durften in der Vergangenheit kein Blut spenden. Das soll sich nun ändern. Sie sind künftig zur Spende zugelassen - vorausgesetzt, sie leben ein Jahr lang enthaltsam.

Blutspenden liegen auf einem Tisch

Blutspenden retten Leben - und kommen unter anderem bei schweren Operationen zum Einsatz

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Wer Blut spendet, tut das, um anderen Menschen zu helfen. In der Vergangenheit durften längst aber nicht alle Spendenwillige ihr Blut abgeben. Männer, die Sex mit Männern haben, waren bislang nicht zur Blutspende zugelassen, weil sie als HIV-Risikogruppe gelten. Der pauschale Ausschluss homo- und bisexueller Männer wurde in der Vergangenheit bereits kontrovers diskutiert.

Die umstrittene Richtlinie soll sich nun ändern: Wie aus der neuen "Richtlinie Hämotherapie" der Bundesärztekammer hervorgeht, dürfen künftig auch schwule Männer Blut spenden gehen. Die Lockerung ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Eine Spende ist demnach nur den Männern erlaubt, die zuvor zwölf Monate lang keinen Sex hatten. Dieselbe Vorgabe gilt auch für weitere Risikogruppen: Dazu zählt die Bundesärztekammer unter anderem Prostituierte, transsexuelle Menschen mit sexuellem Risikoverhalten oder heterosexuelle Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern.

Kritik von Verbänden

Kritik an der neuen Regelung kommt von der Deutschen Aids-Hilfe: So sei die Lockerung beim Blutspende-Ausschluss lediglich "Kosmetik" und gehe "nicht weit genug", heißt es in einer Mitteilung. "Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen. Diese Frist wäre nachvollziehbar", erklärt Björn Beck, Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe, und weist darauf hin: "Eine Frist von einem Jahr schließt die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus." Nach Angabe des Robert-Koch-Instituts (RKI) liegt der Diagnosezeitraum nach einer Ansteckung mit dem HI-Virus bei acht Wochen.

Auch der Schwulen- und Lesbenverband zeigt sich unzufrieden mit der neuen Regelung und argumentiert, dass das persönliche Risikoverhalten für das Infektionsrisiko entscheidender sei als die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe. Der Verband weist unter anderem auf Männer hin, die in einer monogamen Partnerschaft leben: "Sie werden in keinem der Papiere erwähnt. Man tut einfach so, als ob sie dasselbe Übertragungsrisiko hätten wie promiske MSM (Männer, die Sex mit Männern haben, Anm. d. Red.), die unsafe mit anderen Männern verkehren."

Kondome gelten als zuverlässiges Mittel, das Risiko einer HIV-Infektion zu senken. Allerdings bieten Kondome keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion, da sie in seltenen Fällen abrutschen oder reißen können. In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 70.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. 65 Prozent der aktuell diagnostizierten Infektionen kommen in der Gruppe von Männern vor, die gleichgeschlechtlichen Sex haben.


ikr

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