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Zehn Tipps für den nächsten Zahnarztbesuch

Der Arzt rät Ihnen zu teuren Füllungen oder will röntgen? Nicht immer sind diese Behandlungen sinnvoll. Mit diesen Hinweisen können Sie besser abschätzen, wie seriös Ihr Zahnarzt vorgeht.

  Kleinste Defekte wirken im Vergrößerungsspiegel bedrohlich. Zahnärzte lernen in Seminaren, wie man Patienten in die Diagnose einbezieht - und ihnen dabei geschickt Angst macht.

Kleinste Defekte wirken im Vergrößerungsspiegel bedrohlich. Zahnärzte lernen in Seminaren, wie man Patienten in die Diagnose einbezieht - und ihnen dabei geschickt Angst macht.

1. Vorsicht vor Fehldiagnosen

Wenig ist in der Zahnmedizin so objektiv, wie es scheint - da helfen auch keine Mundspiegel und Kameras, mit denen der Zahnarzt Sie in die Diagnose einbezieht. Er kann Ihnen auch so ein X für ein U vormachen. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre haben viele Institutionen - unter anderem das wissenschaftliche Institut WIDO der AOK, Ökotest und der stern - vorbefundete Testpatienten in Zahnarztpraxen entsendet, stets mit dem gleichen Ergebnis: Schäden an Zahn und Zahnfleisch werden äußerst willkürlich diagnostiziert. Karies zum Beispiel wird häufig übersehen oder angeblich an Zähnen vorgefunden, die in Wirklichkeit nur Verfärbungen haben.

2. Andere Meinungen einholen

Holen Sie Zweit- und Drittmeinungen ein. Haben Sie wirklich Karies? Muss die Füllung ersetzt werden? Brauchen Sie tatsächlich eine (neue) Krone? Erfindet oder dramatisiert Ihr Zahnarzt Erkrankungen?

3. Heil- und Kostenplan verlangen

Lassen Sie sich nicht auf umfangreichere Therapiemaßnahmen ein, bevor der Krankenkasse bzw. Versicherung ein Heil- und Kostenplan (HKP) vorliegt. Behandlungsziel und Kosten müssen vorab bekannt und akzeptiert sein. Den HKP sollten Sie grundsätzlich überprüfen lassen. Diesen Service bieten viele Krankenkassen und die Unabhängige Patientenberatung an.

4. Vorsicht vor falschen "Spezialisten"

Nicht für jede Wurzel- oder Zahnfleischbehandlung müssen Sie zum Spezialisten. Generalisten leisten für weniger Geld oft genauso gute Arbeit. Endontologen (Spezialisten für Wurzelbehandlungen) und Parodontologen (Spezialisten für Zahnfleischerkrankungen) haben bei komplizierten Erkrankungen mehr technische Möglichkeiten, die Behandlungen kosten aber auch mehr. Vorsicht! Es handelt sich nicht um Facharztweiterbildungen, jeder Zahnarzt kann sich solche Spezialisierungen auf sein Praxisschild schreiben. Achten Sie also darauf, dass Ihr Experte auch die notwendigen Weiterbildungen bei Fachgesellschaften nachweisen kann.

5. Abzocke-Wahrscheinlichkeit minimieren

Bei Zahnärzten, die im Deutschen Arbeitskreis für Zahnheilkunde DAZ oder in der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin VDZM organisiert sind, ist die Abzocke-Wahrscheinlichkeit geringer. Sie kämpfen für den Erhalt der zahnmedizinischen Kassenleistung.

6. Auch Kassenleistungen sind gut

Ausdrücklich nach Kassenleistungen fragen. Wenn der Zahnarzt dann nur die Nachteile erklärt, fragen Sie: Gibt es auch Vorteile? Eine Brücke kann dem Implantat ebenbürtig oder überlegen sein. Eine Vollgussmetallkrone im Backenzahnbereich fällt wenig auf, und Sie verlieren beim Eingriff weniger eigene Zahnsubstanz.

7. Die Risiken von Implantaten

Implantate werden oft als die beste, dauerhafteste Lösung beworben. Sie bergen jedoch das Risiko unkontrollierbarer Zahnfleischentzündungen. Die Forschung tappt bezüglich Ursache und Therapie noch im Dunkeln. Zur Häufigkeit dieser sogenannten Periimplantitis existieren sehr unterschiedliche Angaben, nach den neuesten Studien betrifft sie wohl etwa jeden fünften Patienten.

8. Die Ästhetik-Falle

Vorsicht, wenn Zahnärzte Ästhetik, Wellnessfaktor und weiße Zähne zu prominent bewerben! Jeder zahnmedizinische Eingriff kann auch Ihre Gesundheit schädigen. Bleaching kann dann gefährlich werden, wenn der Zahnarzt Karies übersieht - was (siehe Punkt 1) vorkommen kann. "Veneers" (Keramikschalen) sehen schicker aus als vom Kaffee vergilbte Frontzähne, doch diese sind möglicherweise noch völlig gesund. Für Veneers muss der Patient intakte Zahnsubstanz opfern und macht den Zahn so anfälliger für spätere Erkrankungen.

9. Fließband-Zahnärzte

Nehmen Sie Reißaus, wenn Sie von einer Assistentin zur Zahnsteinentfernung oder Zahnreinigung gedrängt werden, bevor der Zahnarzt Sie gesehen hat. Manche Praxen funktionieren nach dem Fließbandprinzip und bieten solche Behandlungen pauschal jedem neuen Patienten an, ohne dass im Einzelfall eine Notwendigkeit dafür besteht. Noch bedenklicher ist es, wenn Sie gleich zum Röntgen geschickt werden. Panoramaaufnahmen der Zähne bedeuten immer auch eine Strahlenbelastung und sollten nur erfolgen, wenn es wirklich notwendig ist.

10. Auktionen für Zahnarzt-Leistungen

Es gibt Internet-Auktionsportale für Zahnarzt- und Laborleistungen. Der Vorteil: Indem Sie ihren Heil- und Kostenplan dort einstellen und darauf bieten lassen, verpflichten Sie sich zu nichts, verschaffen sich aber eine Preisübersicht. Doch die Unabhängige Patientenberatung warnt: Manche Zahnärzte sparen trickreich durch billigere Materialien oder wollen Sie später zu weiteren Eingriffen überreden. Mit dem Ersteigern von Laborleistungen - oft aus China oder Indien - lässt sich bei umfangreichen Zahnsanierungen viel Geld sparen. Jedoch kann es von Nachteil sein, dass der Zahntechniker nicht vor Ort ist und die Verhältnisse in Ihrem Mund unter Augenschein nehmen kann. Mit einem Zahnarzt und Labor Ihres Vertrauens fahren Sie in der Regel auf Dauer besser.

Bernhard Albrecht
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