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Ein mutiger Schritt: Hollywood-Star Angelina Jolie hat sich beide Brüste amputieren lassen - aus Vorsorge, wie sie in der "New York Times" berichtet. Der Grund: eine erbliche Vorbelastung. Bei 87 Prozent habe ihr Risiko gelegen, an Brustkrebs zu erkranken. Doch wann ist eine prophylaktische Brust-Amputation ratsam? Wie läuft der Eingriff ab? Und welche Alternativen gibt es?

Wie gefährlich ist Brustkrebs?

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen: Rund 72.000 Frauen erkranken jährlich daran, etwa 17.000 sterben an den Folgen. Die Prognosen bei Brustkrebs haben sich in den vergangenen Jahren allerdings stetig verbessert, vielen Patientinnen kann geholfen werden, wenn der Krebs rechtzeitig entdeckt und behandelt wird.

Brustkrebs tritt deutlich früher auf als andere Krebsarten: Bei jeder zehnten betroffenen Frau wird die Diagnose vor dem 45. Lebensjahr gestellt, die meisten erkranken nach den Wechseljahren. Brustkrebs kann auch vererbt werden. Allerdings geht nur ein relativ geringer Anteil aller Erkrankungen auf erbliche Faktoren zurück: Er liegt zwischen fünf und zehn Prozent.

Wann ist eine vorsorgliche Brust-Amputation ratsam?

"Der Eingriff ist vor allem für Frauen sinnvoll, bei denen eine erbliche Belastung tatsächlich nachgewiesen wurde", sagt Nikola Bangemann, Oberärztin am Brustzentrum der Berliner Charité. Dabei handelt es sich um Mutationen auf den Genen BRCA-1 und BRCA-2 (vom englischen Wort "Breast Cancer" abgeleitet), die häufig auch als Brustkrebs-Gene bezeichnet werden. Diese Gene sind bei allen Menschen vorhanden. Sie sorgen dafür, dass die Zellteilung kontrolliert abläuft und unterdrücken damit gleichsam die Tumorbildung in der Brust und in den Eierstöcken. "Liegt ein Defekt auf diesen Genen vor, können Zellen zu Tumorzellen entarten", sagt Bangemann. Mehr als hundert mögliche Mutationen dieser Gene sind bis jetzt bekannt.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, steigt, wenn Defekte auf diesen Genen vorhanden sind: Bei einer Mutation von BRCA-1 liegt sie bei 80 Prozent, bei einer Mutation des BRCA-2-Gens bei bis zu 60 Prozent. Zum Vergleich: Ohne diese Mutationen liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Frau, im Laufe des Lebens die Diagnose zu bekommen, bei zehn Prozent - und damit deutlich niedriger. Auch das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, erhöht sich um 20 bis 50 Prozent.

Wie hoch das individuelle Risiko ist, kann allerdings niemand sagen: "Es kann auch sein, dass sich die Gene nicht durchsetzen", sagt Bangemann. Die Defekte sind dann zwar vorhanden, dennoch entwickelt sich kein Krebs. Bevor sich Frauen für die radikale Lösung - eine Brustamputation - entscheiden, sei daher eine umfassende Beratung notwendig.

Woher weiß ich, ob ich erblich vorbelastet bin?

Es gibt verschiedene Voraussetzungen, die eine erbliche Vorbelastung wahrscheinlich machen. Dazu zählt etwa, wenn eine Frau in der Familie vor dem 36. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankt ist oder bei mehr als drei Familienmitgliedern die Diagnose gestellt wurde. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern die Mutationen an den BRCA-1- und BRCA-2-Genen an ihre Kinder weitergeben, liegt bei 50 Prozent", sagt Nikola Bangemann vom Brustzentrum der Charité. Eine ausführliche Liste der Indikatoren findet sich etwa hier.

Treffen eine oder mehrere Aussagen zu, kann dies ein Anzeichen für eine erbliche Belastung sein. Betroffene Frauen können sich an einem von 15 auf das Thema spezialisierten Zentren beraten lassen. Dort werden dann mehr Informationen gesammelt, etwa zur Familiengeschichte und zu anderen Risikofaktoren wie Alkohol, Alter und Übergewicht. Zudem wird eine psychologische Beratung angeboten.

Doch längst nicht jeder, der eine familiäre Vorbelastung hat, sollte gleich einen Gentest machen lassen. "Das ist nur bei den wenigsten Frauen notwendig. Viele schätzen ihr Risiko deutlich höher ein, als es tatsächlich ist", sagt Bangemann. Sind die Kriterien erfüllt, trägt die Krankenkasse die Kosten für den Test.

Wie läuft eine Brustamputation ab?

Bei einer Mastektomie, so das medizinische Fachwort, wird das Drüsengewebe entfernt. "Falls möglich, versucht man den Hautmantel und die äußere Brustwarze zu erhalten", sagt Medizinerin Bangemann. Zum Wiederaufbau kommen entweder Implantate zum Einsatz oder Fett- und Hautgewebe wird an anderen Stellen des Körpers - etwa am Bauch oder Po - entnommen und in die Brust eingesetzt.

"Die Operation ist aufwendig und dauert mehrere Stunden", sagt Bangemann. "Wird Eigengewebe genommen, braucht es etwa länger, bis alles verheilt ist. Bei Implantaten ist die Zeit deutlich kürzer." Spätestens nach drei Monaten sollte alles überstanden sein. "In vielen Fällen kann die Brust ästhetisch ansprechend wiederhergestellt, die ursprüngliche Form erhalten werden", sagt die Ärztin. "Allerdings sind die Funktionen weg: Stillen ist nach einer Amputation nicht mehr möglich, manche Stellen sind taub, die Empfindlichkeit gegenüber Berührungen lässt generell nach."

Wie häufig ist der Eingriff?

"Am Brustzentrum der Berliner Charité wurden 2012 zehn vorsorgliche Brust-Amputationen durchgeführt", sagt Dorothee Speiser, Fachärztin mit dem Schwerpunkt familiärer Brustkrebs am Zentrum. Deutschlandweit geht sie von einer niedrigen dreistelligen Zahl aus.

Rita Schmutzler, Leiterin des Zentrums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs an der Universität Köln, zufolge entscheiden sich in Deutschland immer mehr Frauen mit einer genetischen Vorbelastung für eine vorbeugende Amputation. In den 1990er Jahren seien dies "keine fünf Prozent" gewesen und damit deutlich weniger als etwa in den USA oder den Niederlanden, sagt sie der Nachrichtenagentur AFP. "Heute lassen sich hierzulande 30 bis 40 Prozent der betroffenen Frauen prophylaktisch die Brüste entfernen."

Gibt es Risiken?

Ja. Die Wundheilung kann etwa gestört sein, Infektionen können auftreten oder der Körper kann das Eigengewebe abstoßen. "Das größte Risiko ist allerdings eine Kapselfibrose", sagt Nikola Bangemann vom Brustzentrum der Charité. Dabei bildet sich um das Implantat eine Hülle aus Bindegewebe - eine normale Reaktion des Organismus auf den Fremdköper. Die Kapsel kann sich verhärten und so Schmerzen und ein unangenehmes Ziehen auslösen.

Zudem gilt auch nach einer Brust-Amputation: Ein Restrisiko von etwa fünf Prozent, dennoch im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, bleibt bestehen.

Gibt es Alternativen zur Brust-Amputation?

Ja. Frauen, bei denen eine Mutation in den Brustkrebs-Genen festgestellt wurde, wird eine engmaschige Vorsorge empfohlen. Dabei wird jedes halbe Jahr ein Ultraschall gemacht, zudem jährlich eine Kernspintomographie und ab 30 Jahren auch einmal jährlich eine Mammographie.

"Zwischen den Untersuchungen kann sich allerdings ein Karzinom bilden", sagt Bangemann. 80 Prozent aller bösartigen Tumore sind Karzinome. "Betroffene Frauen müssen wissen, ob sie dieses Risiko eingehen und dann mit herkömmlichen Mitteln behandeln wollen", so die Ärztin. Denn immerhin sei der Krebs, früh entdeckt, gut heilbar. "Oder ob sie sich für die radikale Variante einer Brust-Amputation entscheiden."

Gerade Mütter mit kleinen Kindern würden häufig die zweite Variante wählen, hat die Ärztin beobachtet. "Sie wollen auf Nummer sicher gehen und möglichst ausschließen, dass ihr Leben frühzeitig durch den Krebs gefährdet werden könnte."

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