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18. Januar 2011, 21:57 Uhr

Bewegungsmangel und Hormone erhöhen Risiko

Ältere Frauen können durch mehr Bewegung und den Verzicht auf eine Hormontherapie während der Wechseljahre ihr Risiko senken, Brustkrebs zu bekommen. Tausende Erkrankungen ließen sich Wissenschaftlern zufolge so vermeiden.

Brustkrebs, Deutschland, RKI, Marie-Studie, Deutsches Krebsforschungszentrums Heidelberg, DKFZ

Bei älteren Frauen könnten fast 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs verhindert werden© Colourbox

Mehr als 30 Prozent aller Brustkrebsfälle nach den Wechseljahren lassen sich durch mehr Bewegung und den Verzicht auf Hormonersatztherapien vermeiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Darin untersuchten Wissenschaftler vermeidbare Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen - wie die Einnahme von Hormonen während der Wechseljahre, körperliche Aktivität, Übergewicht und Alkoholkonsum.

Die erschütternde Diagnose Brustkrebs trifft jährlich 58.000 Frauen in Deutschland. Das sogenannte Mammakarzinom ist damit dem Berliner Robert-Koch-Institut zufolge die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Schnitt liegt das Alter der Erkrankten bei 64 Jahren. Neben den vermeidbaren Risikofaktoren gibt es auch solche, die nicht zu beeinflussen sind. Das Alter, eine frühe erste Regelblutung oder ein spätes Eintreten der Wechseljahre zählen dazu. Ist in der Familie bereits jemand an Brustkrebs erkrankt, ist das Risiko ebenfalls erhöht.

Suche nach vermeidbaren Risiken

Für die im Fachjournal "Cancer Epidemiology" veröffentlichte "Marie-Studie" untersuchten die Heidelberger Wissenschaftler 3074 Patientinnen, die nach dem Eintritt der Wechseljahre an Brustkrebs erkrankt waren, und verglichen diese mit 6386 weiblichen Kontrollpersonen. Die Ergebnisse: 19,4 Prozent der Brustkrebsfälle nach den Wechseljahren sind den Wissenschaftlern zufolge auf Hormonpräparate zurückzuführen, 12,8 Prozent auf Bewegungsmangel. Alkoholkonsum und Übergewicht zeigten hingegen einen geringeren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Die nicht zu verändernden Risikofaktoren - darunter das Alter - bedingten den Wissenschaftlern vom DKFZ zusammen gut 37 Prozent aller Brustkrebsfälle nach den Wechseljahren.

"Das heißt, dass zwei Faktoren, die jede Frau selbst in der Hand hat, für vergleichbar viele Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren verantwortlich sind wie die nicht-beeinflussbaren Faktoren", sagt Studienautorin Karen Steindorf vom DKFZ. Die Forscher raten den Frauen daher zu mehr Bewegung und einem Verzicht auf Hormonersatztherapie, wo sie nicht unbedingt nötig ist.

Falls Hormone, dann möglichst kurz

Die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg überraschen diese Ergebnisse nicht. "In groß angelegten Studien wurde bereits nachgewiesen, dass eine Hormonersatztherapie während der Wechseljahre das Brustkrebs-Risiko erhöht - sogar um bis zu 25 Prozent." Die neue Studie bestätige dies lediglich noch einmal.

Allerdings sei die Untersuchung lange nicht so aussagekräftig: Denn dabei handle es sich um eine Fall-Kontroll-Studie. Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten Personen, die an Brustkrebs erkrankt waren, im Nachhinein auf die Risikofaktoren und verglichen diese mit einer Kontrollgruppe. Daraus lässt sich allerdings nur ermitteln, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Risikofaktor und der Erkrankung gibt. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung nach dem Motto "Mehr Bewegung führt zu weniger Brustkrebs" lasse sich daraus nicht ableiten, kritisiert Mühlhauser.

Ein Problem sieht sie daher darin, auf Grundlage dieser Studie die Forderung aufzustellen, dass Frauen nach der Menopause mehr Sport treiben sollten, um nicht an Brustkrebs zu erkranken. "Wissenschaftlich ist ein ursächlicher Zusammenhang durch die Studie nicht belegt." Dafür seien weitere Untersuchungen nötig. Ein weiteres Problem: "In der Kontrollgruppe wurden nur etwas mehr als 40 Prozent der Frauen hinsichtlich der Risikofaktoren befragt", sagt die Gesundheitswissenschaftlerin. "Dadurch können die Ergebnisse verzerrt sein."

Für Mühlhauser macht die Heidelberger Studie vor allem eines noch einmal deutlich: "Frauen, die in den Wechseljahren Hormone einnehmen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie damit ihr Risiko für eine Brustkrebserkrankung erhöhen." Wenn sie dennoch nicht auf die Einnahme von Hormonen verzichten wollen, dann gelte: "Möglichst kurz und in möglichst niedriger Dosierung."

lea/AFP/DPA
 
 
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