Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Warum legalisieren wir es nicht einfach komplett?

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, darf nach einem neuen Urteil künftig selbst Hanf anbauen. Eine gute Entscheidung, meint unsere Autorin. Noch besser wäre es, die Droge ganz zu legalisieren.

Ein Kommentar von Lydia Klöckner

  Anbau von Hanf zu therapeutischen Zwecken: Freigabe durch das Kölner Verwaltungsgericht geht nicht weit genug

Anbau von Hanf zu therapeutischen Zwecken: Freigabe durch das Kölner Verwaltungsgericht geht nicht weit genug

Menschen mit chronischen Schmerzen rauchen Cannabis nicht zum Vergnügen - für sie ist die Droge der einzige Weg, ein erträgliches Leben zu führen. Dennoch war es Schmerzpatienten in Deutschland bislang nicht erlaubt, die Pflanzen selbst anzubauen. Jetzt dürfen sie: Der Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken könne in Einzelfällen genehmigt werden, verkündete das Kölner Verwaltungsgericht heute. Eine gute, längst überfällige Entscheidung.

Cannabis hat im Vergleich zu klassischen Schmerzmitteln harmlose Nebenwirkungen und erstaunliche therapeutische Vorzüge: Die Inhaltsstoffe THC und Cannabidiol lindern nicht nur Schmerzen, sondern hemmen auch Entzündungen, lösen Krämpfe und helfen vielen Schmerzpatienten weitaus besser als traditionelle Arzneien. Ihnen ist es daher schon seit längerem erlaubt, Cannabis-Präparate in Apotheken zu kaufen. Die Therapie ist allerdings enorm teuer - je nach Bedarf kostet sie bis zu 1000 Euro im Monat - und wird nicht von den Krankenkassen bezahlt. Patienten, die diese Kosten nicht stemmen konnten, blieb also nichts anderes übrig, als ihre Schmerzen zu ertragen - oder auf weitaus weniger verträgliche Medikamente umzusteigen. Diese Regelung erscheint so unmenschlich und ungerecht, dass man sich fragt, warum sie nicht schon viel früher abgeschafft wurde.

Was seine Drogenpolitik betrifft, hinkt Deutschland ohnehin in beinahe peinlich großem Abstand hinter vielen anderen Ländern her: In den Niederlanden und Spanien ist der Cannabis-Anbau im privaten Rahmen und zum Eigenverbrauch gestattet. Uruguay hat den staatlich kontrollierten Anbau und Verkauf von Marihuana im vergangenen Jahr als erstes Land komplett erlaubt.

Würden Sie eine allgemeine Legalisierung von Cannabis befürworten?

Immer mehr Länder lockern ihre Drogenpolitik

Die Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts war zwar richtig. Verglichen mit den revolutionären Umbrüchen, die gerade in den USA stattfinden, ist sie aber eher ein "Fortschrittchen": In den US-Bundesstaaten Colorado und Washington kann jeder Erwachsene seit Anfang des Jahres ganz legal und offiziell in einem Laden Hanfprodukte kaufen. US-Präsident Obama verkündete im Zusammenhang mit der Legalisierung sogar, dass er Cannabis für harmloser halte als Alkohol.

Ausgerechnet die USA scheinen allmählich zu begreifen, dass der Krieg gegen Drogen im Falle von harmloseren Substanzen wie Cannabis nicht nur sinnlos ist, sondern auch wirtschaftlich unklug: Allein in den ersten fünf Monaten haben die USA 12,6 Millionen Dollar, knapp 9,3 Millionen Euro an Steuern durch den Handel und Verkauf von Haschisch eingenommen. Zudem schafft der neue Markt Arbeitsplätze für Tausende US-Bürger.

All das zeigt, dass die Legalisierung der vergleichsweise milden Droge nicht zum Weltuntergang führt, sondern offenkundig weitaus mehr Nutzen als Nachteile hat. Anstatt in Mini-Schritten von Verbots-Lockerung zu Verbots-Lockerung zu kraxeln, sollten wir uns ein Beispiel an den USA nehmen - und Cannabis einfach komplett legalisieren.

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools