Mehrheit der Deutschen befürwortet Impfpflicht

11. Juli 2013, 15:47 Uhr

Die derzeit rasche Ausbreitung der Masern scheint Vorbehalte gegen das Impfen von Kindern zu zerstreuen. Laut einer Umfrage für die DAK sind knapp 80 Prozent der Deutschen sogar für eine Impfpflicht.

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Masern-Feld auf dem Impfausweis: Die große Mehrheit der Deutschen findet, an dieser Stelle sollte einer Kreuzchen Pflicht sein.©

Vier von fünf Bundesbürgern befürworten laut einer Umfrage eine Impfpflicht für Kinder. Angesichts der hohen Zahl von Masernerkrankungen sprachen sich 79 Prozent für eine verpflichtende Impfung aus, wie eine am Donnerstag in Hamburg veröffentlichte repräsentative Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit ergab. Wegen der großen Impflücken hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zuletzt eine Impfpflicht gegen Masern "als letztes Mittel" nicht ausgeschlossen.

Die größte Zustimmung zu einer Impfpflicht gibt es laut der Umfrage in den neuen Ländern, wo 93 Prozent eine solche Regelung unterstützen. Deutlich weniger Impfbefürworter gibt es hingegen in Norddeutschland (72 Prozent) und Bayern (71 Prozent). 19 Prozent der Befragten lehnen eine verpflichtende Impfung strikt ab. Sie pochen vor allem auf das Selbstbestimmungsrecht der Eltern oder fürchten, das Impfen könnte zu viele Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen.

Laut DAK ist das Impfrisiko aber sehr gering. Nur bei einem von einer Million gegen Masern geimpften Kindern komme es in Folge der Impfung zu Komplikationen mit einer dauerhaften gesundheitlichen Schädigung. Knapp jeder dritte Impfpflicht-Gegner meint aber auch, dass Kinderkrankheiten häufig dramatisiert würden.

Seit Juni schon mehr als 900 Fälle

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte Anfang Juli insgesamt 1002 Bürger befragt. Eine Impfpflicht gab es in der Bundesrepublik bereits bis 1983 gegen die Pocken. In der früheren DDR war eine Impfung unter anderem gegen Kinderlähmung, Masern und Pocken gesetzlich vorgeschrieben.

Derzeit grassieren die Masern in Deutschland. Bis Mitte Juni wurden mehr als 900 Masernfälle gemeldet, die meisten davon in Bayern und Berlin. In fast der Hälfte der Fälle waren die Betroffenen 20 Jahre alt oder älter.

Nach 1970 Geborene sollten Impfstatus kontrollieren

Es gebe in Deutschland zunehmend Masernfälle auch bei Erwachsenen, die als Kind nur einmal geimpft wurden, erklärte die Gesellschaft für Virologie (GfV) in Ulm. Alle nach 1970 Geborenen, bei denen der Impfstatus unklar sei oder die nur eine Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR) erhalten haben, sollten daher "dringend" die zweite Impfung nachholen. Dies empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits seit längerem.

Masern können schwere Komplikationen auslösen und für die Betroffenen sogar lebensgefährlich sein. Ursprünglich hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ziel gesetzt, die Masern bis 2010 in Europa auszurotten. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, sind die Impfraten bislang allerdings nicht hoch genug, um die Masern auszurotten. Neues Ziel ist jetzt 2015.

Unzureichende Impfung gegen Keuchhusten

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) beklagte unterdessen auch einen mangelnden Impfschutz gegen Keuchhusten. Nur etwa einer einer von 20 Erwachsenen in Deutschland sei ausreichend dagegen geimpft. Nach einer aktuellen Umfrage sind auch viele Menschen unzureichend geschützt, die durch direkten Kontakt Säuglinge anstecken könnten. Bei Babys könne der Infekt lebensbedrohlich verlaufen, warnte die Fachgesellschaft. Keuchhusten sei auch bei Erwachsenen keine banale Erkrankung. Vor allem bei Abwehrgeschwächten könne es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Harninkontinenz, Gewichtsverlust und Rippenfrakturen kommen.

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