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Warum Laufen das beste Gehirntraining ist

Die Studie erfolgte zwar an Mäusen, die Wissenschaftler wagen dennoch die These: Auch beim Menschen ist Ausdauertraining gut fürs Gehirn.

Mein Geheimrezept, wenn ich beim Schreiben mit einem Satz stundenlang in der Endlos-Schleife hänge? Ich laufe eine Runde - und fast immer komme ich mit einer guten Idee nach Hause, die mir über die schwierige Stelle hilft. Ich nenne solche kleine Ausflüge schon länger "mein Gehirnjogging".

Ein Gefühl, das ich mit vielen Läufern teile. Aber bislang ist es eben nur ein Gefühl gewesen. Nun gibt es eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Laufen und Gehirnleistung belegen könnte. Veröffentlicht wurde sie gerade von Forschern der Universität Jyvaskyla (Finnland) im Fachmagazin "Journal of Physiology". Für die Untersuchung wurden Ratten in drei Gruppen eingeteilt. Die erste bekamen kleine Laufräder in ihre Käfige eingebaut und lief täglich in entspanntem Tempo mehrere Kilometer. Die zweite Gruppe war Teil eines Intervalltrainings. Diese Ratten wurden auf automatische Laufbänder gesetzt und mussten Sprints mit sehr hoher Geschwindigkeit für drei Minuten bewältigen. Gefolgt von zwei Minuten leichtem Traben. Die restlichen Tiere absolvierten eine Art Muskeltraining. Dafür wurde ihnen kleine Gewichte an den Körper gebunden, mit denen sie zum Beispiel Wände hinaufklettern mussten.

Das Ergebnis war eindeutig: In den Gehirnen der Ratten mit Laufrädern hatten sich zahlreiche neue Neuronen gebildet. Vor allem im Hippocampus, dem Bereich, der für Lernen und Erinnerung zuständig ist. Umso weiter die Tiere gelaufen waren, umso größer war der gemessene Wachstum.

Aber am meisten überraschten die finnischen Wissenschaftler zwei Dinge. Zum Ersten, dass sich in den Gehirnen der Ratten, die dem Intervalltraining folgten, viel weniger neue Neuronen entwickelt hatten. Und zum Zweiten, dass die Ratten durch das Gewichtstraining keinerlei messbaren Zuwachs zeigten.

Natürlich müssen diese Ergebnisse noch an Menschen überprüft werden. Aber die Forscher der Universität Jyvaskyla glauben, dass ihr Fazit übertragbar ist. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Miriam Nokia sagt: "Regelmässiges aerobes Ausdauertraining scheint auch bei Menschen den größten Nutzen für die Gesundheit des Gehirns zu haben."

Warum das Gehirn so gut auf diese Art des Trainings reagiert, ist bislang nicht erforscht. Aber Dr. Nokia und ihre Kollegen vermuten, dass es im Körper die Freisetzung bestimmter Botenstoffe anregt, die wiederum den Wachstum der Neuronen auslösen. Beim Intervalltraining, wie etwa bei Cross Fit üblich, scheint der positive Effekt für das Gehirn durch die große Anstrengung neutralisiert zu werden. "Aber vor allem der von Stress geprägte Ablauf der Übungen scheint den Hippocampus negativ zu beeinflussen", so das Fazit der Forscher aus Finnland.

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