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Abschied

Zwei Jahre lang hat Tobi Katze über sein Leben mit Depression gebloggt: humorvoll, bisweilen traurig, immer ehrlich. Nun möchte er sich neuen Projekten widmen – etwa seinem neuen Buch.

Ihr lieben Menschen, die ihr mich knapp zwei Jahre meines Lebens hier digital begleitet habt, viele von euch haben sich bestimmt schon gedacht, dass es bald so kommen wird, alles wurde sehr unregelmäßig in der letzten Zeit.

Ich habe beschlossen, dieses Blog zu beenden.

Es war eine unglaubliche Zeit, in der ich viel über mich selbst lernen durfte und die Möglichkeit hatte, viele, viele Menschen zu berühren, und das war wahnsinnig toll. Aber das Thema „Depression“ ist für mich auserzählt, wie man das so schön sagt.
Ich habe das Gefühl, alles formuliert zu haben, was ich formulieren konnte. Ich habe alles gesagt, was ich zum Thema „Depression“ und dem öffentlichen Diskurs beitragen konnte. Jetzt noch weiter darüber zu schreiben – das wäre ein Festhalten an Dingen, Wiederholung und letztlich für niemanden hilfreich.

Ich habe hier beim Stern über ein sehr intimes Thema bloggen dürfen, der Rowohlt Verlag hat mir die Möglichkeit gegeben, ein Buch über eben jenes Thema zu schreiben, was für mich als Schriftsteller einfach mal eben einen Lebenstraum hat wahr werden lassen, und beides verdanke ich nicht zuletzt euch, die ihr diesen Blog, der aus etwas sehr, sehr traurigem geboren wurde, zu einem warmen und hoffnungsvollen Ort gemacht habt. Ihr habt unermüdlich mitdiskutiert und verbreitet, und dafür sage ich: Danke!

Ohne euch wäre das hier alles nicht gekommen, wie es gekommen ist.

Versteht mich nicht falsch, ich ziehe mich nicht zurück. Ich bin weiterhin auf der Bühne, auch noch eine ganze Zeit mit „Morgen ist leider auch noch ein Tag“, ich werde weiterhin schreiben und mich engagieren für den Diskurs über Depression, aber es wird eben nichts Neues mehr kommen. Es ist für mich einfach an der Zeit, das Thema abzugeben, an jemanden von euch, der noch etwas dazu zu sagen hat oder möchte.
Ich befolge damit, ausnahmsweise einmal, meinen eigenen Ratschlag, die Depression nicht mein Leben bestimmen zu lassen.

Man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Gut, das passt irgendwie nicht zum Thema Depression, aber ich schätze, ihr wisst, was ich meine. Es liegen noch so viele, spannende Themen vor mir, und ich würde mich freuen, wenn ich euch auf die eine oder andere Art mit auf diese Reise nehmen kann, die da jetzt ansteht.
Ich schreibe mein zweites Buch, ich bin noch das ganze nächste Jahr auf Tour, und und und. Es ist so unfuckingfassbar viel. Und wunderschön.

Das hier klingt viel mehr nach Abschied, als es das eigentlich sollte. Ich gehe ja nicht weg. Dieses Blog wird nicht weggehen, es wird irgendwo seinen Platz finden, nur eben ohne neue Inhalte.

Ich habe immer noch diese beschissene Krankheit. Aber eben genug dazu gesagt.
Ihr seid immer noch geil.
Lasst euch nichts anderes einreden.
Vielen lieben Dank, liebes Team vom Stern, liebe Katarina.
Vielen lieben Dank, liebes Team von Rowohlt, liebe Johanna.
Vielen lieben Dank, liebe coole Sau und Marco.

Wir lesen uns in Büchern, wir sehen uns auf Bühnen,
viel Liebe,
es war toll mit euch!

Tobi

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