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Robin Williams

Vor genau einem Jahr nahm sich Schauspieler Robin Williams das Leben. Tobi Katze hat sich Gedanken gemacht. Darüber, was sein Suizid bedeutet. Und darüber, was in unserer Gesellschaft schief läuft.

Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass sich Robin Williams sein Leben genommen hat.
Ist das traurig? Ganz sicher. Ist das ungewöhnlich? Ganz sicher nicht.

Dies hier sind nicht die ersten Gedanken, die ich zum Thema Robin Williams veröffentliche. So wie es ausschaut – werden es auch nicht die letzten Gedanken dazu sein. Denn gerade jetzt kommen diese Stimmen wieder hoch in mir, die zynischen Kommentare aus meinem Umfeld und dem Internet, wie armselig das sei. Hätte man selbst diese Millionen auf dem Konto und sei ein Weltstar – achja, man würde den Teufel tun, sich umzubringen. Wie arrogant und egozentriert man sein müsse, so ein Leben als wertlos zu erachten.

Da will ich jetzt nicht viel zu sagen. Fakt ist: Viele Menschen mit wesentlich weniger Erfolg/Geld/gutem Aussehen/Bekanntheit – nehmen sich nicht das Leben. Eigentlich sogar – shocking truth – fast alle.

Was also sagt der Suizid von Robin Williams?

Auch so eine Frage, die immer mal wieder irgendwo gestellt wird von Leuten, die scheinbar einen Unterschied machen zwischen einem nachvollziehbarem Suizid – und dem von Robin Williams. Um das mal ganz kurz zu beantworten: Nix. Was soll so ein Suizid denn bitteschön sagen? Dass unsere Gesellschaft jetzt aber mal wirklich hart am Arsch ist, wenn sogar unsere beliebtesten Entertainer es nicht mehr darin aushalten?
Dass wir jetzt aber mal wirklich was tun müssen, bevor es noch einen deutschen Komiker/Politiker/Fußballer/Wettermann trifft?
Zu spät, Leute. Zu spät.

Und jetzt kommt der Witz: Es sagt überhaupt gar nichts. Das alles ist furchtbar traurig und ein Verlust – aber das ist jeder Suizid. Und letztlich unterscheidet den Suizid von Robin Williams nichts von dem, der mich dazu bewegte, dieses Blog zu führen. Denn Suizid und Depression ist nichts, was irgendwo anders geschieht, irgendwo anders Thema ist. Sondern hier.

Neben dir. Neben mir. Neben uns.

Die lachenden Gesichter, die uns tagtäglich in der Fußgängerzone entgegen blitzen – nimm mein Wort drauf, dass du garantiert schon an jemandem vorbeigelaufen bist, der ein lachendes Gesicht trug, das sich wie Holz anfühlte, so steif und fest und falsch.
Nimm mein Wort drauf, dass irgendwer mit dem du irgendwann in deinem Leben in Kontakt gekommen bist sich inzwischen das Leben genommen hat. Die Frau, die da neben dir in der U-Bahn so nett gelächelt hat. Die Kassiererin vom Supermarkt. Dein Zahnarzt. Der Typ vor dir in der Schlange beim Arbeitsamt. Suizid ist nichts Fremdes, Ungewöhnliches. Es ist lediglich schockierend.
Wir alle tragen Masken.
Aber manche sind so fest und eng, dass uns darunter die Luft zum Atmen ausgeht.

Depression und Suizidalität hat keine Optik. Keinen Status. Keine soziale Schicht.

Du siehst es keinem an.
Und deshalb – ist zuhören auch so verdammt, verdammt wichtig.
Aber damit das was bringt – darf keiner sich mehr schämen müssen, auch darüber zu sprechen.
Und vielleicht sagt der Suizid von Robin Williams ja ganz genau DAS.

Aus gegebenem Anlass möchte ich euch den Track "Robin Williams" von meinem Kumpel 2Seiten ans Herz legen.
Die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf der Single geht als Spende an die Deutsche Gesellschaft für bipolare Störung. Was ich mal ne geile Sache finde. Außerdem fetzt der Track und es spielen ein paar sehr tolle Leute in diesem Video mit.

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