Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...
Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...
Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...
Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...
Kann jeder Organspender werden? Und wie funktioniert das? Wo erhalte ich einen Organspendeausweis? Und wird mit einem solchen Dokument in der Tasche im Notfall trotzdem alles getan, um mein Leben zu retten? Über das Thema Organspende herrscht Unsicherheit. stern TV hat Antworten.
Nein. "Der Organmangel in Deutschland ist nach wie vor alarmierend", sagt der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste. "Wir dürfen nicht länger zuschauen, wie drei Menschen täglich auf der Warteliste für ein Spenderorgan versterben."
2009 haben bundesweit insgesamt nur 1.217 Menschen nach dem Tod ihre Organe gespendet, um schwer kranken Patienten zu helfen. Die Zahl der Organspender lag damit bei 14,9 pro eine Million Einwohner. Demgegenüber hoffen in Deutschland derzeit rund 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan, die meisten von ihnen auf eine Niere. Darunter sind auch 114 Kinder unter 16 Jahren.
Die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe ist bis zu dreimal geringer als der Bedarf. Gemessen an der Anzahl der auf ein Organ Wartenden ist Deutschland damit das absolute Schlusslicht im europäischen Ländervergleich.
In Deutschland gibt es zwar viele Menschen, die, wenn man sie fragt, zur Organspende bereit wären. Das Problem aber ist: Die meisten halten dies nicht schriftlich fest. Eine Auseinandersetzung mit dem Tod findet zu Lebzeiten in den meisten Fällen nicht statt. Am Ende müssen daher die Angehörigen über eine Organentnahme entscheiden. Sie aber kennen die Einstellung des Verstorbenen häufig nicht - und entscheiden sich dann oft dagegen.
Wer nach seinem Tod seine Organe spenden möchte, muss dies nahe stehenden Menschen mitteilen oder, noch besser, seinen Wunsch schriftlich festhalten - etwa in Form eines Organspendeausweises. Damit ist dokumentiert, dass der Verstorbene der Organentnahme zustimmt.
Bei Patienten mit Organspendeausweis werden die Angehörigen nicht um eine Entscheidung zur Organspende gebeten. Der Wille des Verstorbenen hat dann Vorrang. Existiert keine schriftliche Einverständniserklärung, müssen dagegen die Angehörigen entscheiden.
Wer Organspender werden möchte, muss sich nicht ärztlich untersuchen lassen. Ob die Organe am Ende für eine Transplantation geeignet sind, wird geprüft, nachdem der Tod festgestellt worden ist.
Ein Organspendeausweis ist nichts anderes als die schriftliche Einverständniserklärung, nach dem Tod seine Organe zu spenden. Sie können diesen Wunsch entweder formlos auf einem Blatt Papier festhalten. Oder Sie nutzen dafür ein spezielles Ausweisformular, dass Sie kostenlos in vielen Arztpraxen und Apotheken erhalten. Alternativ können Sie sich den entsprechenden Vordruck auch aus dem Internet runterladen, dann Vorder- und Rückseite ausfüllen, ausdrucken und ausschneiden oder einen solchen Ausweis bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellen.
Das Ausfüllen der Erklärung ist unbürokratisch und einfach. Eine Registrierung von Daten findet nicht statt.
Wer einen Organspendeausweis besitzt, sollte diesen am besten im Portemonnaie aufbewahren. Dann wird er im Notfall sofort gefunden.
Eine Altershöchstgrenze gibt es für die Organspende nicht. Ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Tests nach dem Tode.
Eine Organentnahme wird aber dann grundsätzlich ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen.
Ab 16 darf man sich einen Organspendeausweis zulegen. Und ab 14 Jahren darf man der Organentnahme widersprechen.
Ein Organspendeausweis hat nichts mit der intensivmedizinischen Versorgung eines Patienten zu tun, erklärt die Deutsche Stiftung Organtransplantation, die die Organspende deutschlandweit koordiniert und sich häufig mit dieser Frage konfrontiert sieht. Ziel aller medizinischen Maßnahmen im Falle eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung sei es, das Leben des Patienten zu retten. Nur wenn die ärztliche Hilfe zu spät komme und erst wenn der Hirntod nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden sei, würden Ärzte prüfen, ob eine Organspende in Frage kommt. Und dafür muss eben eine schriftliche Einverständniserklärung des Verstorbenen (Organspendeausweis) vorliegen, oder die Angehörigen müssen einer Entnahme zustimmen.
Ausführliche Informationen und viele weitere häufig gestellte Fragen zum Thema gibt es bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die die Organspende deutschlandweit koordiniert:
www.dso.de
Außerdem informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausführlich über das Thema Organspende:
www.organspende-info.de
Für individuelle Fragen zur Organspende hat die DSO außerdem ein kostenloses Infotelefon eingerichtet - es ist wochentags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr unter der 0800/9040400 zu erreichen.