HOME

Stern Logo Extra Depression

Was die Männerseele schützt – und was ihr schadet

Sind Männer seelisch in Not, ist das gar nicht so einfach zu erkennen. Die Soziologin Anne Maria Möller-Leimkühler hat sich intensiv mit der männlichen Depression beschäftigt – und weiß, wie man ihr begegnet.

Ein Mann lehnt an einer Mauer.

Eine Depression äußert sich bei Männern oft anders als bei Frauen

Die Symptome einer Depression

Wenn Männer in eine Depression rutschen, merken sie das oft selbst lange nicht. Das liegt daran, dass sie psychische Belastungen anders verarbeiten als Frauen und mit eher untypischen Symptomen wie Aggressivität oder Hyperaktivität reagieren. Manche Frauen erleben ihre Männer dann als besonders reizbar, ungeduldig und risikobereit. Traurige Gefühle gelten als unmännlich, Männer verdrängen sie deshalb gern. Oft versuchen sie, ihre seelische Not durch den suchtähnlichem Konsum von Internet, Fernsehen, Alkohol oder Sex zu kompensieren. Manche treiben auch exzessiv Sport.

Anlagen und Schutzfaktoren

Vererbung und traumatische Erfahrungen in der Kindheit können die Anfälligkeit für Stress und psychische Krankheiten erhöhen.
Ob Stress chronisch wird und in eine Erschöpfungsspirale führt, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Die Unterstützung durch Freunde und Vertraute, auch soziale Anerkennung schützen vor Depression. Eine gute Partnerschaft ist eine wichtige Grundlage für die Zufriedenheit von Männern. Finanziell keine Sorgen zu haben, stabilisiert die männliche Identität.

Wo Hilfe finden

Erster Ansprechpartner ist normalerweise der Hausarzt. Das Problem: Männer sprechen oft nur über körperliche Symptome, und viele Ärzte versäumen es, nach psychischen Problemen zu fragen. Wer Veränderungen an sich bemerkt oder von anderen darauf angesprochen wird, sollte dem Arzt das sagen. Sonst werden nur Symptome kuriert, und die Depression bleibt unerkannt.

Wenn Mann sich selbst im Weg steht

Oft ist es notwendig, das überhöhte Selbstbild zu korrigieren, das beinhaltet, ein Mann müsse stets stark und erfolgreich sein. Was Mann sich klar machen sollte: Auch Helden können scheitern, jeder hat eine Achillesferse. Ehrgeiz in Maßen kann ein nützlicher Antrieb sein, aber das Streben nach Status, Macht und Reichtum darf die emotionalen Grundbedürfnisse nicht überlagern.

Gemeinschaft statt Konkurrenz

In vielen männlichen Biografien finden sich die drei "K": Konkurrenz, Karriere, Kollaps. Weniger selbstschädigend wäre ein Leben, das mehr auf die Gemeinschaft mit anderen setzt und durch drei "W" gekennzeichnet ist: Wir, Work-Life-Balance, Wohlbefinden. Eine optimistische Einstellung hilft, die Anforderungen des Alltags zu bewältigen. Es braucht zudem Eigenverantwortung, Selbstreflexion und Freundschaften, um Gefühle von Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit zu erzeugen.

Tipps gegen Burnout

Ihre Stressbelastung im Alltag können Männer ganz praktisch verringern: Während der Arbeit kurze Pausen und Entspannungszeiten einhalten. Abends und am Wochenende: Handy ausschalten. Auf Mails erst am nächsten Morgen antworten. Und nicht übertreiben mit der Selbstoptimierung. Wichtig ist ein gutes Gespür für die eigenen Belastungsgrenzen.

Gesünder leben

Kurz gesagt heißt das: gutes Essen genießen, Alkohol nur in Maßen trinken, nicht rauchen. Das rechte Maß von An- und Entspannung finden. Viel Bewegung und .

Zum Weiterlesen:

Anne Maria Möller-Leimkühler: "Vom Dauerstress zur Depression – Wie Männer mit psychischen Belastungen umgehen und sie besser bewältigen können", Fischer & Gann, 2016, 240 Seiten, 22,99 Euro


Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity