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Kann Fischöl die Stimmung heben?

Fischölkapseln sollen vor vielen Krankheiten schützen. Doch helfen die Omega-3-Fettsäuren auch bei Depressionen? Klinische Tests kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Von Nicole Heißmann

Gut belegt ist eine positive Wirkung der Omega-3-Fettsäuren auf Herz und Gefäße

Gut belegt ist eine positive Wirkung der Omega-3-Fettsäuren auf Herz und Gefäße

Wie Bernstein funkeln die kleinen Dragees. Ihr Inhalt gilt als Schatz aus dem Meer: Fischölkapseln, prall gefüllt mit Omega-3-Fettsäuren, sollen vor allerlei Krankheiten schützen. Recht gut belegt ist eine positive Wirkung der Fette auf Herz und Gefäße: Sie können vor verengten Herzkranzgefäßen schützen, den Blutdruck senken und die Blutfettwerte positiv beeinflussen. Außerdem werden dem Nährstoff stimmungsaufhellende Effekte zugeschrieben - bis hin zur Besserung einer ausgewachsenen Depression.

Tatsächlich bewirken die marinen Fette einiges im Hirnstoffwechsel, das Niedergeschlagenheit bekämpfen könnte: Sie verstärken zum Beispiel die Wirkung der "Glückshormone" Serotonin und Dopamin und verbessern die Blutversorgung der Nervenzellen. Als Beleg für ihren Effekt gilt, dass in traditionellen Fischessernationen wie Japan oder Island auffällig wenig Depressive leben. In Ländern, in denen selten Meerestiere auf dem Speisezettel stehen, erkranken 30- bis 60-mal so viele Menschen an Schwermut.

Kein Ersatz für Psychotherapie oder Antidepressiva

Noch nicht so überzeugend schlugen sich Omega-3-Fettsäuren bisher in klinischen Tests an Patienten: Mal konnten sie eine Depression lindern, mal nicht. Weil die Forscher mit den unterschiedlichsten Dosierungen und Kombinationen verschiedener Fettsäuren experimentierten, kann man die Ergebnisse im Nachhinein kaum vergleichen. Das ist ein Manko, da sich erst aus einer gewissen Zahl solcher Patientenstudien mit ähnlichem Ergebnis ableiten lässt, ob die Besserung wirklich durch das Fischöl bewirkt wurde oder durch ganz andere, vielleicht zufällige Effekte.

Für eine offizielle Empfehlung von Omega-3-Kapseln gegen Niedergeschlagenheit reicht der Forschungsstand noch nicht, erst recht nicht für die Benennung einer "optimalen" Dosis, die man schlucken müsste. Wer will, kann selbst ausprobieren, ob die Dragees helfen, die immerhin fast frei von Nebenwirkungen sind: In Tests traten höchstens Mundgeruch und Verdauungsprobleme auf. Antidepressiva oder eine Psychotherapie können sie aber in keinem Fall ersetzen. Menschen mit Herz- und Gefäßproblemen sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob sich Fischöl mit ihren Medikamenten verträgt, Schwangere sollten besser auf hoch dosierte Fischöle verzichten, weil deren hoher Vitamin-A-Gehalt als Risiko für das Ungeborene gilt.

Ergiebiger scheint es da zu sein, regelmäßig fetten Seefisch wie Hering, Lachs, Makrele oder Thunfisch zu essen: Schon ein kleiner 100-Gramm-Hering aus dem Atlantik enthält vier Gramm Omega-3-Fett, Jod und Vitamin D und schmeckt den meisten sicher besser als acht 500-Milligramm-Dragees. Da können die noch so schön schillern.

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