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Jeden zehnten Vater trifft der Babyblues

Dass Frauen nach einer Entbindung depressiv werden können, ist bekannt. Doch dass dieses Problem auch oft die Väter trifft, ist erst wenig erforscht. Dabei passiert das weit häufiger als bisher angenommen.

  Väter können nach der Geburt ihres Kindes an einer Depression erkranken

Väter können nach der Geburt ihres Kindes an einer Depression erkranken

Viele Väter leiden während der Schwangerschaft ihrer Partnerin oder nach der Geburt eines Kindes an Depressionen. Das berichten US-Forscher, die Daten einer großangelegten Studie ausgewertet haben. Jeder zehnte junge Vater weist demnach Symptome einer Depression auf. In den ersten drei bis sechs Monaten nach der Geburt sind die Väter besonders gefährdet. Ist ein Elternteil betroffen, tritt die depressive Erkrankung beim Partner zudem häufiger auf, schreiben die Wissenschaftler um James Paulson von der Eastern Virginia Medical School im Fachmagazin "Jama". Unbehandelt können diese als postnatal oder auch postpartal bezeichneten Depressionen schwere Langzeitfolgen für den Nachwuchs und die ganze Familie haben.

In der Zeit während und nach der Schwangerschaft fühlen sich viele Frauen besonders reizbar, erschöpft und traurig. Zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber können ebenfalls auftreten. Einige Tage nach der Entbindung klingen diese Stimmungsschwankungen meist ab. Halten sie über einen längeren Zeitraum an, besteht die Gefahr einer postpartalen Depression, die professionell behandelt werden muss. Schätzungsweise bis zu 30 Prozent der Mütter erkranken an einer solchen Depression. Obwohl schon länger bekannt ist, dass auch Männer von der Erkrankung betroffen sein könnten, wurde die väterliche postpartale Depression bisher wenig beachtet.

Die Depression wirkt sich aufs Kind aus

Die Forscher um Paulson werteten für ihre Arbeit die Daten aus 43 internationalen Studien mit insgesamt 28.004 männlichen Teilnehmern aus, die zwischen 1980 und 2009 durchgeführt wurden. Ergebnis: Durchschnittlich 10,4 Prozent der befragten Väter litten während der Schwangerschaft und des ersten Jahres nach der Geburt unter Depressionen, das sind mehr als doppelt so viele Betroffene wie im Bevölkerungsdurchschnitt. In den ersten drei bis sechs Monaten nach der Geburt ihres Kindes waren die Väter besonders betroffen - 25,6 Prozent von ihnen waren depressiv. Dabei sind offenbar amerikanische Väter gefährdeter als Väter aus anderen Ländern wie den Niederlanden, Spanien oder Australien: 14,1 Prozent von ihnen erkrankten im Vergleich zum Länderschnitt von 8,2 Prozent.

Eine Depression der Eltern kann sich langfristig negativ auf die Entwicklung des Nachwuchses auswirken. Betroffene Kinder zeigen häufig weniger Sozialkompetenz als Kinder nichtdepressiver Eltern und sind oftmals verhaltensauffällig. Außerdem scheinen sie bis ins hohe Erwachsenalter ein erhöhtes Risiko für Angststörungen, Depressionen und Drogenmissbrauch zu haben. Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen einer mütterlichen depressiven Erkrankung und einer väterlichen. Im Rahmen der Vorbeugung und Behandlung sei es daher notwendig, die gesamte Familie in die Behandlung mit einzubeziehen, statt sich auf die Einzelperson zu konzentrieren. Zukünftige Forschungen sollten sich zudem auf die Wechselwirkungen einer Depression innerhalb der Familie und die Auswirkungen auf das Kind achten.

DDP/DDP
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