Das Baby im Bauch isst mit

Hormone steuern die Schwangerschaft. Leider können sie auch den Stoffwechsel stören. Dann sinkt die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin, Diabetes entsteht. Das kann gefährlich werden.

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Etwa drei Prozent der werdenden Mütter entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes©

Der Bauch wird langsam runder und runder, und ab und zu tritt jemand von innen dagegen. Meist beruhigt das die Mutter. Doch manchmal weckt es auch Ängste: Ist alles in Ordnung mit mir und dem Kind? Schwangere lauschen auf besondere Art und Weise in ihren Körper hinein. Manches entgeht ihnen aber - zum Beispiel, wenn ihr Zuckerstoffwechsel durcheinander geraten ist.

Bei knapp vier Prozent der werdenden Mütter in Deutschland wird einen solcher Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Da der Blutzuckertest keine erforderliche Routineuntersuchung in der Schwangerschaft ist, muss man davon ausgehen, dass wahrscheinlich sehr viel mehr Frauen einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, der jedoch unentdeckt bleibt. Der Unterschied zwischen diesem so genannten Gestationsdiabetes und anderen Formen der Zuckerkrankheit liegt schlicht darin, dass der Zuckerstoffwechsel zum ersten Mal während der Schwangerschaft nicht mehr gut funktioniert.

Schuld daran sind die Hormone. Schwangerschaftshormone wie Östrogen, Plazenta-Laktogen und Gestagene, die für den Erhalt der Schwangerschaft nötig sind, beeinflussen auch den Stoffwechsel der Mutter. Schließlich müssen sich Mutter und Kind die Nahrung teilen; beide sollten ihre Körperzellen mit genug Zucker versorgen können - jenem Brennstoff, aus dem die Zellen Energie gewinnen.

Hormone machen Körperzellen unsensibel

Vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft lassen die Hormone jedoch die Körperzellen abstumpfen: Sie reagieren dann nicht mehr so gut auf das Insulin, das normalerweise den Zucker in die Zellen bringt. Die Folge: Der mütterliche Blutzuckerspiegel steigt an.

Normalerweise gibt die Bauchspeicheldrüse sofort mehr Insulin in den Blutstrom ab, wenn der Zuckergehalt dort steigt. Bei manchen Schwangeren liefert das Organ aber nicht genug Insulin nach, der Blutzuckerspiegel im Blut bleibt daher hoch. Das passiert häufig zwischen dem fünften und siebten Schwangerschaftsmonat. Nach der Geburt pendeln sich die Blutzuckerwerte meist von alleine wieder ein. Wer allerdings schon vor der Schwangerschaft zuckerkrank war, wird es auch nach der Entbindung bleiben.

Diabetes kann Babys im Mutterleib übergroß werden lassen

Zu viel Zucker im Blut gefährdet Mutter und Kind: Für die Mutter steigt das Risiko für einen zu hohen Blutdruck. Daraus kann sich eine lebensbedrohliche Krankheit entwickeln: die so genannte Präeklampsie. Die schlimmste Ausprägung ist Eklampsie, einer Art Krampfanfall, oder das sogenannte HELLP-Syndrom, bei dem der ganze Organismus zusammenbrechen kann. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko einer Harnwegs- oder Scheidenentzündung, die zu vorzeitigen Wehen führen kann.

Auch für die Ungeborenen im Mutterleib bedeutet viel Zucker ein hohes Risiko. Die kindliche Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin bilden, um den hohen Blutzuckerspiegel zu bewältigen. Das stimuliert das Wachstum des Fettgewebes. Oft werden solche Säuglinge sehr schwer. Wiegt ein Baby bei der Geburt mehr als 4,5 Kilogramm, wird die Entbindung womöglich kompliziert - solche Kinder kommen häufiger durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Manche dieser sehr schweren Säuglinge haben Gelbsucht, vielleicht sind sie unterzuckert. Ignorieren die Schwangeren ihre Zuckerkrankheit oder behandeln sie sich nur ab und an, haben die Kinder einen schlechteren Start ins Leben: Sie können dann viel zu dick und möglicherweise später auch zuckerkrank werden.

Einige Mütter leiden in ihrem späteren Leben immer noch an den Folgen des Schwangerschaftsdiabetes. Fast die Hälfte aller Frauen wird im Laufe von zehn Jahren nach der Geburt zuckerkrank. Meistens handelt es sich dann um Diabetes Typ 2. Die Frauen können jedoch aktiv etwas dagegen tun: Normalgewicht, gute Ernährung und viel Bewegung anstreben. Und das am besten für die ganze Familie.

Den Heißhunger auf Süßes bändigen

Betroffene sollten während der Schwangerschaft stark zuckerhaltige Lebensmittel wie Kuchen oder Marmelade möglichst meiden. Das Bedürfnis nach Süßem lässt sich mit etwas Frischobst befriedigen. Aber Vorsicht: Auch Früchte erhöhen den Blutzuckerspiegel, daher ist auch hier wichtig, Maß zu halten. Vollkornbrot ist besser als süßes Gebäck, und zum Reis gehört immer eine große Portion Gemüse. Leichter Sport wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen tun Schwangeren und dem Ungeborenen gut - und senkt den Blutzuckerspiegel. Falls dieser trotz richtiger Ernährung und Sport weiterhin zu hoch ist, brauchen die Frauen wahrscheinlich Insulin.

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