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Leidiges Erbgut

Nicht nur die Haarfarbe können Kinder von ihren Eltern erben. Auch das Risiko, an Diabetes zu erkranken, ist erhöht, wenn Mutter oder Vater schon darunter leiden. Doch es liegt nicht nur an den Genen.

  Wie die Mutter, so die Tochter: Bei Diabetes beeinflussen die Gene das Erkrankungsrisiko

Wie die Mutter, so die Tochter: Bei Diabetes beeinflussen die Gene das Erkrankungsrisiko

War schon die Großmutter zuckerkrank? Oder ein Onkel? Leidet womöglich die Mutter an Altersdiabetes? Dann ist auch das Risiko bei einem selbst erhöht, daran zu erkranken. Denn die Gene spielen bei der Entstehung von Diabetes durchaus eine Rolle, sowohl beim Typ 1 als auch beim Typ 2 - wenn auch nicht die einzige.

Menschen mit Diabetes Typ 1 erkranken meist schon in jungen Jahren. Bei dieser Form kann die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren. Das Stoffwechselhormon ist aber nötig, um den Zucker aus dem Blut in die Zelle zu bringen. Daraus gewinnt der Körper Energie. Fehlt das Insulin, bleibt der Zucker im Blut, wo er große Schäden anrichten kann.

Störung im körpereigenen Abwehrsystem

Der Grund für den ausbleibenden Nachschub: Das eigene Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen, weil es sie mit schädlichen Eindringlingen verwechselt. Warum die Körperabwehr derart entgleisen kann, ist noch nicht endgültig geklärt. Fachleute vermuten aber, dass unter anderem die Gene dafür verantwortlich sind.

Beim Diabetes Typ 1 ist insbesondere eine Gruppe von Genen auf dem Chromosom Nummer sechs von Bedeutung: die sogenannten MHC-Gene (englisch für: "major histocompatibility complex"). Diese Gene enthalten den Bauplan für MHC-Proteine - spezielle Eiweiße, die dem Immunsystem helfen, körpereigene von körperfremden Zellen zu unterscheiden. Sind diese Eiweiße fehlerhaft, weil die Gene mutiert sind, ist das Unterscheiden offenbar nicht mehr ohne weiteres möglich.

Mitunter ist bei Menschen mit Diabetes Typ 1 auch das Insulin-Gen verändert. Möglicherweise sind weitere Erbgutabschnitte so zusammengesetzt, dass sie mehrere Mitspieler des Immunsystems negativ beeinflussen. All dies erhöht das Erkrankungsrisiko.

Vieles ist noch unerforscht

Vor allem bei Diabetes Typ 2 scheint die Vererbung eine große Rolle zu spielen. Denn bei einigen Familien taucht diese Variante der Zuckerkrankheit in fast jeder Generation auf. Die Statistik zeigt: Ist ein Elternteil betroffen, liegt das Risiko für das Kind, ebenfalls an Diabetes Typ 2 zu erkranken, bei etwa 40 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit steigt auf 80 Prozent, wenn Vater und Mutter betroffen sind.

Entdeckt wurde das erste Diabetes-Gen vor nicht allzu langer Zeit: im Jahr 2000. Es enthält den Bauplan für einen Rezeptor mit dem komplizierten Namen Peroxysome Proliferator Activated Receptor Gamma, kurz PPARgamma. Dieser Rezeptor ist beteiligt, wenn Fettzellen sich teilen. Eine Mutation in diesem Erbgutabschnitt könnte das Erkrankungsrisiko für die Betroffenen erhöhen.

Bis heute konnten Wissenschaftler eine ganze Reihe weiterer möglicher Diabetes-Gene identifizieren. Welchen Einfluss diese tatsächlich auf die Entstehung von Diabetes Typ 2 haben, ist noch nicht gänzlich erforscht. Das einzelne veränderte Gen bewirkt nur wenig. Erst wenn viele Gene gleichzeitig mutiert sind, erhöht sich das Erkrankungsrisiko deutlich.

Mit Ernährung und Bewegung vorbeugen

Eines ist jedoch sicher: Diabetes-Gene sind nur ein Risikofaktor unter vielen. Ob jemand im Laufe seines Lebens tatsächlich erkrankt, entscheidet nicht das Erbgut allein. Viel entscheidender ist die Lebensweise - Hauptursachen für Diabetes Typ 2 sind Übergewicht und Bewegungsmangel. Diabetesfälle häufen sich in einigen Familien auch, weil Kinder den ungesunden Lebensstil ihrer Eltern erlernen und übernehmen. Daher lässt sich kaum eine Erkrankung so gut vorbeugen: mit Sport und gesunder Ernährung.

Nicole Simon

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