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Hirn auf Ego-Trip

Ist das Gehirn an Diabetes schuld? Macht uns unser Oberstübchen fett, träge und schlimmstenfalls zuckerkrank? Diese Theorie vertritt jedenfalls der Lübecker Diabetes-Spezialist Achim Peters.

  Heißhunger: Unser Hirn bestimmt, wann wir Süßes wollen

Heißhunger: Unser Hirn bestimmt, wann wir Süßes wollen

Gemeinhin gilt eine kranke Bauchspeicheldrüseoder Zellen, die unempfindlich für das Hormon Insulin werden, als Ursache von Diabetes. Eine überraschend andere Theorie hat Achim Peters aufgestellt: Der Diabetologe von der Universitätsklinik Lübeck rückt das Gehirn nun als Ursache in den Vordergrund.

Tatsächlich spielt das Gehirn eine große Rolle bei der Ernährung. Es signalisiert, dass wir hungrig oder satt sind, und es bestimmt, wann wir essen und wie viel. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Denkorgan ebenso an der Entstehung von Übergewicht oder Diabetes beteiligt ist.

Adipositas-Experte Achim Peters erforscht mit seinem Team die Themen Fettleibigkeit und Zuckerkrankheit schon seit langem. Er glaubt, das Gehirn throne wie ein egoistischer Herrscher auf dem Körper und kontrolliere die Energiezufuhr sehr eigennützig. Peters Selfish-Brain-Theorie ist noch nicht bewiesen, doch sie erklärt einige schlechte Angewohnheiten des Menschen recht gut.

Das Gehirn braucht viel Traubenzucker

Das menschliche Gehirn ist auf Traubenzucker als Treibstoff angewiesen. Nur daraus kann es seine Energie gewinnen, und kein anderes Organ ist so gefräßig: Zwischen 80 und 140 Gramm Glukose verbrauchen die Hirnzellen jeden Tag. Obwohl das Gehirn nur zwei Prozent des menschlichen Körpers ausmacht, verschlingt es mindestens die Hälfte der verzehrten Energie, bei Stress sind es sogar 90 Prozent.

Da das Gehirn im Gegensatz zu anderen Organen keinen Zucker für schlechte Zeiten speichern kann, braucht es ständig Nachschub. Spezielle Sensoren messen zu jedem Zeitpunkt die Glukosekonzentration. Ist sie zu gering, gibt das Gehirn den Befehl, neue Energie zu beschaffen.

Erst wenn das Hirn satt ist, wird der übrige Körper versorgt

Dafür stehen grundsätzlich zwei Methoden zur Verfügung. Sind die Energiespeicher gefüllt, etwa nach dem Frühstück, mobilisiert das Gehirn in den folgenden Stunden die körpereigenen Reserven: Stärke aus anderen Organen wird in Traubenzucker verwandelt und ins Blut gespült. Gleichzeitig sorgt das Gehirn dafür, dass die Glukose nicht zuerst woanders im Körper verbraucht werden kann. Es drosselt die Insulinproduktion, sodass der Zucker nicht mehr in die Körperzellen gelangen kann. Erst, wenn das Gehirn gesättigt ist, wird auch der übrige Körper versorgt. Dieser Vorgang ist der Grund, warum der Lübecker Diabetes-Experte Peters das Gehirn "selbstsüchtig" nennt.

Mittags, wenn die Energiespeicher des Körpers fast aufgebraucht sind, sinkt der Blutzuckerspiegel. Dann fordert das Gehirn Nahrung. Der Mensch bekommt Hunger, isst und führt dem Körper den ersehnten Zucker zu. Ist nichts greifbar, schickt das Gehirn den Menschen auf Nahrungssuche - in der Steinzeit auf die Jagd, heute in den Supermarkt.

Wie Heißhunger entsteht

In der Steinzeit war dieses Programm sinnvoll. Sind die Reserven aufgebraucht, muss für Nachschub gesorgt werden - je süßer und fetter, desto besser fürs Überleben. Heute bringt dieses Programm jedoch Probleme mit sich.

Vor allem, wenn das Hirn die Balance verliert, kann sein Ego-Trip gefährlich werden, glaubt Peters: Bestimmte Faktoren wie Alkohol, Drogen und Medikamente, aber auch Hirntumore oder defekte Gene können die Vormachtstellung des Gehirns gefährden. Dann würde es sich nicht mehr genügend Energie aus den Körperspeichern holen können und der im Blut schwimmende Zucker werde vorrangig eingelagert, statt in den Kopf transportiert zu werden.

Um eine Unterversorgung zu vermeiden, ändert das Gehirn seine Taktik: Es fordert nun ständig Nahrung, so Peters. Dadurch entsteht der typische Heißhunger - obwohl der Körper eigentlich genügend Vorräte hat. Mithilfe dieser Strategie bekommt das Hirn jetzt zwar genug Zucker. Aufgrund der ständigen Nahrungszufuhr schiebt der Körper jedoch den größten Teil der Energie weiterhin in Depots oder baut sie zu Fett um. Das Resultat: Übergewicht, und möglicherweise Diabetes Typ 2 als Folge davon.

Stress ist auch für unser Gehirn nicht gesund

Weit häufiger als Tumore oder Drogen sei aber Stress der Grund, meint Achim Peters. Stress versetze das Gehirn in einen permanenten Alarmzustand. In solchen Phasen verbrenne es viel mehr Glukose als in ruhigen Phasen. Oft würden Menschen zu Beginn einer Stressphase daher abnehmen, sich dabei aber meist nicht besonders gut fühlen. Die schwindenden Pfunde gehen oft einher mit schlechter Laune, Gereiztheit, Depressionen oder Ängsten.

Der Körper hat hierfür ein Notprogramm entwickelt: Er mobilisiert nicht mehr die körpereigenen Energiespeicher, sondern löst ein Hungergefühl aus. Essen die Gestressten dann, sinkt ihr Stresslevel. Leider hat dieses Beruhigungssystem gewichtige Nebenwirkungen: Unbewusst programmieren sich die Betroffenen darauf, negative Gefühle mit Essen zu betäuben.

In der nächsten Krise rufen sie diesen Zusammenhang ab, essen wieder - und erfahren erneut, dass es sie beruhigt. Viele Menschen verbinden daher Nahrung, vor allem Süßes, mit Trost und Entspannung. Sobald sie sich schlecht fühlen, greifen sie zu Schokolade, Kuchen oder Eis. Nur: Dadurch lösen sich die Probleme nicht auf. Vielmehr entsteht ein Teufelskreis: Langfristig kann bei einem solchen Essverhalten Übergewicht entstehen. Und Diabetes Typ 2.

Naschen hilft nicht gegen Einsamkeit

Der Ausweg aus dem Teufelskreis scheint verblüffend einfach zu sein. Wer gelernt hat, dass Torte Trost spendet und Stress durch Süßigkeiten erträglicher wird, kann das auch wieder verlernen. Wer sich einsam fühlt, sollte den Schokoriegel liegen lassen und stattdessen einen Freund anrufen. Wer sich von Termin zu Termin schleppt, sollte den Alltag so organisieren, dass trotzdem noch Zeit für Ruhe bleibt.

Je häufiger das gelingt, desto besser kann das Gehirn mit jedem Durchlauf lernen, dass es auch anders geht: Das selbstsüchtige Organ übt so, sich an gesündere Regeln zu halten.

Nicole Simon

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